Besuch bei Soledads Family




 
Nach einem zweistündigen Schläfchen hab ich mich gestern Morgen gegen 11 Uhr hoch gequält um nach Doñihue zu fahren, in das Dorf von Soledads Family. Hat mit dem Bus ca. 2 Stunden gedauert, dann stand ich vor ihrer Tür. Ihr Vater begrüßte mich mit „Willkommen in der 3. Welt“. Sie müssen sich wohl ziemlich viele Gedanken gemacht haben, ob ihr Häuschen meinen Ansprüchen genügt, dabei war es echt schnucklig. Hatte nur eine Etage, wie die meisten Häuser hier und kam insgesamt recht rustikal und kantig daher, aber ich mag das ja ganz gerne, wenn nicht alles so glattpoliert ist. Von der Küche aus konnte man in einen wunderbar grünen Garten schauen, durch den mich Carlos, der Vater, auch wenig später führte.

Plaza in DoñihueReiterStraße mit HäuschenDoñihue versteckt im GrünenMit Vater Carlos unter WeinrebenFelix und SoledadAvocadobaumTraubenmeer

Er fragte mich, ob ich schonmal so einen armen Ort gesehen hätte, aber es war einfach himmlisch! Weinreben wuchsen an jeder Ecke, wir liefen unter einem Meer von Trauben hindurch, die direkt von dort in meinen Mund wanderten. Es gab Avocado- und Feigenbäume, ich hatte bis dahin keine Ahnung ob sowas an Bäumen, Sträuchern oder unter der Erde wächst. Hab zum ersten mal frische Feigen gegessen, direkt vom Baum, köstlich!

Danach wollte Carlos mir die Umgebung zeigen. Wieder machte er sich Gedanken, ob sein alter japanischer Pick-Up gut genug für mich wäre, aber ich versicherte ihm, dass ich abenteuerlustig und gespannt bin. Unglaublich war, dass er den Pick-Up als Rechtslenker gekauft und in Handarbeit die komplette Steuerung auf die linke Seite verpflanzt hatte. Hat wohl 20 Tage gedauert, aber funktionierte. Wir fuhren durch ein paar süße kleine Dörfchen, vorbei an Weinfeldern, Obstplantagen und Kakteen.

Nach einer kleinen Fahrradtour mit Soledad lernte ich beim Abendessen noch einige Verwandte kennen, die ringsherum lebten. Alle waren unglaublich nett und gastfreundlich zu mir, wirklich so unglaublich nett, wie ich es selten erlebt hab. Es war wie im Paradies, die Mutter bewirtete mich mit leckeren, selbstgemachten Empanadas, der Vater mit Traubenschnaps und der Schwager mit Bier. :)

Soledads Schwager ist ein Kubaner namens Raziel, der nicht mehr nach Kuba zurück darf, weil er länger als erlaubt im Ausland geblieben ist. Er ist auch Programmierer, hab mich lange mit ihm unterhalten, über seine Projekte, die politische Lage in Kuba und so dies und das. Er hat mir angeboten, bei seiner Familie in Kuba zu wohnen, wenn ich mal vorbei kommen wollte. Er war auch so unglaublich offen und herzlich zu mir, einem für ihn völlig Fremden, dass ich direkt Lust bekommen hab, mir wirklich mal das Land anzuschauen.

Hab in einem kleinen Zimmerchen im Haus geschlafen, das für mich als Traveller der reine Luxus war, da ich mal keine schnarchenden und polternden Zimmerkollegen ertragen musste, aber natürlich haben sich wieder alle Gedanken gemacht, ob es wohl gut genug für mich wäre. :) Hab wie ein Stein geratzt, aber hatte einen schlimmen Traum: Hab geträumt, dass ich jetzt wieder nach Deutschland zurück geflogen wäre und aus Versehen jetzt schon wieder angefangen hätte zu arbeiten. Als ich die Augen aufmachte und mich in Doñihue wiederfand, fiel mir ein Stein vom Herzen. :)

Hab heute mit Soledad noch eine kleine Runde durch die Stadt gedreht und bin danach lecker von ihrer Mutter Carmen bekocht worden. Wollte danach abwaschen, aber Soledad ließ sich nicht vom Waschbecken vertreiben. Sie hat mich doch tatsächlich gefragt, ob ich in Deutschland eine Haushälterin hab, die für mich abwäscht. Lustig: Ihr Vater hat mir stolz erzählt, dass er noch nie in seinem Leben einen Teller gespült hätte. :)

Dann war es Zeit für mich nach Santiago zurückzukehren. Ich verabschiedete mich von allen und langsam glaubte man mir wohl auch, dass es wirklich ein wunderbarer Tag für mich war. Ich lud Soledad ein, mich mal in Berlin zu besuchen. Als Lehrerin geht das zwar nur in ihren Sommerferien im Januar, wo bei uns ja nicht gerade das Hammerwetter ist, aber früher oder später wird sie sicherlich mal vorbei kommen. Dann ging’s mit den Bus zurück nach Santiago für mich.

Werd hier noch eine Nacht bleiben und morgen für einen Tag nach Valparaiso schauen, ein schnuckliges Städtchen eine Stunde entfernt von hier. Morgen Abend geht’s dann mit dem Nachtbus nach La Serena, wo ich für ein paar Tage mal wieder bisschen Strandluft schnuppern will.

Abschied von Sabrina und Argentinien




 
Hatte gestern nochmal ’nen schönen Abend mit Sabrina. Allerdings war es der letzte so langsam wurde es Zeit für mich weiter zu ziehen. Sabrina hat die nächsten Tage wenig Zeit, weil sie studieren muss und am Mittwoch Prüfung hat und ich bin auch langsam so weit wieder on the road zu sein.

Orangenbaum am StraßenrandSabrina und die Katze Felix

Heute war also Abschied angesagt. Haben uns nachmittags im Park getroffen und ich hab hab romantisches Abschiedgesäusel von mir gegeben, da bin ich ja ganz gut drin. :) Um die Dramatik noch etwas zu steigern, hab ich ihr ein kleines Kätzchen geschenkt. In Südamerika gibt’s nur wenige menschliche Felixe, das ist hier eher ein Katzenname. Und so bleibt ein kleiner Felix weiter bei ihr. Sie hat sich voll gefreut, mich noch zum Bus gebracht, es gab eine Runde Abschiedskuscheln, einen letzten Kuss, dann kam der Bus, ich musste schnell reinspringen, noch kurz gewunken und ab dafür.

Hab sie eingeladen, mich mal in Berlin zu besuchen, aber es ist wohl ziemlich schwierig bis unmöglich für sie, einen Flug zu bezahlen. Hab sie mal gefragt, was sie in ihrem Nebenjob (Krams im Kiosk verkaufen) verdient. Das sind so 2-3 Pesos pro Stunde (40-60 Cent). Mit ’nem „richtigen“ Job ist’s zwar sicher mehr, aber ein Flug ist für die meisten wohl unerschwinglich. Mal sehn, wenn ich mal reich und berühmt bin, spendiere ich ihr mal einen. :)

Lustig übrigens: Ihre Familie hat einen kleine Kater, der bis jetzt keinen Namen hatte und eigentlich auch keinen bekommen sollte. Als ich dort zum Essen war, hab ich angemerkt, dass das eine ganz schöne Schmach für den arme Kater sein muss, für immer namenlos zu sein. Das leuchtete allen ein und deshalb heißt er jetzt… Felix!

Ich bin inzwischen wieder in Mendoza, das wird heute mein letzter Tag in Argentinien sein, morgen geht’s weiter nach Santiago de Chile. Bin schon ein bisschen wehmütig, denn so schnell werde ich nicht mehr in dieses Land kommen. Ich werde meinen Abschied hier zelebrieren, indem ich’s mir nochmal richtig gut gehn lasse. Ich werde das größte Streak Rindfleisch der Stadt verdrücken und guten Wein aus Mendoza schlürfen bis ich platze, dann bin ich endlich so weit, weiter zu ziehen.

Wein-Tour




 
Heute war ich mit Paul auf einer Weintour. Mit einem Minibus ging’s zu zwei verschiedenen Weinereien, einer größeren und einer kleinen Bio-Weinerei. Dort bekamen wir den Prozess der Weinherstellung erklärt und gezeigt, anschließend gab’s eine Verkostung, leider nur mit kleinen Nipp-Schlückchen. :)

Weinfass, gefüllt mit 40.000 LiternReifung, der Wein in den Flaschen ist von 1977WeinanbauWeintrauben

Der Keller der großen Weinerei war beeindruckend, riesige Gewölbe mit Fässern mit bis zu 40.000 Litern Fassungsvermögen und Stapeln von Weinflaschen, die bis zu 30 Jahre alt waren. War ’ne ganz eigene Atmosphäre dort unten, würde da supergerne mal ’ne Party veranstalten. :)

Danach gab’s noch ’nen kleinen Abstecher zu einer Olivenölfarm, auch mit Verkostung. Ganz interessant war die Info über die Qualitätsabstufungen. Die Firma, die wir besuchten, stellt die beste Stufe her, „Extra-Native“. Die Abfälle, aus denen sich kein Öl mehr ziehen lässt, werden an andere Firmen weiterverkauft. Diese holen sich daraus mit Chemikalien die letzten Reste und verkaufen das dann als „Native“ Olivenöl. Deren Abfälle wiederum werden wieder verwertet, sind aber so ungenießbar, dass sich das ganze nur noch durch Beimischung nativen Öls verwenden lässt, verkauft wird das ganze dann einfach als „Olivenöl“.

Neue Fotos

Bin endlich mal wieder dazu gekommen, ein paar Fotos hochzuladen, hab sie zu den Postings Santiago de Chile und Weinfestival hinzugefügt.

Meinen romantischen Bildungsurlaub in San Martin hab ich auf Freitag verschoben, weil Sabrina in der Woche wenig Zeit hat. Hier gibt’s aber auch noch ’ne Menge zu sehen, werd morgen mit Paul ’ne Verkostungstour durch die Weinereien machen und vielleicht noch auf ’nen Berg in der Nähe klettern.

Weinfestival in Mendoza/Argentinien




 
Zurück in Argentinien! Nach einer rauschenden Partynacht in Santiago de Chile bin ich gestern mit dem Bus nach Mendoza gefahren. Mendoza ist das wichtigste Weinanbaugebiet Argentiniens und dieses Wochenende steigt das jährliche Weinfestival. Ist ’ne große Sache in Argentinien, es gibt einen Straßenumzug, von Trucks mit Musik werden Weintrauben und allerlei Krams in die Menge geworfen. Außerdem präsentieren sich leckere Chicas als Anwärterinnen auf den Titel der Weinkönigin, die am Ende des Wochenendes gewählt wird.

WeinfestivalSabrina (in der Mitte)WeinfestivalWeinköniginnen

Auf Mendoza hab ich mich aber vor allem wegen Sabrina gefreut, eine süße Maus, die ich bei der Feierei in Villa Gesell kennen gelernt hatte. Sie hatte dort mit ihrer Family Urlaub gemacht und mir ihre E-Mail-Adresse gegeben. Hab ihr damals gesagt, dass Mendoza fast auf meinem Weg liegt und ich in einigen Wochen vorbeikommen würde. Jetzt ist es endlich so weit.

Sie wohnt ca. 60 km von Mendoza entfernt, hab sie gestern Abend angerufen und gefragt, ob sie zum Festival kommen will. Haben uns für heute Morgen verabredet und ich hab am Busterminal auf sie gewartet. Große Freude: Sie kam tatsächlich und fiel mir um den Hals! Großes Entsetzen: Sie hat ihre Mutter mitgebracht! So hatte ich mir das Treffen eigentlich nicht vorgestellt… aber was konnte ich machen!

Die Mutter war aber echt nett und so hatten wir einen super Tag hier. Und Sabrina ist echt süß. Die beiden sind vor ’ner Stunde wieder gefahren, aber Sabrina versucht heute Abend wieder herzukommen, um mit mir bisschen um die Häuser zu ziehen. Werd die Tage mal schauen ob ich ein nettes Hotel in ihrer Stadt finde und dort mal ’ne Weile rumchillen.

Chillout




 
Ralph ist heute nach Buenos Aires weiter gezogen, Brian nach Feuerland. Paul und ich wollen dort auch als nächstes hin, haben aber keinen Bus vor Mittwoch bekommen und stecken deshalb hier noch zwei Tage fest. Ist aber ganz ok für mich, zwei chillige Tage am Strand kann ich mir noch ganz gut geben, bevor’s kalt wird. Die Busfahrt nach Feuerland ist 31 Stunden lang, das wird ein Spaß. :)

Gestern Abend gab’s im Hostel ein Barbecue mit Unmengen Fleisch und Wein und Bier. Sind heute Morgen erst um 8 Uhr im Bett gelandet, deswegen ist heute nicht allzuviel passiert. Meine einzige Aktivität bestand darin, zusammen mit Paul ein paar Stunden am Strand zu dösen.

Hab noch ein kleines Video zu den Pinguinen hochgeladen. Leider ist die Qualität durch die doppelte Komprimierung von Kamera und YouTube nicht so dolle.