Floating im Toten Meer



 

Heute war Chillout angesagt. Wir haben uns einen Badetag am Toten Meer gegönnt und sind dazu ins 7 km entfernte „En Gedi Spa“ getrampt. Weil Sabbat ist, fahren heute keine Busse, also liefen wir langsam die Straße entlang und hielten den Daumen raus. Nach einer halben Stunde glaubten wir schon fast nicht mehr daran, dass irgendwann mal jemand halten würde. Als ein Polizeiauto vorbei fuhr, ließen wir den Daumen wieder sinken, denn die Polizei würde ja wohl keine Tramper mitnehmen. Doch der Wagen hielt an und wir wurden tatsächlich von unserer persönlichen Polizeieskorte an unser Ziel gebracht.

„En Gedi Spa“ ist eine Art Totes-Meer-Schwimmbad. Es gibt ein Schwefelbecken, dessen 39 Grad heißes Wasser direkt aus dem Berg kommt. Außerdem natürlich einen Strand, in dessen unmittelbarer Nähe die Anlage mal gebaut wurde. Doch der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt jedes Jahr um 2 Meter, weil Jordanien und Israel die Zuflüsse umleiten, um das Wasser anderweitig zu nutzen. Inzwischen ist der Strand in zwei Kilometer Entfernung gerückt und eine Bimmelbahn fährt als Shuttle hin und her. Durch den Wasserrückgang, der unterirdische Höhlen freilegt, wird der gesamte Uferbereich instabil. Dieser ist an den meisten Stellen nicht mehr betretbar, da riesige, plötzlich einbrechende Schlucklöcher entstehen können.

Wir ließen uns also mit der Bimmelbahn zum Strand kutschieren und sprangen ins Wasser. Den Floating Effekt kannten wir zwar schon von unserer Reise vor zwei Jahren, aber es ist doch immer wieder schön, einfach mal auf dem Wasser liegend Zeitung lesen zu können. Wir gaben uns das komplette Programm, Totes-Meer-Schlamm-Einreibung, heiße Quelle und Strand. Nach den letzten recht rustikalen Reisetagen war das mal eine echte Wohltat.

Das Trampen zurück in unser Hostel gestaltete sich auch recht problemlos, dann wurde es dunkel und der Tag ging seinem Ende entgegen. Wir liefen nochmal Richtung Ufer zum einzigen geöffneten Kiosk und zischten ein Gute-Nacht-Bierchen. Dann liefen wir im Schein unserer Taschenlampen zum nächsten am Hostel gelegenen Badestrand, wo wir vor zwei Jahren das erste Mal im Toten Meer badeten.

Dort trauten wir unseren Augen kaum, als wir sahen, wie weit das Wasser in diesen zwei Jahren zurückgegangen war. Wir konnten uns noch gut an die Stelle erinnern, an der das Ufer damals begann, doch inzwischen sah alles ganz anders aus und das Wasser war erst mehrere Meter weiter entfernt zu sehen. Mir tat es richtig Leid um das schöne Tote Meer, es ist ein so einmaliger Ort auf der Welt und ich bin mir nicht sicher, ob kommende Generationen es überhaupt noch so kennen lernen werden. Vielleicht wird das Ufer bald so weit entfernt und instabil sein, dass künstliche Tote-Meer-Becken gebaut werden, in die das Wasser von weit draußen hinein gepumpt werden muss.

Morgen werden wir weiter ziehen, es wird ein recht vollgepackter Tag werden. Wir wollen ganz früh raus, dann bis mittags durch die En Gedi Oase wandern. Dann weiter zur Festung Masada, 20 km südlich von hier, dort die Rucksäcke irgendwo abstellen, später wieder einpacken und abends ins 200 km weiter südlich gelegene Elat fahren. Dort wird es supertourimäßig werden, Hotelbunker und Souvenirläden an allen Ecken, aber eben auch viel Sonne und das Rote Meer. Mit der Aussicht auf die wochenlange Kälte, die uns bald in Deutschland wieder bevor steht, kann man sich das auf jeden Fall mal geben.

Gestrandet am Toten Meer?



 

Gestern Abend trafen wir Riyad, Stephanie’s Freund aus Haifa, in Ramallah. Er legte dort auf einer Party auf und ich fragte mich, wie ein israelischer DJ auf einer palästinensischen Party gelandet war. Es stellte sich heraus, dass Riyad selbst Palästinenser mit einem israelischen Pass war. Er gehörte einem Musikertrupp an, der versucht, über Konzerte und Parties Verbindungen zwischen Haifa und Ramallah herzustellen und zu halten. Er meinte, im Westjordanland sei Ramallah die einzige Stadt, in der soetwas möglich ist.

Die Party selbst fand ich nicht so spannend, das Publikum bestand aus scheinbar etwas reicheren Palästinensern und Ausländern. An einer langen Bar wurden Biere und Schnäpse gezischt, auf der daneben liegenden Tanzfläche wurde getanzt, aber irgendwie ging die Post nicht so richtig ab. Vielleicht war’s auch einfach nicht mein Partytag, auf jeden Fall sprang der Funke nicht über. Allzu lange hielt ich mich dann auch nicht auf den Beinen, weil mich ein paar zu große Schlucke aus dem Schnapsglas ausknockten. Stephanie lieferte mich in meinem Bett ab und feierte selbst noch die ganze Nacht weiter, sie hatte wohl ganz gut Spaß mit der Truppe.

Heute Mittag wollten wir Ramallah verlassen und nach En Gedi zum Toten Meer aufbrechen. Wir mussten aber feststellen, dass das gar nicht so einfach war, denn der Freitag ist für Moslems, was der Sonntag für Christen ist und es gab nur wenige Busverbindungen.

Am Busbahnhof fanden wir mit etwas Verhandlungsgeschick einen Minibusfahrer, der uns für 160 Schekel (32 Euro) zum Checkpoint vor En Gedi fahren wollte. Dort endete das palästinensisch kontrollierte Westjordanland, deswegen durfte er nicht weiter fahren.

Auf halber Strecke fuhr er plötzlich rechts ran und deutete auf ein anderes Auto, in das wir einsteigen sollten. Die beiden Gestalten darin sahen aus, als wären sie direkt einem Gangsterfilm entsprungen. Sie sprachen kein Wort englisch und ich fragte mich, wohin wir nun entführt werden würden. Aber was blieb uns anderes übrig, unser Fahrer wollte sich partout nicht überreden lassen, selbst weiter zu fahren, weil sein Bus wohl für diese Strecke nicht zugelassen war.

Also Auto gewechselt und weiter. Aus den Boxen donnerte Ghetto-Hiphop, wir rasten, als wären wir auf einer Verfolgungsjagd, aber nach einer halben Stunde kamen wir tatsächlich am Checkpoint an.

Ich fragte einen Soldaten, wie wir von hier aus weiter kämen, er meinte, wir sollten trampen. Während ich noch zu verstehen versuchte, was er meinte, hielt Stephanie schon den Arm raus und im gleichen Moment hielt auch schon ein Auto. Drei nette Israelis nahmen uns mit bis nach En Gedi, sie selbst wollten in die Wüste fahren, um ein bisschen zu wandern.

Auf unserem letzten Israel-Trip hatten wir schon mal im gleichen Ort übernachtet. Leider war unser Hostel vom letzten Mal komplett ausgebucht. Wir probierten es bei der zweiten günstigen Übernachtungsmöglichkeit, doch auch hier war nichts mehr frei. Langsam wurde mir etwas mulmig, denn nun blieb als letzte Option im Ort nur noch ein Luxushotel. Doch nicht mal dort war ein Bett zu bekommen. Morgen ist israelischer Sabbat, also freier Tag, viele Israelis scheinen da auf die Idee zu kommen, mal bisschen ans Tote Meer zu fahren.

Ich rief alle Hotels in den Nachbarorten an, doch hatte auch dort nirgends Glück. Der letzte Bus war auch schon weg, also waren wir völlig gestrandet. Ich fragte verzweifelt im Hostel, ob wir nicht auf dem Boden im Speiseraum schlafen konnten, doch der Typ an der Rezeption lehnte ab. Draußen schlafen hielt er auch für keine gute Idee, da es hier in der Wüste wohl nachts ziemlich kalt würde.

Doch plötzlich gab es einen Lichtblick. Er meinte, vielleicht würde in der nächsten Stunde jemand seine Buchung stornieren und für uns würde ein Zimmer frei. Wenn das nicht klappen würde, wollten wir versuchen nach Jerusalem zu trampen. Das mussten wir aber nicht, denn nach einer Stunde kam er aus seinem Kabuff mit der Nachricht, dass er nun ein Zimmer für uns hätte.

Am Toten Meer auf gut Glück einfach mal an Hoteltüren zu klopfen, ist also scheinbar keine so gute Idee. Der Tag war spannend bis zum Schluss, sowas kickt mich immer ganz gut. Noch mehr kickt mich aber das Klima hier. Wir sind nun 500 Meter unter dem Meeresspiegel, ich kann endlich im T-Shirt draußen rumrennen und wir müssen keine Nächte mehr in unbeheizten Kühlkammern verbringen.