Sightseeing auf singapurianisch




 
Budapest besteht ja aus zwei Teilen, Pest auf der östlichen Donauseite, Buda auf der westlichen. Bis jetzt war ich nur in Pest unterwegs, deshalb wollte ich mir heute endlich mal die Buda-Seite anschauen. Es gibt ’ne „kostenlose“ Walking Tour, die mir vom Hostel empfohlen wurde. Letztendlich ist sie nicht wirklich kostenlos, weil die Führerin ein Trinkgeld haben möchte und auch gleich dazu sagt, dass es so 2000 Forinth (8 Euro) für jeden sein sollten. Aber war wirklich nett, sie war cool drauf und ich hab ’ne Menge gesehen. Buda ist wirklich schön, ziemlich anders als Pest, nämlich eher chillig, hügelig und mit kleinen, süßen Häuschen bebaut. Das Schloss macht von der Pest-Seite aus aber mehr her, als wenn man wirklich davor steht. Dafür ist die Aussicht vom Schloss aus nach Pest hinüber richtig schön.

Mit mir waren ein Amerikaner, eine Australierin und zwei Singapurianerinnen unterwegs. Der Amerikaner und die Australierin gingen gar nicht, die waren von der Sorte Traveller, die auch auf der anderen Seite der Erde nicht über ihren beschränkten Horizont hinauskommen. Der Amerikaner war immer wieder begeistert davon, dass an jeder Ecke ein Burger King steht und er auch hier überall amerikanische Charthits hören kann. Die Australierin war einfach nur scheiße. Und Scheiße kannst du hinpacken wo du willst auf der Welt, es bleibt eben immer noch Scheiße.

Die zwei Singapurianerinnen waren aber supersüß. Hab ’ne ganze Weile mit denen geschnackt und war mal wieder hin und weg von diesem asiatischen, comichaften Mädchen-Charme. Allein die Geräusche, die sie beim Staunen von sich geben, lassen mich einfach dahinschmelzen. Ich muss unbedingt mal länger nach Asien, ist mir da wieder mal aufgefallen.
Lustig find ich, dass die beiden englisch miteinander reden (sollte zumindest englisch sein), obwohl sie beide chinesich als Muttersprache sprechen. Aber in Singapur wird indisch, chinesisch und malaysisch gesprochen, deswegen haben sich scheinbar alle darauf geeinigt, dass sie mit englisch am besten über die Runden kommen. Außerdem finden die beiden chinesisch zu schwer. Zu scher, ihre eigene Muttersprache! Singapur ist schon ein komisches Land. Es gibt hohe Strafen für alles, z.B. auf die Straße spucken. Die beiden finden das völlig normal und schauten mich verwundert an, als ich ihnen sagte, dass das in Europa jeder machen kann, wenn ihm danach ist.

Ist aber mal wieder ’ne super Erfahrung, eine Art Metaperspektive zur eigenen Kultur einzunehmen und z.B. zu erklären, wie Weihnachten gefeiert wird. Ich bin ja nicht soooo weit von zu Hause weg und auch nicht wirklich im Urlaub und trotzdem fühlt sich alles plötzlich so sehr nach Travelling an, I love it!

Abends hab ich bei ’ner Firma vorbei geschaut, die ein Projekt für ‘nen Kunden von umgesetzt hat und mir bisschen was erklären lassen. War nett, auch mal bisschen Businesswelt in Budapest zu sehen. Ich krieg hier so viel Input, Impressionen und einfach Leben mit, die Dezemberdepression ist mittlerweile in ein völliges Hochgefühl umgeschlagen.

Morgen früh geht’s auch schon wieder in den Flieger zurück nach Berlin. Hab mir gerade noch ’ne fette Abschiedsvöllerei mit Steak, Bier, Wein und Palatschinken gegönnt. Der perfekte Abschluss, ich liebe Budapest und ich liebe mein Leben wieder!
Im Hostel ist inzwischen eine Chilenin eingetrudelt. Süßes Ding mit ’nem bisschen dicken Hintern, aber alles in allem schon schnuckelig. Allerdings hat sie so was seltsam gelangweiltes (nur gespielt?) an sich, das bei mir sofort alle Alarmglocken läuten lässt. Ich kenne mich inzwischen zu gut, um zu wissen, dass ich leicht auf sowas abfahre in der Hoffnung, in ihr was verborgenes wecken zu können. Am Ende ist da aber nie was weckbares, also hab ich’s bei bisschen Geschnacke über meine Südamerikareise belassen und keine weiteren Annäherungsversuche gestartet. Jetzt sitzt sie auf’m Sofa und guckt DVD. Ich hab aber das Gefühl, dass sie dabei immer zu mir rüber schielt. Nee, nee, das lass ich wirklich. Ich verzieh mich gleich ins Bett und geb mir noch ’ne Runde Online-Poker.

Uyuni-Tour: Tag 1




 
Heute ging’s los auf unsere dreitägige Tour zum Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt, der inzwischen aber fast komplett ausgetrocknet ist. Um 10 Uhr starteten wir mit einem Jeep, außer Paul und mir waren vier andere Traveller dabei. Die nächsten drei Tage werden wir hauptsächlich im Auto verbringen, nach den anstrengenden Abenteuern der letzten Wochen ist es aber mal ’ne ganz angenehme Abwechslung, sich herumfahren und von wunderbarer Landschaft berieseln zu lassen. Paul und ich haben uns Schlafsäcke gekauft, den vermieteten Agenturschlafsäcken traue ich nicht mehr über den Weg.

Unser erstes Ziel war der Eisenbahn-Friedhof in der Nähe von Uyuni. Dort werden sämtliche Züge aus der Gegend abgestellt, die nicht mehr benötigt werden und rosten vor sich hin. Ist sehr nett anzuschauen und super für Fotos. Könnte mir auch gut vorstellen, dort mal ein Open-Air zu veranstalten. :)

Eisenbahn-FriedhofChilloutInsel im SalzBalance-Akt

Danach erreichten wir den Salar. Am Rand wird jede Menge Salz abgebaut, wahrscheinlich liegt dort genug, um die Welt für immer zu versorgen. Die Salzfläche ist bis zu sieben Meter dick auf insgesamt 12000 Quadratkilometern Fläche. Nach einem kurzen Stopp fuhren wir direkt hinein, das schneeweiße Salz reflektiert das Sonnenlicht so stark, dass man ohne Sonnenbrille kaum die Augen öffnen kann. Weil auf Fotos die weiße Fläche keine Tiefenwahrnehmung zulässt, kann man schräge Sachen mit der Perspektive anstellen.

Mittagessen gab’s am Rand von ’ner kleinen Insel mitten im Salz. Unsere Tour-Köchin war Fabiana, die Schwester unseres Fahrers Severino. Die beiden waren richtig nett. Fabiana war ziemlich schüchtern, aber voll süß dabei. :) Zum Mittag servierte sie uns Reis mit Lamafleisch, sehr lecker.

Leider verließen wir nach einigen Stunden den Salar wieder, ich hätte mir bisschen mehr Zeit dort gewünscht. Um 7 Uhr erreichten wir unsere Bleibe für die Nacht. Nach dem Sonnenuntergang wurde es schnell kalt, zum Glück gab’s ’ne heiße Dusche. Fabiana kochte uns Spaghetti Lama-Bolognese, wir spielten noch ’ne Runde Karten, aber werden gleich in unseren Schlafsäcken verschwinden, um der Kälte zu entfliehen.

Tour ins Moon Valley




 
Heute war ich mit ’ner Tour im Moon Valley unterwegs, der Name kommt von der kargen Mondlandschaft. Ich bin völlig hin und weg von der Wüste hier, die Landschaft verbeitet eine unwirkliche Endzeitstimmung und auf sowas fahr ich einfach ab. Viel zu schreiben gibt’s darüber eigentlich nicht, denn Bilder sagen hier mehr als alle Worte.

Felix in der WüsteWüste und VulkanSchluchtMondlandschaftWüstenwalkWandSalzkappenKletternSchattenBergeHangSonnenuntergang

Zu erzählen gibt’s allerdings was über eine unglaubliche Person, die auch auf dieser Tour war: Eine ältere, deutsche Frau, die zwar nicht in unserem Bus saß, aber die gleichen Stopps hatte und uns deshalb immer wieder begegnete. Sie hatte graues, kurzes Haar, ein Gesicht, das an eine Mischung aus Hund und Mann erinnerte und zeichnete sich dadurch aus, dass sie ausnahmslos jeden Menschen anbrüllte, der ihr über den Weg lief.

Den ersten Kontakt hatten wir mit ihr, als wir ein Stück durch die Wüste liefen. Plötzlich stand sie mit ihrer Kamera vor uns und brüllte los, weil wir wohl ihren Bildausschnitt verunstalteten. Sie fauchte und tobte, wir seien völlig unwichtig für sie und sie lege keinerlei Wert darauf, uns auf dem Foto zu haben! Schockiert fragten wir die Kollegen aus ihrem Bus, was falsch mit ihr läuft. Sie erzählten uns, dass sie angefangen hätte zu brüllen, als der Bus sie fünf Minuten zu spät abholte. Sie sei Deutsche und Deutsche kämen niemals zu spät, sie hätte sich noch nie in ihrem Leben verspätet! Im Bus muss sie sich dann wohl direkt neben den Fahrer gesetzt haben und so lange auf ihn eingebrüllt, bis er die Musik ohrenbetäubend laut aufdrehte.

Diese Frau war unglaublich: Wenn sie gerade niemanden zum anbrüllen fand, fluchte sie laut vor sich hin. Zudem konnte sie neben deutsch noch spanisch und englisch, also mit wirklich mit jedem streiten. Als wir sie das nächste Mal sahen, schrie sie gerade den armen Klomann vor einer öffentlichen Toilette an. :)

Irgendwann war’s echt wie fernsehen. Wir beobachteten sie aus der Ferne und gaben Tips ab, wer ihr nächstes Opfer sein würde. Von einem Berg aus hatte man einen super Überblick und konnte genau sehen, wer ihren Weg kreuzen würde. Dann immer dasselbe Bild: Wütendes Gefuchtel, gellende Schreie und ungläubig guckende Menschen, die sich nicht ganz sicher waren, ob das wirklich gerade passiert war. Diese Frau war auf jeden Fall die Attraktion des Tages. Vielleicht gehörte sie auch zum offiziellen Unterhaltungsprogramm der Tour. :)

Salz-Tour




 
Nachdem ich mich gestern von Paul nach unserem kurzen Wiedersehen verabschiedet hatte, hab ich ’ne Tour zur Salzebene Tebinquiche gemacht. Bei einem Zwischenstopp an der Cejar Lagune konnten wir ein Stüdchen in extrem salzhaltiges Wasser springen, der Salzgehalt liegt bei 30%! Es war unglaublich, man schwebte auf dem Wasser wie auf einer Luftmatratze und konnte sich einfach drauf legen und treiben lassen. Es war unmöglich, die Füße unter Wasser zu halten, so stark trieb einen das Salz nach oben. Danach war mein kompletter Körper von einer Salzkruste bedeckt, die sich selbst mit ’ner dicken Ladung Süßwasser kaum entfernen ließ.

Schweben im SalzwasserCejar LaguneWüstenstraße“Salzaugen”, 40 Meter tiefTebinquiche SalzebeneGroß und kleinSalzFelix auf Salz

Pünklich zum Sonnenuntergang erreichten wir die Tebinquiche Salzebene. Früher war das mal ein Salzsee, der jetzt aber ausgetrocknet ist. Es war atemberaubend schön, eine riesige, platte Fläche aus schneeweißen Salzkristallen! Es gab ’ne Runde Pisco Sour für alle, dann ging’s zurück nach San Pedro.