Quad und Abgrund



 

In Baños bin ich gestern Nacht angekommen, ist ein süßer Ort in den Bergen, ziemlich touristisch, aber gechillt. Heute Morgen hatte ich noch zwei Stunden Zeit bis zum EM-Halbfinale. Gegenüber vom Hotel gab’s ’nen Quad-Verleih. Wie lange hatte ich schon davon geträumt, mal wieder mit ’nem Quad rumzupesen, das letzte Mal war vor 7 Jahren in der Wüste von Ägypten! Für 16 Dollar (10 Euro) bekam ich für zwei Stunden so ein Teil.

Start mit dem QuadSeilbahnAbgrundTal

Ich bekam eine sogenannte „Schulung“ im Quadfahren, die 30 Sekunden dauerte und darin bestand, mir Gas und Bremse zu zeigen. Angeblich ist die Hinterbremse sicherer als die Vorderbremse. Als ich los fuhr, merkte ich, warum. Die Vorderbremse funktionierte gar nicht, die Hinterbremse so halb. Egal, wer bremst hat eh verloren, ich düste los und hatte echt ’ne Menge Spaß. Das wichtigste Element zur Vorfahrtsregelung im südamerikanischen Straßenverkehr fehlte aber: die Hupe! Wer zuerst hupt, fährt normalerweise zuerst, aber wer zuerst Gas gibt, hat in der Regel auch Vorfahrt. :)

Der Typ vom Verleih hatte mir empfohlen, zum nahegelegenen Canyon zu fahren, wo’s ’ne lustige Seilbahn gibt. Ich kam dort an und wusste nicht so recht, ob ich mir den Spaß geben sollte. Das Teil heißt Canopy und funktioniert so: Man fährt mit ’ner Gondel an ’nem Stahlseil hängend 100 Meter über dem Abgrund auf die andere Seite, die ganze Technik sieht aus wie ’ne Eigenkonstruktion vom Betreiber. Gegenüber gibt’s ein anderes Seil, das schräg nach unten zurück führt. Dort bekommt man ’nen Klettergurt angeschnallt, wird mit ’nem Karabinerhaken ans Stahlseil gehängt und saust frei über dem Abgrund hängend zurück.

Schließlich hab ich mir ’nen Ruck gegeben und ab ging’s. War auf jeden Fall ein richtig fetter Adrenalinkick, 100 Meter Abgrund unter sich zu haben. Auf der anderen Seite hat mich ’ne Frau aufgefangen und festgehalten. Wenn sie mich nicht erwischt hätte, wäre ich zurück über den Abgrund gesaust und in der Mitte hängen geblieben, keine Ahnung, wie sie mich dann befreit hätten. Sie hat auch ein Foto von mir gemacht, wie ich mit angsterfülltem Gesicht am Seil hänge. Das hab ich aber leider nur ausgedruckt und nicht digital,deshalb kann ich’s hier nicht posten.

Danach hatte ich noch ’ne Stunde Zeit und bin mit dem Quad bisschen Offroad in ’nen Waldweg reingefahren. Alles in allem war’s ’ne schöne Einstimmung zum nächsten Adrenalinkick: Fußball!

One thought on “Quad und Abgrund”

  1. Felix….es ist schon erstaunlich….wie offen….du mit deinen Ängsten umgehst und sie dann ganz schnell in ein Staunen verwandeln kannst….ich denke da an deine Vorstellung….du könntest an dem Seil über dem Abgrund….mitten darüber….hängen bleiben….und hättest keine Ahnung….wie dich da jemand zurück holen könnte….

    Tja….vielleicht ist es wirklich so….dass mit dem Staunen so manche Unwägsamkeiten in den Griff zu kriegen sind….so habe ich wieder etwas bestätigt bekommen….was ich bereits zu wissen glaubte….das aber im Unterbewußtsein verbuddelt schien….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.