Puerto Monnt ist eine 200.000 Einwohner-Stadt mit einem modernen Stadtzentrum und einem süßen, verschlafenen Stadtrand mit kleinen Häuschen. Es gibt kaum Gringos hier, hab heute den ganzen Tag noch keinen Touristen gesehen. Dadurch zahlt sich mein Blondie-Bonus langsam aus, ich komm mir vor wie Brad Pitt!

Auf der Straße lachen mich die Mädchen an und sagen “Hello”, hier und da dreht sich eine um und kichert verschmitzt. Gestern wurden Paul und ich von zwei Mädels angequatscht, ich hab nur sowas wie “Peso” verstanden und dachte, sie wollten Geld. Hab sie deshalb weggeschickt, mir kam das ganze aber komisch vor, weil sie gar nicht wie Bettler aussahen. Dann fiel es mir abends wie Schuppen aus den Haaren: Sie meinten sicher “Beso”, also “Kuss”! Fahren heute leider schon wieder weiter, aber wenn’s in Chile überall so läuft, stehen goldene Zeiten bevor!

Paul, Katie, Felix und BrianHäuschenHimmelsfeuerFriedhof

Hatten hier gestern eine sehr gechillte Nacht in einem schnuckligen, kleinen Guest-House. War mal eine angenehme Abwechslung zu den Dorm-Rooms in Hostels, hatten sogar einen Fernseher im Zimmer. Das erste Mal fernsehen seit einem Monat, es gab sogar einen deutschen Kanal! Wunderbar, um mal bisschen runterzukommen.

Gestern Abend gab es einen kleinen Abschied für mich und einen großen für Paul und Brian. Paul zieht weiter nach Bariloche/Argentinien, ich mit Brian zusammen nach Santiago/Chile. Brian und Paul werden sich nicht wieder sehen, ich treffe Paul aber in einigen Tagen in Mendoza/Argentinien wieder. Wir reisen nun schon drei Wochen zusammen, wird sicher anders werden ohne die Kollegen. Aber anders ist wiederum auch neu und neu ist grundsätzlich spannend.

In zwei Stunden werde ich mit Brian wieder on the road sein: 12 Stunden Busfahrt in die Hauptstadt. Werden versuchen, die zwei chilenischen Mädels zu treffen, die wir aus Buenos Aires kennen, können uns bestimmt bisschen in der Stadt rumführen.


Bin nach einer Nacht Busfahrt gestern mit Brian in Santiago de Chile angekommen. Haben noch nicht viel von der Stadt gesehen, weil wir von der Fahrt ziemlich durch waren und deshalb den ganzen Tag im Hostel geratzt haben. Haben gestern Abend Soledad besucht, die Chilenin, die wir in Buenos Aires kennen gelernt hatten. Sie wohnt zufälligerweise nur 5 Minuten Fußweg von unserem Hostel entfernt. Patricia kam auch vorbei, die andere Chilenin aus Buenos Aires. War schön, die beiden mal wieder zu sehen.

StatueFischmarktFelix im ParkStraßenmusik

Im Laufe des Abends gab es eine etwas seltsame Geschichte. Soledad hatte in Buenos Aires wohl mal in meinem Blog rumgestöbert und ein paar Postings mit einem Online-Translator übersetzt. Dabei muss sie auf ein Posting gestoßen sein, wo ich Brian namentlich erwähnt hatte, sie aber nur als “die beiden Chileninnen”. Das scheint sie einen Monat lang beschäftigt zu haben, auf jeden Fall sprach sie gestern auf einmal davon.

Das schräge an der Geschichte ist, dass sie glaubte, ich hätte ihnen keine Namen gegeben, weil sie Südamerikanerinnen sind und es deshalb nicht wert seien, namentlich erwähnt zu werden. Ihr war das dann alles ziemlich peinlich und es war schwer, mit ihr darüber zu sprechen, aber es muss hier so eine Art kollektives Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der sogenannten Ersten Welt geben.

Würde da gerne etwas mehr drüber rauskriegen. Werd jetzt auf jeden Fall mal etwas Tempo aus meinem Trip rausnehmen. Der erste Monat war ziemlich viel High-Speed-Travelling, was für den Anfang auch super war, aber eben nicht für die ganze Zeit. War bis jetzt vor allem als Tourist unterwegs, ein Gletscher hier, ein Strand da, aber will jetzt mal versuchen, die Seele Südamerikas etwas besser kennen zu lernen. Und die Mädels. Irgendwie gehört beides ja auch zusammen. :)


In Kolumbien sieht’s grad gar nicht gut aus, Stress liegt in der Luft, vielleicht gibt’s Krieg mit Ecuador. Das ist für mich nicht besonders hilfreich, weil ich im Juni in Ecuador sein werde und mein Rückflug Ende Juli von Kolumbien aus geht.

Letzte Woche hat die kolumbische Armee ein Lager der FARC-Rebellen auf ecuadorianischem Staatsgebiet angegriffen, 17 Menschen wurden getötet. Ecuador hat daraufhin Truppen an der Grenze aufmarschieren lassen. Venezuela hat Truppen im Norden zusammengezogen und die Grenze zu Kolumbien geschlossen. Die Grenze zu Ecuador ist, soweit ich weiß, momentan noch offen.

Bis zu meiner Ankunft kann noch ‘ne Menge passieren, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Ich werde Augen und Ohren offen halten, wie sich die Lage entwickelt. Im schlechtesten Fall muss ich ‘nen Flug nach Bogota nehmen, das sollte funktionieren, selbst wenn die Grenzen komplett dicht sind.

Hab praktischerweise ‘nen Korrespondenten direkt vor Ort: Ein DJ aus Bogota hat mich letzte Woche über die Mixotic angeschrieben, werde ihn im Juli in Bogota treffen. Er kann mir sicher nützliche Infos über die aktuelle Lage geben.


Die Streithähne haben sich nach einer Runde Säbelrasseln wieder eingekriegt. Nach einer Runde Schulterklopfen sind die Truppen wieder abgezogen worden und alle haben sich lieb. Sieht also ganz gut aus für meine Pläne.


Zurück in Argentinien! Nach einer rauschenden Partynacht in Santiago de Chile bin ich gestern mit dem Bus nach Mendoza gefahren. Mendoza ist das wichtigste Weinanbaugebiet Argentiniens und dieses Wochenende steigt das jährliche Weinfestival. Ist ‘ne große Sache in Argentinien, es gibt einen Straßenumzug, von Trucks mit Musik werden Weintrauben und allerlei Krams in die Menge geworfen. Außerdem präsentieren sich leckere Chicas als Anwärterinnen auf den Titel der Weinkönigin, die am Ende des Wochenendes gewählt wird.

WeinfestivalSabrina (in der Mitte)WeinfestivalWeinköniginnen

Auf Mendoza hab ich mich aber vor allem wegen Sabrina gefreut, eine süße Maus, die ich bei der Feierei in Villa Gesell kennen gelernt hatte. Sie hatte dort mit ihrer Family Urlaub gemacht und mir ihre E-Mail-Adresse gegeben. Hab ihr damals gesagt, dass Mendoza fast auf meinem Weg liegt und ich in einigen Wochen vorbeikommen würde. Jetzt ist es endlich so weit.

Sie wohnt ca. 60 km von Mendoza entfernt, hab sie gestern Abend angerufen und gefragt, ob sie zum Festival kommen will. Haben uns für heute Morgen verabredet und ich hab am Busterminal auf sie gewartet. Große Freude: Sie kam tatsächlich und fiel mir um den Hals! Großes Entsetzen: Sie hat ihre Mutter mitgebracht! So hatte ich mir das Treffen eigentlich nicht vorgestellt… aber was konnte ich machen!

Die Mutter war aber echt nett und so hatten wir einen super Tag hier. Und Sabrina ist echt süß. Die beiden sind vor ‘ner Stunde wieder gefahren, aber Sabrina versucht heute Abend wieder herzukommen, um mit mir bisschen um die Häuser zu ziehen. Werd die Tage mal schauen ob ich ein nettes Hotel in ihrer Stadt finde und dort mal ‘ne Weile rumchillen.

Hab schön gerockt gestern, allerdings auf’s falsche Pferd gesetzt. War mit Katie feiern, der Amerikanerin, mit der Paul seit ’ner Weile reist.

Schön Reggaeton getanzt mit allem, was dazu gehört, Schwanz an Arsch und so weiter. Hab dann ‘ne Argentinierin und ihren Cousin kennen gelernt, da dachte ich mir doch, Argentinierin kickt irgendwie mehr, hab geswitcht und Katie an den Cousin vermittelt.

Der hat uns später mit dem Auto zum Hostel gebracht und ich dachte mir so, ich geh mit zur Argentinierin. Schön auf’m Rücksitz rumgeknutscht, alles lief bestens, doch dann der Schock: Ihr wurde schlecht , auch mit allem, was dazu gehoert, aus’m Fenster kotzen und so weiter. Da wurden meine Pläne binnen Sekunden buchstäblich durch ihre Speiseröhre gespült. Irgendwie war ich auch noch schuld, weil ich ihr ‘nen Killer Cubra-Libre spendiert hab, der sie wohl dahingerafft haben muss.

Wollte zurück zu Katie switchen, aber da wollte sie natürlich nicht mehr. Back-Switching klappt eben fast nie. Hab vor ihrem Hostel ‘ne Diskussion gestartet, dass geknutscht werden muss und bestimmt ‘ne Viertelstunde mit Argumenten um mich geschmissen, aber da war nix mehr zu machen.

Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass sie ein Freak ist und mit ihr irgendwas nicht stimmt. Muss ich ihr wohl auch gesagt haben, weil sie am nächsten Tag Paul fragte: “Felix sagt ich bin ein Freak! Meinst du er hat recht?” :)

Der Knackpunkt des Abends war das Switching. Taktisch kann ich aber im Nachhinein keinen Fehler erkennen, höchstens in der Fehleinschätzung des Dichtheits-Levels der Argentiniertin. Praktisch aber ist: Sie wohnt in derselben Stadt wie Sabrina und ich hab ihre Nummer. Wenn ich also dort aufschlage und mit Sabrina nichts läuft, hab ich ‘ne zweite Option. :)

Ansonsten: Neue Weiber, neues Glück!


Vor einigen Tagen hat mich ein DJ aus Bogota/Kolumbien angeschrieben, ich werde mich im Juli dort mit ihm treffen. Hab ihn mal gefragt, ob er auch Parties organisiert und hatte die Idee, mit ihm zusammen aufzulegen und Bogota ordentlich zu rocken.

Heute kam die Antwort, dass er versucht was zu organisieren. Es wäre die perfekte Krönung meines Trips, Bogoto mal richtig schön einzuheizen! Hoffe, dass das klappt.

Ich werde morgen nach San Martin weiterziehen, die Stadt, in der Sabrina wohnt. Das soll so ‘ne Art Sprachurlaub mit romantischer Komponente werden, denn dort verirrt sich bestimmt kein englisch sprechender Traveller hin und außerdem kann ich die süße Sabrina sehen. :)

10.03.2008

Neue Fotos


Bin endlich mal wieder dazu gekommen, ein paar Fotos hochzuladen, hab sie zu den Postings Santiago de Chile und Weinfestival hinzugefügt.

Meinen romantischen Bildungsurlaub in San Martin hab ich auf Freitag verschoben, weil Sabrina in der Woche wenig Zeit hat. Hier gibt’s aber auch noch ‘ne Menge zu sehen, werd morgen mit Paul ‘ne Verkostungstour durch die Weinereien machen und vielleicht noch auf ‘nen Berg in der Nähe klettern.

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11.03.2008

Wein-Tour


Heute war ich mit Paul auf einer Weintour. Mit einem Minibus ging’s zu zwei verschiedenen Weinereien, einer größeren und einer kleinen Bio-Weinerei. Dort bekamen wir den Prozess der Weinherstellung erklärt und gezeigt, anschließend gab’s eine Verkostung, leider nur mit kleinen Nipp-Schlückchen. :)

Weinfass, gefüllt mit 40.000 LiternReifung, der Wein in den Flaschen ist von 1977WeinanbauWeintrauben

Der Keller der großen Weinerei war beeindruckend, riesige Gewölbe mit Fässern mit bis zu 40.000 Litern Fassungsvermögen und Stapeln von Weinflaschen, die bis zu 30 Jahre alt waren. War ‘ne ganz eigene Atmosphäre dort unten, würde da supergerne mal ‘ne Party veranstalten. :)

Danach gab’s noch ‘nen kleinen Abstecher zu einer Olivenölfarm, auch mit Verkostung. Ganz interessant war die Info über die Qualitätsabstufungen. Die Firma, die wir besuchten, stellt die beste Stufe her, “Extra-Native”. Die Abfälle, aus denen sich kein Öl mehr ziehen lässt, werden an andere Firmen weiterverkauft. Diese holen sich daraus mit Chemikalien die letzten Reste und verkaufen das dann als “Native” Olivenöl. Deren Abfälle wiederum werden wieder verwertet, sind aber so ungenießbar, dass sich das ganze nur noch durch Beimischung nativen Öls verwenden lässt, verkauft wird das ganze dann einfach als “Olivenöl”.