In Nikosia stand ich auf einmal vor einer Grenze, die von bewaffneten Soldaten bewacht wird. Ich musste unwillkürlich an die Berliner Mauer denken.
Seit 2003 ist die Grenze zwischen Nord- und Südzypern wieder geöffnet. Vorher war es fast 30 Jahre lang nicht möglich, den jeweils anderen Teil zu besuchen. Ich kann nur ahnen, wie beengt es sich angefühlt haben muss, sich in diesem kleinen Land nicht frei bewegen zu können.


Schutzwälle mitten in Nikosia
Trotz heute mehrerer geöffneter Übergänge finde ich es immer noch schräg, mitten in der Stadt vor Grenzwällen zu stehen, die von bewaffneten Soldaten bewacht werden. Ich musste unwillkürlich daran denken, wie ich als kleines Kind die Soldaten am Brandenburger Tor in Berlin sah und meine Mutter mir erklärte, dass diese jeden erschießen würden, der versuchte über diese Grenze zu gelangen.
Als ich nach 2 Tagen im Norden den Checkpoint in den Südteil von Nikosia überquerte, fand ich mich plötzlich in einer völlig anderen Welt wieder. Im Norden geht es recht traditionell zu: Männer schlürften in Cafés ihren Tee, in kleinen Lädchenen werden Waren und Dienstleistungen angeboten und nach Sonnenuntergang schläft die Stadt recht schnell ein.


Direkt hinter der Grenze bietet sich ein völlig anderes Bild: Die Straßen sind gesäumt mit Bars und stylischen Shops, abends ist in der Altstadt High Life angesagt. Auch wenn die verwinkelten Gassen der Altstadt im Süden nett anzuschauen sind, finde ich den Norden doch interessanter. Er versprüht einfach mehr Charme und ist so ganz anders als das gewohnte westliche Stadtbild.