Auf dem Gipfel des Jebel Kissane, geschafft!

Agdz – Der fast verhängnisvolle Berg

Johannes und ich kletterten auf den Berg Jebel Kissane. Als wir wieder hinunter wollten, fanden wir plötzlich nur noch senkrechte Abgründe vor.



 

Gestern kamen Johannes und ich in Agdz an. Es liegt im Dra-Tal an einem Fluss, der der trockenen Wüstenlandschaft genug Wasser spendet, um einen riesigen, saftiggrünen Palmenhain wachsen zu lassen.

Der Jebel Kissane erhebt sich hinter dem Palmenhain vom Agdz
Der Jebel Kissane erhebt sich hinter dem Palmenhain vom Agdz

Heute wollten wir auf den Jebel Kissane steigen, einen dramatisch geformten Berg, dessen Relief sich spitz aus der Wüste erhebt. Wir starteten gegen Mittag, Auf- und Abstieg sollten jeweils knappe drei Stunden dauern. Im Hotel fragte man uns, ob wir einen Führer bräuchten, aber als alte Berghasen wollten wir das lieber auf eigene Faust versuchen.

Senkrechte Wände vor dem Gipfel

Von unserem Startpunkt bis zur 1530 Meter hohen Spitze waren gute 600 Höhenmeter zu erklimmen. Das klingt erstmal einfach, aber zunächst sahen wir nur senkrechte Felswände, die nicht den Eindruck machten, als könnte man darüber den Gipfel erreichen. Wir fragten im benachbarten Dorf nach dem Weg nach oben, doch man zeigte immer nur nach links am Berg vorbei. Wir mussten also um den Berg herum laufen und es würde irgendwo auf der Rückseite einen Weg geben.

Senkrechte Felswände, wo ist der Aufstieg?
Senkrechte Felswände, wo ist der Aufstieg?

Der war gar nicht so leicht zu finden, besser gesagt war der Weg meistens überhaupt nicht vorhanden. Hin und wieder war mal ein Pfad zu erkennen, der sich aber kurz darauf wieder verlor. Wir umwanderten ein ganzes Stück des Berges, aber hinter jeder Kurve bot sich uns immer wieder nur der bekannte Anblick: Steile Felswände und irgendwo darüber der Gipfel.

Als wir schon fast nicht mehr daran glaubten, dass der Berg besteigbar ist, sahen wir ein Geröllfeld, das schräg genug war, um hoch zu steigen. Johannes meinte, dass einige aufgestapelte Steine sicherlich Wegmarkierungen wären, ich hielt das für Unsinn und konnte mir nicht vorstellen, dass es nach dem Geröllfeld weiter ging.

Umwerfender Ausblick vom Jebel Kissane auf die Wüstenlandschaft

Doch es ging weiter und schließlich sahen wir, wie wir den Gipfel erreichen konnten. Inzwischen war es schon reichlich spät, zweieinhalb Stunden später würde die Sonne untergehen. Doch Umkehren kurz vorm Ziel war keine Option. Nach einer kleinen Klettereinlage standen wir wirklich auf dem kleinen Fels, der ganz oben gen Himmel ragte und hatten einen umwerfenden Ausblick auf die mondartige Wüstenlandschaft, durch die sich die grünen Palmenhaine des Dra-Tals ziehen.

Blick vom Gipfel üüber die Wüste
Blick vom Gipfel üüber die Wüste
Auf dem Gipfel des Jebel Kissane, geschafft!
Auf dem Gipfel des Jebel Kissane, geschafft!

Nach einen Picknick auf der Spitze begannen wir mit dem Abstieg. Inzwischen hatten wir nur noch knappe zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang, aber wenn wir uns beeilten, sollte das gerade noch so klappen.

Auf einmal am Abgrund

Nachdem wir das Geröllfeld hinter uns gelassen hatten, liefen wir den Weg zurück, den wir gekommen waren – dachten wir zumindest. Nach etwa einer halben Stunde erreichten wir einen Felsvorsprung, hinter dem wir den flachen Weg ins Tal vermuteten. Doch was wir sahen, war nur ein senkrechter, 50 Meter tiefer Abgrund. Ein paar Meter weiter hinten das gleiche, kein Weg nach unten, nur ein Abgrund.

Wir waren noch viel weiter oben, als wir vermutet hatten und schon eine ganze Weile falsch gelaufen, oberhalb der steilen Felswände, über die kein Abstieg möglich war. Inzwischen hatten wir nur noch 45 Minuten bis zum Sonnenuntergang, kein Mensch war weit und breit zu sehen und wir hatten keine Ahnung, wie wir von diesem Berg wieder runter kommen würden. Die Wüstennacht würde bitterkalt werden und in der Dunkelheit hätte man keine Chance mehr einen möglichen Abstieg zu erkennen.

Hilfe, wo geht's wieder runter?
Hilfe, wo geht’s wieder runter?

Kurz vor Sonnenuntergang kein Abstieg in Sicht

So langsam wurde uns mulmig zumute. Wir liefen zurück, immer schneller, bis wir schließlich über den felsigen Untergund sprinteten, so gut es ging. Schließlich sahen wir ein ganzes Stück weiter unten einen Weg, der aussah, als könnte er hinab führen. Wenn wir den erreichen würden, sollte der Abstieg gesichert sein. Wir mussten noch über ein weiteres Geröllfeld und noch konnte man nicht sehen, ob sich vor dem rettenden Weg ein weiterer Abgrund auftat. Doch dann die Erlösung: Der Weg war erreichbar und wir konnten klar vor uns sehen, wie wir ins Tal kommen würden.

Da wir noch ein gutes Stück Strecke vor uns hatten, sprinteten wir hinunter, so lange es noch hell genug dafür war. Bei Sonnenuntergang waren wir schließlich so weit unten, dass Fels und Geröll einem sandigen Boden Platz machten, auf dem sich schließlich eine festgefahrene Spur abzeichnete, die ins Dorf führen musste.

Mit dem letzten Bisschen Tageslicht kamen wir dort an und konnten nun an der Straße entlang zu unserer Unterkunft laufen. Was für ein dramatischer Tag in einer dramatischen Landschaft. Ich werde ihn bestimmt nicht so schnell vergessen.

2 thoughts on “Agdz – Der fast verhängnisvolle Berg”

  1. Stammt von euch der Steinhaufen den man von Tamkasselte aus sieht?

    Wir haben noch ein paar darauf gelegt.

    Habe den beim zweiten bestieg des Berges endeckt.

    Es gibt dort oben noch ein grösseres Feld mit ehmaligen Bauten angeblich von den Portugiesen gebaut.

    Nicht nur die Aussicht ist einmahlig auch die Fotos.

    War mit meinem Verwanden der Einheimisch ist dort oben. Beim zweiten mal ging es uns gleich wie bei euch.

  2. Hi Halit,

    mit dem Steinhaufen haben wir nichts zu tun. Aber schön zu hören, dass du auch da oben warst. Und dass wir nicht die einzigen sind, die den Weg verpeilt haben. :-)

    Viele Grüße,
    Felix

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.