Bauernleben in Kvasi



 

Vorgestern sind wir morgens von Uschhorod aus in die Karpaten weitergefahren. Ich hatte uns eine kleine Straße rausgesucht, die durch sehr ländliches Gebiet führte, das wirklich richtig schön war. Weniger schön war allerdings der Zustand der Straße. In der Ukraine muss man auf allen Straßen mit kratergroßen Schlaglöchern rechnen, von denen jedes einzelne dafür geeignet scheint, einen sofortigen Achsenbruch zu verursachen. Je tiefer wir in die Karpaten vordrangen, um so höher wurde auch die Schlaglochdichte, Johannes aber manövrierte das Schnauferle souverän durch die Kraterlandschaft hindurch.

Wir passierten kleine, wunderschöne Bergdörfer, am Straßenrand verkauften die Bewohner Gemüse, selbstgesammelte Pilze und Blaubeeren. Wir ärgerten uns, dass wir den Kühlschrank morgens noch aus dem Supermarkt befüllt hatten und beschlossen, in Zukunft nur noch bei den örtlichen Bauern einzukaufen. Die ukrainischen Karpaten sind eine arme Region und ich glaube, es ist ziemlich wichtig, dass Geld von außerhalb dorthin gelangt.

Wir hatten kein wirkliches Ziel, sondern wussten nur grob, dass wir in Richtung des 2062 Meter hohen Hoverla wollten, den höchsten Berg der Ukraine. Gegen Abend sah ich am Straßenrand einen Wegweiser, auf dem „кемпінг“ stand. Ich reaktivierte meine Russisch-Kenntnisse aus der Schule erkannte, dass „Camping“ gemeint war. Wir folgten dem Weg und landeten auf einem Bauernhof, dessen Besitzer eine Wiese an Camper vermietete. Wir waren offenbar die einzigen Gäste und beschlossen, das Schnauferle dort abzustellen.

Kaum waren wir angekommen, sprangen die drei Bauernsöhne Ivan, Vali und Roman ganz aufgeregt um uns herum. Sie waren 7, 6 und 3 Jahre alt und wie aus dem Häuschen, uns zu treffen. Sie führten uns alle Späßchen und Tricks vor, die sie jemals gelernt hatten und hatten uns sofort in ihre Herzen geschlossen und wir sie auch bald in unsere.

Wir bauten unseren Grill auf und ließen den Tag mit einem Feierabendbierechen und Grillfleisch ausklingen. Johannes spielte noch ein paar Lieder auf seiner Gitarre, dann schliefen wir zwischen Truthähnen, Schafen, einem Schwein und einem Kalb ein.

Am nächsten Tag wachte ich ein Stündchen vor Johannes auf und machte einen kleinen Morgenspaziergang. Als Ivan und Vali mich den Hang hinauf klettern sahen, rannten sie mir sofort hinterher und zeigten mir freudig die Gegend. Meine reaktivierten Russisch-Kenntnisse reichten leider nur für einzelne Brocken, aber mit Händen und Füßen konnten wir uns schon irgendwie verständigen.

Nach einem Frühstück mit Johannes starteten wir zu zweit zu einer Wanderung. Unser Weg führte uns durch ein Tal in den Wald hinein und schließlich zu einer Lichtung auf einem Berg. Wir schienen die einzigen Menschen weit und breit zu sein, auf jeden Fall begegnete uns nach einer Weile wirklich niemand mehr.

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