Ein Tag im Zentrum von Caracas



 

Hab mich gestern gegen Mittag dann in die Höhle des Löwen gewagt, und bin bisschen im Zentrum rumgelaufen. Die Architektur hier ist eine Mischung aus alten Kolonialbauten und dazwischengesetzten, hässlichen Betonklötzen. Richtig schön finde ich das nicht, aber war trotzdem gut, es mal zu sehen.

Apropops schön: So richtig schön finde ich wiederum die Venezuelanerinnen. Die gewinnen ja regelmäßig alle Schönheitswettbewerbe und das auch mit gutem Grund. Auf der Straße begegnet einem eine umwerfende Chica nach der nächsten, meistens mit tiefem Dekolleté und großen Brüsten. Ich hatte mir das allerdings so gedacht, dass ich als großer Blonder in einem Land mit wenigen Touristen der Star der Straße sein würde und die mir Chicas kaum vom Hals halten könnte. Dem ist leider nicht so, die meisten würdigen mich keines Blickes. Überhaupt ist der Spirit unter den Menschen hier ziemlich ruppig und unfreundlich. Die ein oder andere Ausnahme gibt es natürlich auch, aber ich hoffe mal, dass das außerhalb von Caracas alles ein bisschen relaxter wird.

Ein kleines Abenteuer war die Geldtauscherei. Der offizielle Kurs von 1:4,30 pro Dollar ist indiskutabel, also musste ich irgendwo schwarz tauschen. Auf der Straße wird man zwar überall dafür angelabert, aber das soll ziemlich gefährlich sein. Falschgeld, ausrauben, das übliche halt. Hab deswegen eine vertrauenswürdig aussehende Kioskverkäuferin gefragt, ob sie wüsste, wo man sicher Geld tauschen könnte. Sie meinte, auf keinen Fall auf der Straße und winkte einen Typen aus einem Geschäft gegenüber ran. Der schleppte mich in eine Einkaufspassage und fragte, was ich tauschen wollte. Ich meinte, ich wolle 400 Bolivares für 50 Dollar haben, also 1:8. Er war einverstanden, schnappte sich meine 50 Dollar und machte Anstalten, damit wegzulaufen. Als ich protestierte, meinte er nur „vertrau mir“ und weg war er. Nach 10 Minuten kam er dann tatsächlich mit 400 echten Bolivares wieder und ich war endlich flüssig.

Hab mich dann bisschen umgeschaut und bin durch Straßen gelaufen, die links und rechts mit Chaves-Plakaten gesäumt waren. Der Wahlkampf hier kommt mir irgendwie so leicht einseitig vor, es scheint überhaupt keine Gegenkandidaten zu geben. Habe auf jeden Fall nicht ein einziges Plakat von jemandem anderen als Chavez gesehen. Auf dem Plaza Bolivar hat mich ein Sicherheitsmann angelabert, der mal Deutsch studiert hat und das mal wieder bisschen sprechen wollte. Als er mich fragte, was ich vom Präsidenten halte, wollte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und meinte, ich wüßte nicht viel über ihn. Da sagte er: „Verstehe, in eurem Land interessiert man sich nicht für unsere Politik.“ Das stimmt natürlich so nicht, aber auf eine Politikdiskussion wollte ich mich dann doch nicht einlassen.

Abends habe ich Pabellon Criollo gegessen, ein venezuelanisches Nationalgericht. Es besteht aus Reis, schwarzen Bohnen, frittierten Bananen und geschreddertem Rindfleisch. Bis auf die Bohnen fand ich es ziemlich lecker.

Heute werde ich mir das schicke Viertel Altamira anschauen und vielleicht mal ein paar Schritte nach Sabana Grande wagen, wo es etwas rustikaler zugehen soll. Dann mache ich mich aus dem Staub und suche mir ein Zimmer in Macabo, wo ich morgen Johannes treffen werde.

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