Dschungeltrekk zur Ciudad Perdida – Tag 3




 
Heute Morgen sind wir zur Ciudad Perdida hochgestiegen. Um 6 Uhr ging es los, 1500 Stufen und 400 Höhenmeter nach oben. Ich hatte gehört, dass die Ciudad nicht besonders spektakulär sei und eher der Weg dorthin das Ziel ist, deswegen hatte ich nicht allzu viel erwartet. Als wir endlich oben ankamen, war ich dann doch sehr positiv überrascht. Natürlich war es kein Machu Picchu, aber die Anmutung der alten, mit Moos bewachsenen Mauern war irgendwie schon ziemlich geheimnisvoll und verwunschen.

Juan Carlos konnte jede Menge über die Ciudad erzählen, allerdings reichte mein Spanisch nur dazu, einen Bruchteil zu verstehen. Bis heute ist nur ein Bruchteil ausgegraben und rekonstruiert, viel liegt noch unter der Erde und man vermutet, dass in der Gegend 200 verschüttete Dörfer liegen, die noch nicht entdeckt wurden. Kurz nach der Entdeckung der Ciudad Perdida wurde die Gegend von Grabräubern ganz gut geplündert, denn es gab jede Menge Gold zu holen.

Nach 2 Stunden stiegen wir wieder hinab. Leider geht es meinem Knie nicht wirklich besser, außerdem sind meine Blasen an den Füßen inzwischen zu offenen Wunden mutiert. Zwei Aspirin hielten mich am Leben, aber der Gedanke, nun mitten im Dschungel zu stecken und keine Wahl zu haben, als so lädiert zwei Tage zurück zu laufen war schon etwas beklemmend.

Wir wurden mit der Truppe eines anderen Führers vereinigt und waren nun mit 15 Leuten unterwegs. Wir hatten ein gutes Stück Strecke vor uns, leider zum Großteil steil bergab über Stock und Stein. Das gab meinem Knie den Rest, humpelnd krauchte ich vor mich hin, über den nächsten Stein, um die nächste Kurve, einfach immer weiter.

Wenn der Schmerz im Knie nachließ, meldeten sich meine aufgeschundenen Füße wieder etwas eindringlicher, es gab schließlich keinen Moment mehr, in dem ich nicht irgendwo irgendwelche Schmerzen hatte. Ich versuchte, mich daran zu gewöhnen und dachte mir, das ist ja schonmal ein gutes Training für’s Altsein, alten Leuten tut schließlich auch jeden Tag was anderes weh. Es war einigermaßen erträglich auf den leichteren Abschnitten, aber sobald es wieder steil Downhill ging, waren die Schmerzen im Knie fast unaushaltbar. Johannes hatte keine größeren Probleme und wurde nicht müde zu erzählen, wie easy doch alles war. Ich war kurz davor, ihm mit meinem Wanderstock einen überzubraten. :)

Inzwischen nannte ihn nicht nur Juan Carlos „Rambo“, sondern die ganze Truppe. An irgendeinem Rastplatz fragte eines der Mädels: „Wisst ihr eigentlich, warum dieser Typ von allen Rambo genannt wird?“ Ich erzählte die Geschichte und Johannes wurde staunend beäugt. :)

Gegen Mittag fing es an zu regnen, und zwar so richtig, wie aus der Dusche. Der Rucksack saugte sich voll Wasser und wurde noch schwerer, außerdem wurde der Boden ziemlich rutschig. Ich konnte vor Schmerzen kaum mehr klar denken, aber lief einfach immer weiter, weiter und weiter, Stunde um Stunde. Hinter jeder Kurve vermutete ich das rettende Camp, aber es tauchte für lange Zeit nicht auf. Plötzlich erinnerte mich Johannes daran, dass es in der letzten Nacht für die letzten Ankömmlinge keine Betten mehr gab, sondern nur noch Hängematten. Ich hatte soooo Bock auf ein Bett, dass ich die Zähne zusammen biss, und trotz Schmerzen nochmal einen Zahn zulegte. Wir überholten nach und nach einige und wollten auf keinen Fall als Letzte ankommen.

Mit letzter Kraft erreichte ich schließlich das Camp. Im strömenden Regen kamen wir an, es gab ein Dach, Hängematten, Betten… doch leider war all das nur ein kurzer Traum. Der Chef des Camps meinte, dass unsere Truppe noch ein Camp weiter musste, 5 Minuten von dort aus. Ok, 5 Minuten, das sollte noch drin sein.

Gerade, als wir uns wieder auf den Weg machten, gab es plötzlich einen ganz kurzen, magischen Moment. Aus der Dusche des Camps stieg ein wunderschönes blondes weibliches Wesen, sah mich und stahlte mich an. Sie stand vielleicht 10 Meter von mir entfernt, ich stahlte zurück, sie sah das Wasser an mir herunterlaufen, hielt ihre Hand über ihren Kopf und deutete mit ihren Fingern Regentropfen an. Ich machte die gleiche Bewegung, strahlte zurück, dann lief ich los. Für ein paar Sekunden war ich verliebt. Das Camp verschwand langsam hinter uns, ich schaute immer wieder zurück, aber sie tauchte nicht mehr auf.

5 Minuten bis zum nächsten Camp waren überaus optimistisch, es war eher eine halbe Stunde. Irgendwann war ich mir nicht mehr sicher, ob wir uns vielleicht verlaufen hatten, aber dann kamen wir unglaublicherweise tatsächlich und wirklich an. Wir bekamen ein Bett, alles war gut und wieder hatte ich dieses Gefühl, dass eine unglaubliche Last von mir abfallen würde. Es gab Essen, Bier und gute Stimmung, wir quatschten stundelang mit unseren Weggefährten und es war wieder ein richtig lustiger Abend.

Morgen wird nochmal die Hölle, meine Wunden an den Füßen sehen nicht wirklich gut aus und meine Fußgelenke sind nun ein bisschen angeschwollen. Aber es wird im Gegensatz zu heute mehr bergauf als bergab gehen, was meinem Knie ziemlich entgegenkommt. Noch einmal durch die grüne Hölle, dann endlich wieder zurück in die Zivilisation.

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