Baby-Gletscher und Abflug



 

Gestern war mein letzter Tag in Ushuaia. Brian ist schon weitergezogen, Paul hat sich ’nen chilligen Tag gemacht und ich wollte unbedingt auf den Berg hinter der Stadt klettern. Oben gibt’s einen Baby-Gletscher, nicht besonders groß, aber ich hatte irgendwie Lust auf Eis und Schnee. Sun-Young, eine Südkoreanerin aus meinem Hostelzimmer, wollte auch hinauf, also haben wir uns zusammen auf den Weg gemacht.

Lift nach obenFelix auf dem BergEis und SchneeLift nach unten

Man kann ein ganzes Stück des Berges mit einem Sessellift hochfahren. Als ich den sah, wurde mir aber schon ein wenig anders. Die Doppelsitze sahen nicht gerade stabil aus, und es schien ein ganzes Stück nach oben zu gehen. Egal, reingesetzt und los. Doch als es dann immer weiter nach oben ging und ich 15 Meter Abgrund unter meinen baumelnden Beinen sah, war ich nicht mehr so wirklich entspannt. Sun-Young hatte allerdings viel Spaß, mich so zu sehen, mit angsterfülltem Blick gen Boden schauend, die Eisenstange fest umklammernd. Der Lift schien kein Ende zu nehmen und ich wagte gar nicht daran zu denken, wie lange ich dort sitzen würde, wenn der Motor mal eben ausfallen würde.

Nach ewigen 15 Minuten war das Zittern vorbei. Jetzt hieß es noch eine Stunde steil nach oben marschieren, um Eis und Schnee zu erreichen. Lustigerweise hat der steile Aufstieg Sun-Young in Angst und Schrecken versetzt, diesmal konnte ich mich amüsieren. Von oben gab’s einen wunderbaren Ausblick. Der Gletscher selbst war nicht besonders spektakulär, eben nur ein Baby. War aber interessant, nach Wochen Sonne und Hitze mal wieder Schnee anzufassen. Die Fahrt nach unten war dann schon etwas entspannter, Sun-Young konnte sich aber immer noch köstlich über mich amüsieren.

Hab abends mit ihr gekocht, zur Abwechslung mal Steak und Salat. :) Sie hat mir ’ne Menge über Korea erzählt, ist echt ein schräges Land. Beispielsweise musste sie erst lange rechnen, bevor sie mir sagen konnte, wie alt sie ist, denn in Korea zählt man das Alter anders. Wenn ein Kind geboren wird, ist es dort bereits ein Jahr alt, ein Jahr älter wird man jeden 1. Januar. Wenn ein Kind am 31. Dezember geboren wird, ist es einen Tag später also bereits zwei Jahre alt. Sie fand’s ganz gut, in Südamerika erst 27 zu sein statt 29 in Korea.

Eigenartig ist auch das Höflichkeitsding der Koreaner. Zu älteren Personen muss man immer sehr respektvoll sein, ihnen gegenüber besondere Ausdrucksweisen verwenden und ihnen grundsätzlich den Vortritt lassen. In unserem Hostelzimmer hat auch eine 53jährige Koreanerin gewohnt. Sun-Young musste sie immer fragen, wie es ihr geht, ob sie zuerst die Dusche benutzen will, ob sie schon gegessen hat, usw. Ging ihr ziemlich auf die Nerven und sie war froh, heute abzufahren.

Paul und ich haben heute Mittag einen Flug nach El Calafate genommen. Werden hier drei Tage bleiben und Brian wieder treffen. Hier gibt’s einen der größten Gletscher der Welt, Perito Moreno. Gucken wir uns übermogen an, morgen werden wir wahrscheinlich auf Pferderücken ’ne Runde durch die Gegend drehen.

One thought on “Baby-Gletscher und Abflug”

  1. ganz ganz toll alles, die fotos machen urlaubslust, mir gefallen besonders lift-rauf uns lift-runter und die meere und die tiere und felix-tollkühn-an-der-felswand.schade, dass die leute, von denen du erzählst nicht zu sehen sind.

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