Süße Gasse

Johannes in Bratislava getroffen


Gestern bin ich per Zug von Starnberg über München und Wien nach Bratislava gefahren. Nach sieben Stunden Fahrt kam ich abends hier an. Ich hatte mir ein Bett im 10er Dorm des Wild Elephant Hostels reserviert. 15 Euro muss ich dafür pro Nacht löhnen, hätte in Osteuropa eigentlich mit weniger gerechnet.

In meinem Zimmer lernte ich den Australier Joe und einen bärtigen Engländer kennen, der so einen krassen britischen Akzent hat, dass ich fast nichts von dem verstehen konnte, was er sagte. Nicht mal seinen Namen, irgendwas mit “Sch”, der Rest verschwand irgendwie in seinem Bart.

Wir ließen uns von der süßen ungarischen Hostelmitarbeiterin Lila ein Restaurant für typisches slowakisches Essen empfehlen und kehrten dort zu dritt ein. Ich probierte das slowakische Nationalgericht Haluschki, das aus Kartoffeln und Käse mit Käsesoße und noch mehr Käse oben drüber besteht. Ich verstand den bärtigen Engländer immer noch nicht, aber er sah irgendwie so lustig aus beim Sprechen, dass ich ihm gerne zuschaute und hin und wieder “Jaja” sagte.

Abends zog das halbe Hostel los in eine Kneipe um die Ecke, wo das große Bier kostete nur einen Euro kostete. Dazu gab’s ein bisschen Traveller Bla-bla, das mich aber ziemlich schnell langweilte. Ich hatte das Gefühl, die Geschichten schon 1000x gehört zu haben und hatte auch keinen so richtigen Bock auf eine 20-Mann-Sauftruppe. Lila interessierte mich, aber in ihrer Nähe war kein Platz frei, also verabschiedete ich mich bald. Irgendwie freue ich mich drauf, bald die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Richtung Iran zu steuern, wo einem sicherlich nicht mehr als allen Ecken “Where-have-you-been-before-where-will-you-go-next-what-was-your-favorite-place” entgegenschallt.

Heute bin ich ein wenig durch die Altstadt geschlendert, die echt süß ist. Überhaupt ist die Stimmung in Bratislava recht entspannt, hätte ich gar nicht so gedacht. Ich habe auch mal die Donau überquert und mir das südlich gelegene Plattenbauviertel aus tiefsten Sozialismuszeiten angeschaut. Es ist riesig, Betonklotz an Betonklotz, aber nicht wirklich heruntergekommen, zumindest der Teil, den ich gesehen habe.

Gegen 15 Uhr kam Johannes schließlich mit dem 30 Jahre alten T1 an. Seine schwäbischen Vorbesitzer haben die Karre “Schnauferle” getauft, weil er am Berg immer etwas in Schnaufen gerät. Wir werden noch für eine Nacht hier im Hostel bleiben, dann geht’s mit dem Schnauferle Richtung Hohe Tatra. Natur und 2500 Meter hohe Berge erwarten uns da, freue mich schon voll drauf. Heute Abend werden wir uns aber erstmal das Bratislavaer Partyleben etwas näher anschauen.

Platz in Starnberg

Schweinsbraten und a Mass Bier in Starnberg


Nachdem ich mich vorgestern am Nürnberger Bahnhof von Alex verabschiedet hatte, machte ich mich mit dem ICE auf den Weg nach München und dann weiter ins benachbarte Starnberg. Meine Freundin Lisa aus Berlin besucht dort gerade zusammen mit ihrem Freund Daniel ihre Familie und hatte mich eingeladen, doch auf dem Weg in die Welt einen Abstecher dorthin zu machen. Ich kam gegen 22 Uhr abends an, pünktlich zum Anstoß des WM Halbfinales Deutschland Brasilien. 7:1, was für ein Hammer! Daran wird man sich wohl in 50 Jahren noch erinnern.

Der nächste Tag war recht verregnet, irgendwann trauten wir uns dann aber doch mal vor die Tür und drehten ein Ründchen durch die Starnberger Wälder und Felder. Ich spürte, wie die Ruhe dort mich so langsam ein bisschen runter brachte vom Stress der Reisevorbereitungen in den letzten Wochen. Abends gingen wir mit Lisas Familie zünftig bayerisch essen, mit Schweinsbraten und einer ordentlichen Maß Bier dazu.

Abends gab’s dann das zweite Halbfinale, Argentinien gegen Holland, und das war so ziemlich das Langweiligste, was ich jemals gesehen habe. Ich hatte das Gefühl, da wollte gar niemand gewinnen, aus Angst vor dem Massaker, das da im Finale warten würde.

Heute ist es nun an der Zeit, Deutschland für längere Zeit hinter mir zu lassen. Ich werde mich gleich von Lisa und ihrer Familie verabschieden, dann geht’s mit dem Zug durch Österreich weiter über die slowakische Grenze nach Bratislava.

Gasse mit Fachwerk in Schwabach

Schwabach, die Goldschlägerstadt

Von Berlin ging’s gestern Morgen per Fernbus los nach Nürnberg. Stephanie verabschiedete mich am Busbahnhof, aber nicht für allzu lange, denn sie wird in 4 Wochen nach Bukarest geflogen kommen und wir werden ein Stück zusammen reisen.

Das Busticket kostete nur 15 Euro, mit der Bahn hätte ich für die gleiche Strecke über 100 gelöhnt. Das Ding mit den Fernbussen geht echt gerade so richtig durch die Decke, da wird die Bahn noch ziemlich dran zu knabbern haben.

In Nürnberg holte mich mein alter Schulfreund Alex vom Bahnhof ab und brachte mich ins benachbarte Schwabach. Ich hatte Alex seit 5 Jahren nicht gesehen und hab mich voll gefreut, dass wir es nun endlich mal auf die Kette gekriegt haben uns zu treffen. Ich musste dafür zwar erstmal zur Weltreise aufbrechen, aber egal. :)

In Schwabach liefen wir ein kleines Ründchen durch den Ort, unterwegs erzählte mir Alex, dass man Schwabach auch “Goldschlägerstadt” nennt. Den Grund dafür nannte er mir sicherlich auch, aber ich habe ihn direkt wieder vergessen.

Letztendlich ging es ja auch nicht um Schwabach, sondern darum Alex mal wieder zu sehen. Wir hatten einen schönen Tag und Abend, dann eine Nacht auf einer Matratze zwischen Werkzeug und Farbeimern, denn Alex war gerade frisch umgezogen.

Seine Freundin machte sich die ganze Zeit Gedanken, ob man mir so eine rustikale Unterkunft anbieten könne. Darüber konnte ich nur schmunzeln, denn in der nächsten Zeit werde ich sicherlich das ein oder andere Mal in ganz üblen Absteigen landen, wo ich sehnsüchtig an den Luxus einer weichen Matratze mitten in der Baustellenwohnung zurück denken werde.

Das kommt in den Rucksack rein...

Wohnung gekündigt, Job beendet, Besitz verkauft… Weltreise!

Seit meiner 6-monatigen Südamerikareise 2008 spürte ich immer mal wieder den Drang, nochmal länger mit dem Rucksack in die Welt hinaus zu ziehen. Ich konnte ihn mit ein paar kürzeren Touren zwischendurch zwar so einigermaßen m Zaum halten, aber wirklich lange hielt das nie an.

Ich habe in den letzten 5 Jahren als selbstständiger Programmierer gearbeitet und hatte mir vorgenommen, dass ich, sobald die Auftragslage mal dünn war, meine Wohnung untervermieten und nochmal für eine Weile durch Südamerika ziehen würde. Nun ja, die Auftragslage wurde bis heute nicht dünn und so habe ich mich vor 3 Monaten entschlossen, den Schritt von mir aus zu gehen. Und zwar ziemlich radikal.

Ich habe meinen Job an den Nagel gehängt, die Wohnung gekündigt und alles verkauft, was mir nicht wirklich wichtig war. Ich war erstaunt wie wenig das am Ende noch war. Ich hatte mir vorgenommen, meinen Besitz so weit zu reduzieren, dass er in eine Holztruhe passen würde. Das habe ich geschafft, die Truhe ist gefüllt und steht nun bei meinem Freund Johannes im Keller.

Mein Rucksack ist gepackt, damit werde ich morgen aufbrechen auf eine lange Reise. Ich glaube, es wird sogar mehr viel mehr als eine Reise, ich würde es als eine Lebensphase ortsungebundenen Lebens bezeichnen. Ein Teil davon wird Reisen sein, ein Teil arbeiten, vielleicht finde ich mal einen Ort zum länger bleiben oder einen, der mir so gut gefällt, dass ich dort nie mehr weg will. Ich bin da völlig offen und habe auch keine Ahnung, wie lange das Ganze überhaupt dauern wird. Im Moment fühlt es sich wie irgendwas zwischen zwei und fünf Jahren an, aber das kann sich unterwegs auch gut noch ändern.

Zunächst möchte ich nach Südostasien kommen, so weit wie möglich über Land. Ab Donnerstag werde ich mit meine Freund Johannes 6 Wochen lang mit seinem 30 Jahre alten T1-Wohnmobil durch Osteurapa fahren: Slowakei, Ungarn, dann weiter ans Schwarze Meer nach Rumänien und Bulgarien, falls die Karre uns wirklich so weit tragen sollte. An der türkischen Grenze wird er mich dann in 6 Wochen rauswerfen und ich werde weiter durch die Türkei in den Iran fahren. Von Teheran aus will ich nach Indien fliegen, dann weiter nach Bangladesch, Myanmar, Thailand, Kambodscha, Vietnam und Laos. Dann wird wohl so ungefähr ein Jahr vorbei sein und ich werde bis dahin sicher eine Idee haben, wie das Ganze so weiter gehen soll.

Morgen geht’s von Berlin aus per Bus zu meiner ersten Station: Schwabach bei Nürnberg, wo ich meinen alten Schulfreund Alex besuchen werde.

Sonnenuntergang

Strand, Spezialkontrolle und Abflug



Heute war unser letzter Tag in Israel. Ich wollte unbedingt nochmal ins Meer springen, bevor wir ins kalte Deutschland zurück mussten. Wir machten uns gegen 10 Uhr morgens auf den Weg zum Strand. Das Wetter war super, 20 Grad und Sonnenschein. Ich sprang sofort ins Wasser und genoss die sicherlich letzten Schwimmzüge für die nächsten Monate.

Tel Aviv hat einfach ein superentspanntes Flair und ich fand es fast ein bisschen schade, dass wir hier diesmal nur so wenig Zeit verbringen konnten. Die Menschen scheinen ziemlich gechillt unterwegs zu sein, durch die Straßen zu bummeln oder am Strand rumzuhängen. Da geht es in Jerusalem doch wesentlich traditioneller zu, was zwar auch seinen Reiz hat, aber eben völlig anders ist.

Um 12 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Flughafen. Dort wartete die obligatorische Security-Befragung auf uns, die wir schon von unserer letzten Reise kannten. Damals wurden wir unter anderem gefragt, ob wir jemanden in Israel kennen würden und getroffen hätten. Ich war der Meinung, dass wir lieber nicht erwähnen sollten, dass wir Riyad im palästinensisch kontrollierten Ramallah getroffen haben, weil das garantiert eine Spezialbehandlung nach sich gezogen hätte. Stephanie bekam aber schon beim Gedanken daran, dort lügen zu sollen, ganz rote Flecken im Gesicht, so hätten wir uns dort auf jeden Fall auch nicht präsentieren können und beschlossen, auf Nachfrage die Wahrheit zu sagen.

Als wir vor der Beamtin standen, die uns mit stechendem Blick fixierte, interessierte sie sich aber viel mehr für unsere Pass-Stempel aus islamischen Ländern. Sie fragte dreimal, wie lange wir in Jordanien waren, ich verhaspelte mich fast, weil ich das wirklich nicht auf Anhieb sagen konnte. Mich fragte sie noch nach dem kurzen Malaysia-Trip vor zwei Jahren, dann wurde sie auf Stephanies Indonesien-Aufenthalt in diesem Jahr aufmerksam.

Als sie sah, dass sie dort 7 Monate verbracht hatte, wurde sie ganz hellhörig. Sie hätte dort ja sicher Einheimische kennen gelernt, ob sie zu denen noch Kontakt hätte, diese von dieser Israel-Reise wussten und gebeten hätten, hier Leute zu treffen. Ihr Blick wich dabei nicht von Stephanies Gesicht, jede Veränderung der Mimik schien von ihr wahrgenommen zu werden. Dann verschwand sie mit unseren Pässen und beriet sich mit der Leiterin der Security. Nun kam diese zu uns, stellte selbst noch ein paar Fragen, dann wurden wir der Gruppe zugeteilt, für die eine detailliertere Kontrolle vorgesehen war.

Wir mussten unsere großen Rucksäcke auspacken und man wischte Stück für Stück unserer Sachen mit einem ominösen blauen Stab ab, an dessen Spitze sich ein weißes Stofftuch befand, das irgendwelche Proben aufnahm, die dann von einem anderen Gerät analysiert wurden. Auf Nachfrage wollte man uns nicht sagen, was da genau überprüft wurde, ich schätze, es geht einfach um Spuren von Sprengstoff.

Als der Inhalt für ungefährlich befunden wurde, durften wir wieder einpacken, wurden aber danach vom Check-In bis zum Abliefern der Rucksäcke von der Security begleitet und nicht mehr aus den Augen gelassen. Das gleiche Prozedere blühte uns nochmal beim Handgepäck-Check, dort sahen wir, wie einzelne Fluggäste in kleinen, mit Vorhängen verhangenen Kabinen Spezial-Checks über sich ergehen lassen mussten. Keine Ahnung, was dort hinter diesem Vorhang passierte, wir mussten es glücklicherweise auch nicht herausfinden.

Schließlich hatten wir alles hinter uns, das ganze Prozedere dauerte insgesamt über zwei Stunden. Ich war froh, dass mein Laptop nicht zur genaueren Untersuchung einbehalten wurde, was angeblich auch hin und wieder vorkommen soll.

Nun sitzen wir im Flieger zurück nach Deutschland, konnten gerade noch einen wunderschönen, knallroten Sonnenuntergang sehen und landen gleich wieder im Berliner Winter. In zwei Stunden wird es für mich nur noch schwer vorstellbar sein, dass ich vor wenigen Stunden noch im Meer herum plantschte.

Es war auf jeden Fall eine richtig gute Reise, die mir viel länger als zwei Wochen vorkam und in der ich kaum einen Gedanken an mein Leben in Deutschland verschwendete. Mal sehen, ob ich irgendwann mal wieder nach Israel und Palästina komme, es wäre bestimmt noch interessant, den Norden Israels und den Golan kennen zu lernen. Aber lieber im Sommer, wenn es dort etwas wärmer ist. Und irgendwann wird es vielleicht sogar möglich sein, Gaza zu besuchen.

Fahrt nach Tel Aviv

Vorbei an Gaza nach Tel Aviv



Heute ist ein guter Tag. Alles flufft irgendwie. Wir hatten nur noch wenige Jordanische Dinar, fanden aber einen Falafel-Mann, der nur 30 Cent pro Sandwich wollte, unser restliches Geld reichte dann haargenau auf den Dinar für das Hotel in Aqaba und das Taxi zur israelischen Grenze. Dort sollten wir plötzlich jeder ungeplante 10 Dinar (10 Euro) Austrittsgeld zahlen, aber fanden einen Engländer, der genau diese 20 Dinar zu viel hatte und dafür israelische Schekel wollte, die wir wiederum in größeren Mengen bei uns hatten. Die israelische Kontrolle war problemlos, das Taxi nach Eilat günstig und am Busbahnhof startete in dem Augenblick, in dem wir ankamen, der Bus nach Tel Aviv und wir bekamen die besten Plätze ganz vorn. Irgendwie ist ein richtig guter Tag heute.

Ich war auf diese Fahrt ziemlich gespannt, weil wir direkt am Gaza Streifen vorbei fahren würden. Seit Jahren darf man dort nicht rein und von drinnen wohl auch kaum jemand raus. Ich werde immer neugierig, wenn ich Flecken der Welt nahe komme, die nicht betretbar sind. Ich war dann aber doch überrascht, wie nahe wir dort vorbei fuhren. Vom Bus aus konnten wir die Moscheen von Gaza City sehen, es muss weniger als 5 Kilometer entfernt gewesen sein.

Von dort aus kommt es immer wieder zu Raketenbeschuss auf Israel, das darauf mit Bombardierungen reagiert. Die letzte Runde in diesem „Spiel“ fand vor 6 Tagen statt. Es ist für mich schwer vorstellbar, wie die Menschen auf beiden Seiten mit dieser Situation hier leben. Auf der einen Seite die Menschen in Gaza, eingesperrt in einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. Auf der anderen Seite die israelische Stadt Ashkelon, durch die wir ebenfalls fuhren, über der vor 6 Tagen eine palästinensische Rakete von der Luftabwehr abgefangen wurde. Ich befürchte, dass noch viel Zeit vergehen wird, bis dieses Pulverfass entschärft sein wird.

Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir in Tel Aviv an. Viel werden wir hier wohl nicht mehr sehen, aber wir kennen die Stadt ja auch schon von unserem letzten Trip. Morgen Nachmittag geht’s dann zum Flughafen und von dort zurück nach Deutschland. Ich hab bisschen Muffensausen vor der Kontrolle, das gab beim letzten Mal schon so Psycho-Fragen und ich habe keine Lust auf eine Spezialabfertigung, die jedem blüht, der darauf unstimmig antwortet.

Kleine Menschen...

Petra – die aus Felsen geschlagene Stadt



Heute haben wir uns die letzte antike Besichtigung dieser Reise gegeben und uns die in Felsen geschlagene Stadt Petra angeschaut. Sie wurde vor 2500-2000 Jahren von den Nabatäern errichtet. Nun weiß ich gar nicht so genau, wer die Nabatäer überhaupt waren, aber inzwischen bin ich neugierig darauf geworden und werde da wohl nochmal genauer recherchieren. Auf jeden Fall waren sie zu ihrer Zeit technisch ganz vorne mit dabei.

Wir machten uns heute Morgen per Bus auf den Weg dorthin, nach 2 ½ Stunden Fahrt durch die Wüste kamen wir an. Am Eingang knöpfte man uns happige 50 Dinar Ausländerpreis (50 Euro) für den Eintritt ab, Jordanier zahlen nur einen Euro. Petra zieht jedes Jahr 500.000 Besucher an, das macht also hübsche 25.000.000 Euro Umsatz pro Jahr.

Den Eingang zur Stadt bildet ein natürlicher Canyon, 1,2 Kilometer lang, 80 Meter hoch und an der engsten Stelle zwei Meter schmal. Allein der Fußmarsch dort hindurch war beeindruckend. Meine Neugier stieg, als sich zum Ende des Canyons plötzlich das 80 Meter hohe „Schatzhaus des Pharao“ durch den schmalen Felsspalt hindurch abzeichnete. Und dann stand ich davor, leider in einem Pulk von Besuchern, aber ich war trotzdem richtig geflasht. DAS nenne ich mal Monumentalbau, riesige Säulen mit feinen Verzierungen erhoben sich vor mir, einfach aus dem Fels geschlagen. Das Schatzhaus, wie es von den Beduinen genannt wird, ist eigentlich eine Grabkammer. Muss auf jeden Fall ein ziemlich wichtiger Typ gewesen sein, für den das damals gebaut wurde.

Das Gelände war wirklich riesig, abseits des ausgetretenen Touristenweges mit den Hauptattraktionen kann man richtige Wanderungen starten und weniger frequentierte Grabkammern oder Gebäude entdecken. Wir entschieden uns, dem Hauptweg erst ein wenig zu folgen und uns dann auf eine weniger begangene Route zu begeben, die uns zu einem Aussichtspunkt von oben auf Petra führen würde.

Wir sahen ein Theater, weitere Grabkammern und verfallene Tempel. Ich kam mir wirklich klein zwischen der von Menschenhand geschaffenen Monumentalstadt vor. An Felswänden waren eingemeißelte Inschriften zu sehen. Ich dachte daran, wie deren Schöpfer damals wohl reagiert hätte, hätte ihm jemand erzählt, dass 2000 Jahre später Touristenhorden staunend davor stehen würden.

Es ist auf jeden Fall deutlich zu spüren, dass Petra der wichtigste Touristenmagnet Jordaniens ist. Jede einzelne Sehenswürdigkeit ist gepflastert von Verkaufsständen, Kamelritt-Anbietern oder Kindern, die Postkarten zu verkaufen versuchen. Vor einiger Zeit wurden sogar Hotels direkt in der antiken Stätte gebaut, aber inzwischen glücklicherweise wieder abgerissen. Nach einigen Stunden war es wirklich erholsam, den ausgetretenen Pfad zu verlassen und auf den felsigen Weg zu einem hoch gelegenen Aussichtspunkt abzubiegen.

Zuerst sahen wir keinen einzigen Menschen mehr und wussten nicht, ob wir noch auf dem richtigen Pfad waren. Wir kamen an kleinen Grabkammern vorbei und ich stellte mir vor, wir wären die ersten, die diese entdeckten. War natürlich völliger Schwachsinn, aber ein lustiger Gedanke. Nach einem steilen Aufstieg auf 2000 Jahre alten Steinstufen erreichten wir den Gipfel und mussten dann doch erkennen, dass wir bei Weitem nicht die ersten Ankömmlinge dort oben waren.

Der Aufstieg hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn wenn man von oben ins Tal blickte, gesäumt von Felsen und dort hinein geschlagenen Säulen, auf die wuselnde Touri-Meute blickend, weit weg und winzig klein, fühlte man sich in die Zeit versetzt, als Petra einst eine belebte Stadt war. Die letzten Szenen des Films „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ wurden hier gedreht. Kein Wunder, in dieser Umgebung braucht man keine Filmkulisse mehr. Schließlich kletterten wir wieder vom Berg hinab, durchquerten den Eingangs-Canyon wieder, sahen noch den Sonnenuntergang und machten uns auf den Heimweg.

Als wir am vereinbarten Treffpunkt auf Moner, unserem Chauffeur vom Vortag, warteten, tauchte plötzlich der „falsche“ Fahrer auf, der schon gestern einfach mal so behauptete, von Moner geschickt worden zu sein. Ich schaute ihn ungläubig an, aber diesmal war es wohl wirklich so, dass Moner andere Kundschaft hatte und dafür ihn geschickt. Er konnte zwar kaum Englisch, aber genug, um über die Geschichte lachen zu können, dann fuhren wir mit ihm zurück nach Aqaba. Er nutzte die Gunst der Stunde und vereinbarte, uns morgen zur israelischen Grenze zu fahren. Passt für uns auch, er macht uns einen guten Preis und ich habe das Gefühl, dass Moner und seine Jungs ziemlich korrekt sind.

Nun bricht unsere letzte Nacht an, bevor es morgen zurück nach Tel Aviv geht. Am Tag darauf hebt unser Flieger zurück nach Berlin ab.

Rote Weite

Wadi Rum – die schönste Wüste der Welt…



…für mich jedenfalls. Ok, alle Wüsten habe ich noch nicht gesehen, aber von denen, die ich gesehen habe, kommt keine an Wadi Rum heran. Das Abgefahrene daran ist, dass wir hier ja mehr oder weniger reingestolpert sind und bis vorgestern noch nicht mal wussten, dass Wadi Rum überhaupt existiert. Aber der Reihe nach.

In Jerusalem trafen wir vorgestern zwei Traveller, von denen einer auch nach Jordanien wollte. Er erzählte von Wadi Rum, einem Wüstenteil mit rotem Sand und unglaublich schönen Felsformationen. Das wollten wir auch sehen, also machten wir uns heute Morgen auf den Weg dorthin.

Am Busbahnhof von Aqaba redete man von allen Seiten auf uns ein, dass der nächste Bus dorthin erst in mehreren Stunden fahren würde und wir ein Taxi nehmen müssten. Keine Ahnung, ob das stimmte, aber wir hatten wenig Zeit und ließen uns überreden, die einstündige Fahrt per Taxi für 20 Dinar (20 Euro) anzutreten. Unser Fahrer war ein älterer Typ namens Moner, der einigermaßen gut Englisch konnte, das heißt, man konnte das meiste verstehen. Ich fand ihn richtig nett und bei allem, was er sagte, hatte er so einen freundlichen Blick drauf, dass ich ihm vertraute. Wir wollten eine Jeep Tour durch Wadi Rum machen, Moner meinte, er könne uns einen Fahrer zu einem besseren Preis als im offiziellen Visitor Center besorgen. Das konnte er tatsächlich, also ließen wir uns von ihm weiter verkaufen und vereinbarten, dass er uns am Abend wieder abholte.

Der Jeep, in den wir verfrachtet wurden, war dann allerdings definitiv der klapprigste, der im ganzen Ort unterwegs war. Die Fenster waren alle mehr oder weniger weit geöffnet, aber die Kurbeln waren kaputt, so dass alle Fenster einfach in der Stellung bleiben mussten, in der die Kurbel irgendwann mal den Geist aufgegeben hatte. Die Windschutzscheibe war gesprungen und der Jeep sah aus, als würde er nach dem nächsten Schlagloch auseinanderfallen. Egal, bisschen Abenteuer eben. Wir fuhren los auf unseren vierstündigen Trip, erst noch etwas auf der Straße, dann rein in die Wüste.

Die Landschaft war dann wirklich atemberaubend schön. Ich meine wirklich richtig malerisch wunderschön. Roter Sand, so weit das Auge reichte, und dazwischen Felsen mit Strukturen, die kein Künstler jemals so hätte schaffen können. Mir kam wieder der Gedanke, der mir schon letzte Woche in Israel kam: Die Natur ist einfach der größte Künstler.

Es war interessant, wie das Aussehen der Felsen sich im Laufe der Fahrt veränderte. Am Anfang sahen wir Steine, deren Struktur durch übereinanderliegende Schichten in verschiedenen Farben geprägt war. Etwas später waren wir plötzlich nur noch von Felsen umgeben, die wie Kleckerburgen aussahen. Schließlich kamen wir in einen Teil der Wüste, in dem dunkle Felsen von hellem Gestein überzogen waren, das aussah, als wäre es einmal flüssig gewesen und erstarrt.

Wir hielten an interessanten Stellen an, konnten mal in einen Canyon klettern, eine Düne runter rennen oder auf einen Felsen kraxeln. Bei einem Zwischenstopp sah ich plötzlich, dass unser Klapperjeep zwei völlig unterschiedlich breite Vorderräder hatte. Oh Mann, das Teil war wohl echt aus Teilen vom Schrottplatz zusammen gebaut.

Wir erreichten aber tatsächlich wieder das Dorf, in dem wir gestartet waren. Leider haben wir keine Zeit, hier noch länger zu bleiben, sonst würden wir definitiv mehr Zeit in Wadi Rum verbringen und vielleicht eine mehrtägige Kameltour mit Übernachtung im Beduinenzelt machen. Vielleicht ein andermal. Diesmal haben wir die Kamelgeschichte auf Touri-Art gemacht und uns nach der Jeep-Tour noch eine halbe Stunde auf einem Kamelrücken durch’s Dorf schuckeln lassen.

Wir warteten auf unseren Chauffeur Moner, wurden aber von einem anderen Taxifahrer angequatscht. Wir fragten, ob er von Moner geschickt wurde, er nickte heftig. Gerade, als wir einsteigen wollten, kam Moner selbst angefahren. Es stellte sich heraus, dass er überhaupt niemanden geschickt hatte, der falsche Fahrer wollte nur die Fahrt abstauben. Wir wechselten zu unserem echten Chauffeur und er fuhr uns zurück nach Aqaba. Wir haben gleich mit ihm geregelt, dass er uns morgen Nachmittag auch vom zwei Stunden entfernten Petra abholt, weil da um diese Zeit wohl kein Bus mehr fährt. Meint Moner zumindest, aber ich glaube ihm. Ich mag unseren Chauffeur einfach.

Silvester zwischen 3 Ländern



Eigentlich wollte ich mich diesmal ja Silvester komplett verweigern, aber Stephanie hatte Lust zu feiern und so ganz ohne alles fand ich’s dann irgendwie auch doof. Also fragten wir im Tourist Information Center von Aqaba, ob es irgendwo eine Party gäbe. Es wurde, wie ich geahnt hatte, nur in Hotels gefeiert. Man empfahl uns die Party im Radisson am Südstrand 20 km südlich von hier.

Um 22 Uhr machten wir uns auf den Weg und ließen uns per Taxi hin kutschieren. Wir hätten eigentlich sofort den Rückzug antreten sollen, als wir sahen, wo wir gelandet waren. Ein Butler half uns aus dem Wagen und führte uns zur Rezeption. Dort fragten wir nach der versprochenen Party, nach einer Kopf-bis-Fuß-Musterung sagte man uns, die eigentliche Party sei voll, aber man werde uns zu einer zweiten Feier im Hotel führen.

Ein Mitarbeiter leitete uns durch unzählige Höfe und Pool-Bereiche, durch Glasscheiben sahen wir feine Herrschaften in Anzügen, in gedämpft blaues Licht getaucht, auf der eigentlichen Party „feiern“, das heißt rumsitzen, fressen und Sekt saufen.

Das Hotel war eigentlich eher eine kleine Stadt, wer hier Urlaub macht, kommt aus dem Laden garantiert nie raus und erzählt wahrscheinlich hinterher, wie schön Jordanien gewesen sei. Als wir endlich auf der uns zugedachten „Party“ ankamen, drehten wir uns auf der Stelle um und traten den Rückzug an. Hier war das Licht nicht blau, sondern rosarot, die Leute waren etwas weniger schick gekleidet und hatten bunte Papphütchen auf dem Kopf sitzen. So wollten wir nicht enden, zum Glück fanden wir sofort ein Taxi, das uns zurück nach Aqaba fuhr.

Wir beschlossen, unsere eigene Party zu feiern, holten uns Bierdosen im Liqueur Shop und setzten uns in ein Strandcafe. Besser gesagt auf ein paar Plastikstühle, zu denen man uns Tee in Pappbechern brachte. Als diese leer waren, füllten wir sie mit Bier nach und dann nochmal und nochmal und nochmal. Schließlich war es 12 und wir sahen drei Feuerwerke gleichzeitig: Eins in Eilat, eins in Ägypten und eins direkt hier in Jordanien, alles nur ein paar Kilometer voneinander entfernt. Es war zwar nichts dolles, nur ein paar Raketen für die Touris, aber es reichte, um bei uns etwas Silvesterstimmung zu verbreiten.

Gegen halb zwei waren wir im Bett und nun scheint tatsächlich 2014 zu sein.

Straßenshops

Ab über die Grenze nach Jordanien



Nachdem wir uns gestern spontan entschieden hatten, noch für ein paar Tage in Jordanien vorbei zu schauen, war heute Morgen Grenzüberquerung angesagt. Von Eilat aus ist das wirklich nur ein Katzensprung, nach ein paar Minuten Taxifahrt hatten wir schon die Grenze erreicht.

Die Absperrungen dort sehen ziemlich krass aus, ich fand es total interessant, mal die Außengrenze von Israel zu sehen. Es gibt einen 100 Meter breiten, von allen Pflanzen befreiten Landstreifen, der eingezäunt ist und mit Wachtürmen bebaut. Hat mich ein wenig an die DDR/BRD Grenze außerhalb von Berlin früher erinnert.

Wir mussten jeder 105 Schekel (21 Euro) Austrittsgeld an Israel zahlen, dann ging es weiter zu den jordanischen Grenzbeamten. Die waren gleich völlig anders drauf als die grimmigen israelischen Kollegen, ein Lächeln im Gesicht, ein Scherzchen auf den Lippen, „Welcome to Jordan“, Kurzzeitvisum, ein paar Passkontrollen, dann waren wir drin.

Wir fuhren per Taxi nach Aqaba, dem jodanischen Gegenstück zu Eilat. Wir suchten uns ein Hotel im Zentrum, für 30 Dinar (30 Euro) bekamen wir ein riesiges Doppelzimmer mit Balkon und Panoramablick über die Stadt. Wir warfen unsere Sachen rein und zogen los, uns ein wenig durch die Stadt treiben zu lassen.

Hier fühlt sich das Leben auf jeden Fall völlig anders an, als auf der anderen Seite der Grenze. Die Straßen sind von kleinen Geschäften gesäumt, in denen alles verkauft wird, von Gewürzen bis zu Rinderköpfen. Ich mag so was supergerne, einfach weiter reisen und plötzlich in einer völlig anderen Welt landen. Stephanie wird als blonde Frau ohne Kopftuch auf der Straße ganz schön angestarrt, obwohl hier relativ viele Touristen unterwegs sind. Hätte eigentlich gedacht, dass die Einheimischen da mehr daran gewöhnt wären.

Der Strand ist leider nicht wirklich schön, aber momentan ist es sowieso bewölkt und zu kalt zum Baden. Und obwohl es mich gerade ziemlich kickt, unerwarteterweise in Jordanien gelandet zu sein, gibt es in Aqaba selbst nicht wirklich viel zu tun, so dass wir uns ein paar Pläne für die nächsten Tage machen müssen.

Wir würden gern die antike, in den Felsen geschlagene Stadt Petra besuchen und die Wüstenlandschaft Wadi Rum sehen. Beides ist von hier aus mit einer Tagestour zu erreichen, also wird Aqaba weiterhin unsere Basisstation bleiben.

Südamerika, Asien und Europa, Erlebnisse und Fotos