Zu kräftig an der Wasserpfeife gezogen

Diyarbakir – Roland Kaiser mit kurdischen Jungs

Ich lernte heute eine Runde kurdische Jungs kennen. Ehe mich mich versah, saß ich mit ihnen in einer Teestube und rauchte Wasserpfeife. Und plötzlich hörten wir Roland Kaiser.



 

Gestern bin ich in Diyarbakir angekommen, einer Millionenstadt in der Osttürkei, deren Einwohner überwiegend kurdischer Abstammung sind. Ich war recht überrascht, weil Diyarbakir moderner und aufgeschlossener wirkt, als ich es mir vorgestellt hätte. Natürlich findet auch hier das traditionelle ostanatolische Leben statt, man sieht Männerrunden in Straßencafes und Frauen mit Burkas und Kopftüchern auf der Straße. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Orten in der Osttürkei sieht man eben auch junge Paare, die Hand in Hand die entlang laufen oder Frauen mit offenen Haaren und körperbetonten Klamotten.

Tee trinken und schwatzen
Tee trinken und schwatzen
In der Ulu Cami in Diyarbakir, eine der ältesten türkischen Moscheen
In der Ulu Cami in Diyarbakir, eine der ältesten türkischen Moscheen

Ich werde etwas länger in Diyarbakir verweilen, weil ich einen kleinen Programmierauftrag angenommen habe und nächste Woche etwas arbeiten will. Ich habe das perfekte Zimmer dafür im Hotel Kent gefunden: Einzelzimmer für 35 Lira (12,30 Euro) mit schnellem Internet und Kühlschrank. Vor allem der Kühlschrank mich glücklich, einfach mal einkaufen gehen und Bier, Käse und Wurst immer griffbereit haben, herrlich.

Heißhunger auf Brot und Leberwurst

Apropos Wurst: Ich habe zwar normalerweise kein Problem, mich beim Reisen den lokalen Essgewohnheiten anzupassen, aber ich bekomme gerade einen ziemlichen Heißhunger auf deutsches Brot. Hier gibt es nur Fladenbrot oder fluffiges Weißbrot. Ich bin gestern bestimmt zwei Stunden durch Diyarbakir gerannt in der Hoffnung, irgendwo ein dunkleres zu finden, mit richtig Biss und am besten noch mit einer knusprigen Kruste. Dazu noch ein deftiger Belag, vielleicht ein Käse mit kräftigem Aroma, oder Leberwurst… Die Ausbeute war am Ende ein – mit viel Phantasie – etwas dunkleres Weißbrot, eine sündhaft teure Packung schinkenähnlicher Belag, der ziemlich eigenartig schmeckte, ein Käse, dessen Aroma einfach nur säuerlich war und ein jagdwurstähnlicher Aufschnitt, der wesentich besser aussah, als er tatsächlich schmeckte. Ich kam dann auf die Idee, mir in zwei Wochen von Johannes Wurstkonserven aus Berlin in den Iran mitbringen zu lassen, ist aber auch nicht so einfach, weil der Import von Schweinefleisch dort verboten ist.

Heute nachmittag saß ich so beim Dönermann, als am Nebentisch sechs kurdische Jungs ankamen. Sie quatschten mich an, wo ich herkäme und was ich hier wollte, nach ein paar Minuten meinten sie, ich solle doch an ihren Tisch kommen. Sie konnten nur ein paar Fetzen englisch, aber irgendwie bekamen wir etwas Konversation hin, weil jeder von ihnen ein paar andere Wörter konnte. Sie waren um die 20 Jahre alt, Studenten aus der Stadt hier und völlig aus dem Häuschen, sich mit mir zu unterhalten.

Meine neuen kurdischen Freunde in Diyarbakir
Meine neuen kurdischen Freunde in Diyarbakir
Zu kräftig an der Wasserpfeife gezogen
Zu kräftig an der Wasserpfeife gezogen

Diyarbakir und Roland Kaiser – Culture Clash

Wir zogen zusammen weiter in eine Teestube, die Jungs bestellten eine Kanne und dazu eine Wasserpfeife. Es ging ziemlich quirlig zu, jeder wollte gleichzeitig irgendwas anderes von mir wissen und ich wusste gar nicht, wem ich zuerst antworten sollte. Mit Händen und Füßen und Google Translate verstanden wir uns dann sogar ganz gut und es wurde richtig lustig. Sie spielten mir kurdische Musik auf dem Handy vor, ich ihnen bisschen Berliner Electro.

Dann kam ich auf die Idee, doch mal Roland Kaiser vorzustellen und gab „Santa Maria“ zum besten. Die Jungs schauten etwas schräg drein und ich musste mich halb totlachen. Roland Kaiser mit Wasserpfeife und Tee in Diyarbakir, was für ein Culture-Clash. :) Ich erklärte ihnen, dass der Roland schon etwas betagter ist und zeigte ihnen ein Foto von ihm. „This Roland Kaiser?“ meinten sie. „Fucking Roland Kaiser!“ Ich befürchte, der gute Roland konnte in Diyarbakir keine neuen Fans gewinnen. :)

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