Kumari, die lebende Göttin von Patan

Patan – Besuch der lebenden Göttin Kumari

In Kathmandu spürte ich nach den Wochen in der Natur eine gewisse Stadtallergie. Doch eine skurrile Begegnung stach heraus: Der Besuch der Kumari von Patan, einer lebenden Göttin.



 

Nachdem ich vor 5 Tagen von meinem Fußmarsch durch die Chepang-Dörfer zurück gekommen bin, hatte ich in Kathmandu einiges zu organisieren. Indisches Visum besorgen, Wäsche waschen, Haare schneiden lassen, Internetkrams und Bier trinken nahmen mich für einige Tage in Anspruch.

Doch nach den vielen Wochen in atemberaubender Natur hatte ich mit dem Stadtleben ziemlich zu kämpfen. Der ständige Kampf zwischen Autos, Mopeds und Fußgängern, Hupkonzerte, smoggeschwängerte Luft und Straßendealer, die einen alle 30 Meter anquatschen, trieben mich fast in den Wahnsinn. Ich hatte das Gefühl, auf einmal unter akuter Großstadtallergie zu leiden.

Ausflüge zur Bodnath Stupa, der größten Stupa Asiens, sowie ins benachbarte Patan, ein Ort mit einer unglaublichen Tempeldichte, waren zwar ganz nett, aber inzwischen hatte sich bei mir auch eine gewisse Tempelmüdigkeit breit gemacht, der nächste und übernächste Tempel waren irgendwann auch nicht mehr interessanter als die vorherigen 100.

Bodnath, die größte Stupa Asiens
Bodnath, die größte Stupa Asiens
Durbar Square in Patan
Durbar Square in Patan

Besuch der Kumari, der lebenden Göttin

Fasziniert hat mich an Patan eher eine andere skurrile Begegnung: Ein Besuch bei der lebenden Göttin. Der Kult, kleine Mädchen als Inkarnation einer Göttin zu verehren, heißt Kumari und wird von Buddhisten und Hinduisten geteilt. Ich folgte dem Wegweiser zur „Living Godness“ und landete in der ersten Etage eines Hauses.

Wegweiser zur Kumari, der lebenden Göttin
Wegweiser zur Kumari, der lebenden Göttin

Dort warteten schon zwei Hindus und meinte, ich sollte mich hinsetzen und warten. Warten? Worauf denn? Aus der oberen Etage hörte ich Kindergeplärre. Das Geplärre kam langsam näher. Ich hörte, wie jemand die Treppe herunter kam, dabei verstummte es plötzlich. Nun sah ich, wie ein Vater seine 10jährige Tochter, in ein rotes Gewand gehüllt, auf dem Arm herunter trug. Er brachte sie ins Nebenzimmer, dann wurden die beiden Hindus und ich herein gerufen.

Segnung auf Knien vor der Göttin

Dort saß nun dieses Mädchen auf ihrem Göttinenthron, wortlos auf den Boden schauend. Die beiden Hindus meinten, ich sollte mich nun vor sie knien. Als ich dies tat, tauchte das Mädchen ihren Finger in einen Topf und pappte mir einen roten Flatschen eines Gemischs aus Farbe, Honig und Reis auf die Stirn. Ich sei nun gesegnet, sagte man mir, und sollte eine Spende auf einen bereitgestellten Teller legen. Da dort schon einige 50 Rupien Scheine (40 Cent) lagen, warf ich auch einen dazu, für die Segnung von einer lebenden Göttin schien mir das ein Schnäppchen zu sein. Die beiden Hindus ließen sich auch noch segnen, dann gingen wir alle.

Kumari, die lebende Göttin von Patan
Kumari, die lebende Göttin von Patan
Die Kumari segnet einen Hindu
Die Kumari segnet einen Hindu

Die beiden Hindus erklärten mir noch, dass die Göttin mit 4 Jahren auserwählt wurde und ihren Gottesstatus verlieren würde, sobald sie in die Pubertät käme. Dann würde die Nachfolgerin auserwählt. Ziemlich skurrile Geschichte das alles, man muss sich mal vorstellen, wie sich dieses Mädchen fühlt, wenn es mit 12 oder 13 gesagt bekommt, dass es auf einmal keine Göttin mehr ist.

Suche nach einem Mittel gegen die Stadtallergie

Am nächsten Tag beschloss ich, endlich meine Stadtallergie ernst zu nehmen und fuhr ins ruhige Örtchen Sankhu, 30 Kilometer neben Pokhara gelegen und kaum von Touristen besucht. Ich marschierte zum hoch über dem Ort gelegenen Tempel und dann immer weiter. Bald erreichte ich kleine Dörfer, die mein Herz wieder aufgehen ließen. Ziegen, Reisfelder und Bauernhäuschen, wie hatte ich das in den letzten Tagen vermisst!

Bauernhaus im kleinen Dorf
Bauernhaus im kleinen Dorf
Endlich wieder etwas Dorfidylle
Endlich wieder etwas Dorfidylle

Als ich irgendwann einen Bus zurück nach Kathmandu suchte, fragten ein paar Dorfbewohner, ob mich der Schulbus mitnehmen würde, was er dann auch tat. Die Kiddies und die mitfahrende Lehrerin starrten mich zuerst an, als würde eine Kuh in den Bus einsteigen, dann waren sie völlig aus dem Häuschen, dass ich mitfuhr. Magic moment! :)

Abschied von einem magischen Land

Nach 6 Wochen in Nepal ist der heutige Tag mein letzter in diesem Land, denn morgen werde ich nach Goa in Indien fliegen. Es war eine wunderbare Zeit und Nepal hat es aus dem Stand auf den ersten Platz der Liste meiner Lieblingsländer geschafft, den es sich allerdings mit dem bisherigen Spitzenreiter Peru teilen muss. 8000 Meter hohe Berge, grüner Dschungel, Dörfer, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, lebensfrohe Menschen und jahrtausende alte Geschichte, das alles zusammen in einem ziemlich kleinen Land zu erleben ist einfach… magisch, um es mit dem Wort zu sagen, dass mir als erstes nach meiner Landung zu diesem Land einfiel.

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