Trek zum Machu Picchu – Tag 3



 

Letzte Nacht schlief ich in meinem Zelt wie ein Mumeltier. Die Temperatur war recht angenehm und ich war erschöpft genug, um die harte Iso-Matte nicht zu spüren. So ging es den meisten und wir standen um 6 Uhr alle recht fit auf der Matte.

Der Tag sollte entspannt werden. Bis zum Mittag standen 6 Stunden Fußmarsch auf mehr oder weniger gerader Strecke auf dem Programm, ca. 20 Kilomater. Nach dem gestrigen Tag die reinste Erholung. Es gab zwar hin und wieder mal ’nen Bach auf ’ner wackligen Brücke zu überqueren, war aber nicht wirklich gefährlich. Allerdings mussten wir hin und wieder auch von Stein zu Stein durch ein Bächlein springen. Ich war froh, meine wasserdichten Wanderschuhe zu haben, nachdem ich mich schon gefragt hatte, warum ich die unbenutzt durch halb Südamerika geschleppt hab.

Start im WasserDörfchenFelix mit Führer Jose LuisBrücke

Unterwegs tauchte ein kleiner Junge mit seiner Mutter auf, er war vielleicht 8 Jahre alt. Unglaublich stolz zeigte er uns seine Künste, von Stein zu Wurzel in High-Speed die Hänge hinunter zu spurten. Er wurde immer übermütiger, zum Schluss baute er sogar Turnübungen wie Klimmzüge an Bäumen in seine Performance ein. :)

Nach dem Mittag brachte uns ein Bus zum Campingplatz, also wirklich ein lockerer Tag. Danach ging’s zu den heißen Quellen in der Nähe, war ein himmlisches Gefühl dort einzutauchen und außerdem das erste Wasser seit drei Tagen, das unsere Körper berührte.

Abends brachte uns der Bus wieder zum Zeltplatz zurück. Wenige Meter entfernt wurde gerade in diesem Moment eine Kuh geschlachtet. Paul, James (ein englischer Kollege) und ich liefen neugierig zurück, um uns das Spektakel anzuschauen. Das Schlachten haben wir verpasst, aber wir sahen, wie die Kuh aufgeschnitten, entweidet und in Einzelteile zerlegt wurde. Die Beine wurden abgeschnitten und aufgehängt, unglaublicherweise zuckten sämtliche Muskeln der Kuh noch, als wäre sie lebendig! Wir fragten, woher das komme und man sagte uns, das seien Reflexe, die noch ca. eine Stunde anhielten. Es war echt gruselig, die aufgehängten Beine zucken und wobbeln zu sehen.

Bisschen eklig war, als der Magen der Kug aufgeschnitten wurde: Literweise halbverdautes Essen klatschte auf den Boden und stank abscheulich. Der Darm wurde ausgespült und wie ein Ballon mit Wasser gefüllt. Fasziniert und etwas schaudrig beobachteten wir das Spektakel.

Plötzlich kam uns eine Idee: Wir hatten die einzigartige Gelegenheit, das frischeste Steak unseres Lebens zu essen! Wir fragten, ob wir ein Stück Fleisch kaufen konnten und ließen uns 500 Gram aus der Kuh herausschneiden, die noch keine Stunde tot war. Das Fleisch war noch warm, wir brachten es zum Koch unseres Treks und ließen es für ein kleines Trinkgeld braten. Es schmeckte fabelhaft, soft und aromatisch und wirklich frisch. War eine faszinierende Erfahrung, so frisches Fleisch ist nicht einfach zu bekommen.

Frisch geschlachtete KuhFleisch, noch keine Stunde alt……in der Pfanne……und in unserem Mund

Danach hatten wir ’nen lustigen Abend mit Bierchen und Kartenspielen. „Shithead“ ist das Spiel der Stunde, ich hab’s hier beim traveln gelernt und bin ziemlich süchtig danach geworden. Nach ’ner Weile wurden alle richtig ehrgeizig und waren mit Feuer und Flamme dabei, es war eine meiner besten Shithead-Runden ever.

Nu geht’s ab ins Bett, morgen stehn wir recht gechillt um 7 Uhr auf und haben unseren letzten Trekking-Tag vor uns, bevor wir den Machu Picchu erreichen.