Reggaeton-Schalldruck-Battle



 

Gestern Abend haben Johannes und ich uns die Bäuche bei einem weiteren Grillmeister hier vollgeschlagen, dann ging’s ab zur Strandpromenade, wo abends ordentlich was los ist. Es gibt unzählige Verkaufsstände, die irgendwas verchecken, die Leute hängen rum, trinken und quatschen.

Wir sind hier die einzigen Nicht-Südamerikaner im Ort, also waren wir eine ziemliche Attraktion. Dauernd kamen Mädchen vorbei und wollten Fotos mit uns haben, ganze Familien mit ihren Töchtern. Und statt zu sagen: „Geht von diesen Männern weg!“ ließen die Mütter ihre Töchter noch posen und spielten das Spiel freudig mit. Wir kamen uns vor wie Stars, flanierten die Promenade hoch und runter, zischten uns ein Bier nach dem anderen rein und ließen uns bestaunen. :)

Später gab es auf der Straße einen Battle der Auto-Soundsysteme. Die Jungs hier haben ihre Kofferräume in komplette Schalldruckanlagen verwandelt, bei manchen Karren nahmen die Verstärker die komplette Rückbank ein. Es wurde so laut aufgedreht, dass sich das Berghain davor fast verstecken müsste. :) Der Lauteste gewinnt, dort wird dann ordentlich gefeiert.

Wir haben uns ziemlich die Kante gegeben da, irgendwann konnten wir kaum mehr stehen und haben uns auf den Weg zurück zu unserer Posada gemacht.

Wir torkelten die Straße runter und stützten uns gegenseitig, da spürte ich plötzlich einen Schlag auf meinem Hinterkopf. Ich drehte mich um und sah drei Jungs, einer auf einem Moped, zwei zu Fuß. Johannes sagte: „Mir hat einer eine Flasche über den Kopf gezogen!“ Der auf dem Moped rief: „Gib mir dein ganzes Geld!“ Da raffte ich plötzlich, dass die Typen uns ausrauben wollten. Aber sie wirkten, als hätten sie das noch nie gemacht, die Flasche hatten sie nicht richtig durchgezogen, sonst wäre Johannes wohl nicht mehr gestanden. Sie waren nicht wirklich fordernd oder setzten mit weiteren Angriffen nach.

Ich beschloss zu rennen, unser Hotel war nur noch wenige Meter entfernt. Als ich etwas Abstand hatte und mich umdrehte sah ich, dass Johannes einfach zwischen den Jungs langsam weiter lief und anfing zu diskutieren. Ich schrie: „Renn, Johannes, renn!“ Ich hörte nur sowas wie: „Häää, warum denn?“ Er hatte die Situation einfach nicht gerafft und ich konnte brüllen was ich wollte, er fing einfach nicht an zu rennen. Total bescheuert, dachte ich. Es war auch nicht nur sein Problem, denn wenn sie ihn weiter angegriffen hätten, hätte ich ihm auf jeden Fall helfen müssen. Zum Glück kam keiner hinter uns her, wir erreichten unsere Posada, klingelten und ich war froh, als wir drin waren. Es hatte auch keiner gesehen, wo wir übernachteten.

Ich glaube, das war so ein Gelegenheitsüberfall, die Typen haben gesehen, dass wir nicht mehr gerade laufen konnten und wollten es einfach mal ausprobieren. Aber dass bei Johannes nicht alle Lampen auf Alarm gehen, wenn er eine Flasche über den Schädel gezogen bekommt, will mir immer noch nicht ganz in den Kopf.

Heute machen wir uns hier aus dem Staub, es geht weiter nach Coro.

4 thoughts on “Reggaeton-Schalldruck-Battle”

  1. Ihr zwei Vögel!!! Mann, Mann, Mann!! Ihr könnt euch doch nicht einfach so hauen lassen…..
    Kauf dem Jojo lieber mal ’nen Schild für den Rücken:“ Don’t hit me, just show me your gun or I’ll talk to you!“

    Na ich bin ja froh, dass es euch gut geht. Wie gehts dem Hannes seinem Kopf?

  2. Hey Müscha, schön von dir zu hören!

    Der Johannes hatte nur ’ne kleine Beule, nix weiter passiert. Aber irgendwie isses schon schräg, überall, wo man paranoid davor gewarnt wird, wie gefährlich es da ist, passiert nix, und da, wo es angeblich sicher ist, kommt dann so ’ne Aktion.

    Aber alles nochmal gut gegangen und weiter geht’s. :)

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