Kuba – Warum Sozialismus nicht funktioniert

Meine Reise durch Kuba war wie ein Flashback in meine Kindheit in der DDR. Und mir wurde klar, warum Sozialismus nicht funktioniert.




 
Nachdem ich von der Yucatan Halbinsel in Mexiko aus nach Kuba geflogen bin, fand ich mich in einer völlig anderen Welt wieder. Raus aus der perfekt, für meinen Geschmack etwas zu perfekt, organisierten touristischen Infrastruktur, rein in den real existierenden Sozialismus.

Havanna – Museum auf der Straße

Die ersten Schritte in Havanna waren faszinierend. Auf den Straßen sieht es aus wie im Museum, amerikanische Autos der 50er und 60er Jahre prägen das Straßenbild. Menschen telefonieren an öffentlichen Münztelefonen, auch das hatte ich jahrelang nicht mehr gesehen. Mobiles Internet gibt es nicht, WLAN nur an einigen öffentlichen Plätzen für 1,50 Euro pro Stunde.

Zentrum von Havanna
Straße in Havanna

Die nächsten zwei Wochen sollten mich einmal quer durch Kuba führen. Nach Mexiko hatte ich keine Lust mehr auf Strände mit Hotels, so ließ ich das Meer links liegen und konzentrierte mich auf die Städte, um das kubanische Leben kennen zu lernen. Ich besuchte außer der Hauptstadt Havanna Cienfuegos, Trinidad, Camagüay, Santiago, Las Tunas und Viñales.

In Kuba gibt es in allen Orten mit etwas Tourismus unzählige „Casas particulares“. Das sind Privatwohnungen, in denen Zimmer für Touristen angeboten werden. Sozusagen der Vorreiter von AirBnb. Ich fand diese Art der Übernachtung sehr spannend, von prunkvoll bis schäbig findet man alles, die Gastgeber waren meistens sehr nett und ich bekam etwas Einblick ins einheimische Leben. Einmal bekam ich für 8 Dollar sogar ein Festmahl mit frischem Hummer serviert.

Hummer von meinen Gastgebern serviert
Casa Particular in Camagüay

Leben vom staatlichen Lohn fast nicht möglich

Apropos einheimisches Leben: Für Kubaner, die keinen Zugang zu Devisen haben, also kein Zimmer vermieten oder irgendwelche Geschäfte mit Touristen machen können, ist das Leben sehr hart. In einem Job, in dem man vom Staat bezahlt wird, also als Arbeiter in einer Fabrik, Lehrer, Polizist oder Ingenieur, verdient man um die 20-30 Euro. Nicht pro Stunde, nicht pro Tag. Auch nicht pro Woche. Es sind 20-30 Euro im Monat. Es gibt ein paar subventionierte Lebensmittel, die sehr billig sind, wie Reis, Zucker und Salz, aber von 20-30 Euro kann man selbst in Kuba nicht wirklich leben.

Blick in eine Fabrik in Las Tunas

Viele Kubaner haben Verwandte im Ausland. In den Parks, in denen es WLAN gibt, kann man manchmal Fetzen von Skype-Telefonaten aufschnappen, in denen Kubaner bei ihren Verwandten im Ausland um Zusendung von Kleidung oder anderen Dingen bitten. Wer keine Verwandten im Ausland hat und außerhalb von Regionen lebt, die von Touristen besucht werden, muss wohl oder übel mit dem wenigen Geld, das der Staat bezahlt, auskommen. Viele suchen verzweifelt nach einer Möglichkeit, das Land verlassen zu können.

Warum Sozialismus nicht funktioniert

Meine Reise durch Kuba war für mich ein recht interessantes Fallbeispiel, das mir vor Augen geführt hat, warum Sozialismus und verstaatlichte Wirtschaft nicht funktionieren. In den staatlichen Geschäften und Restaurants sieht es typischerweise so aus, dass eine unfreundliche Verkäuferin vor einem Regal steht, in dem fast nichts angeboten wird. Als Kunde in einem Restaurant oder Geschäft hat man ständig das Gefühl, eher Bittsteller als Kunde zu sein und froh sein zu können, überhaupt bedient zu werden.

Staatsgeschäft in Havanna

Teilweise ist es wirklich grotesk. In Las Tunas stand ich vor einem Geschäft, in dessen Fenster die Kampfparole „Unsere Kraft ist die Einheit!“ proklamiert wurde, drinnen, in einem riesigen Verkaufsraum, gab es jedoch so gut wie nichts. An einem Busbahnhof hing über der Kantine ein Poster, das „Stolz auf unsere Arbeit!“ verlauten ließ, darunter stand eine Verkäuferin mit nach unten hängenden Mundwinkeln, die der Kundschaft lieblos die wenig appetitliche aussehenden belegten Brötchen vor die Nase krachte, im übrigen das einzige Essbare, was es in dieser Kantine gab.

Geschäft – Draußen Propaganda, drinnen nichts

Staatswirtschaft am Bedarf vorbei

Völlig am Bedarf vorbei gibt es in manchen wenig belebten Straßen drei 24-Stunden-Cafes nebeneinander, die allerdings auch nichts anderes als Kaffee verkaufen. Andererseits hatte ich manchmal echte Probleme, in fußläufiger Entfernung etwas Essbares oder Wasser zu finden. Seit einigen Jahren sind in Kuba zwar private Geschäfte erlaubt, aber ich habe das Gefühl, der Geist der Marktwirtschaft ist noch nicht wirklich angekommen. Allerdings wird man in privaten Geschäften und Restaurants etwas weniger unfreundlich behandelt als in den staatlichen.

Öffentlicher Platz mit WLAN in Santiago

Ich kann die Grundidee des Sozialismus ganz gut nachvollziehen. Ich kann auch sehen, dass er in einige Errungenschaften hervorgebracht hat, die es in anderen mittelamerikanischen Ländern so nicht gibt. Das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung funktionieren in Kuba recht gut, außerdem habe ich niemanden gesehen, der mit absolut gar nichts in Wellblechhütten haust. Aber ich konnte auch diese bleierne Schwere spüren, die über einer Gesellschaft liegt, in der alle in einer staatlich verordneten Gleichheit auf niedrigstem Niveau verharren, ohne jede Chance, durch eigene Anstrengung oder Kreativität daraus auszubrechen.

Fidel überall in Kuba

Sozialistische Tristesse in Kuba

Ich bin im Osten aufgewachsen und war 11, als die Mauer fiel. Die Schwere und Tristesse, die über Kuba liegen, erinnerten mich sehr an die Zeit in der DDR. Die Stagnation trieb damals die Massen auf die Straße und führte schließlich zum Zusammenbruch der DDR und dazu, dass ich heute in Freiheit leben kann. Ich wünsche den Kubanern das gleiche. Die einzigen begeisterten Sozialisten sah ich im kubanischen Staatsfernsehen und auf Propagandaplakaten. Eine Kubanerin sagte mir, sie würde sofort ihre Gesundheit eintauschen gegen die Möglichkeit, Geld zu verdienen, denn mit dem Geld könnte sie sich später auch wieder Gesundheit kaufen.

Nach zwei Wochen Kuba würde ich die Erfahrung „interessant“ nennen. Es kann auch ziemlich anstrengend sein, denn so ziemlich jeder, den man trifft, versucht einem irgendwie Geld aus dem Kreuz zu leiern. So verständlich das bei Gehältern von 20-30 Euro ist, kann es doch irgendwann nerven. Ich hätte Wetten darauf annehmen können, dass man mir so gut wie immer zu wenig Wechselgeld gibt, wenn ich mit einem großen Schein bezahle. Oder mir erstmal irgendwelche Fantasiepreise nennt, wenn ich etwas zu essen bestelle.

„Ich bin Fidel“
Straßenmusiker in Havanna

Sehr entspannend war nach einem halben Jahr Mittelamerika allerdings, dass es in Kuba kaum Gewaltkriminalität gibt. Man kann in Havanna problemlos nachts auf der Straße herumlaufen, eine Erfahrung die ich schon lange nicht mehr gemacht habe. Das letzte Mal in Managuaging jedenfalls nicht so gut aus. Gefallen haben mir außerdem die Kubanerinnen, sehr hübsche Frauen von ganz vielfältiger Art.

Die Mutter mit der Tochter

Schrägste Begegnung: An meinem vorletzten Tag in Havanna sprach mich eine Frau auf der Straße an, zeigte auf ihre 18jährige Tochter und fragte, ob sie mir gefallen würde. Ich meinte, die 18jährige Tochter würde mir schon recht gut gefallen. Da gab mir die Mutter ihre Adresse und meinte, ich solle doch am nächsten Nachmittag bei ihnen zu Hause vorbei kommen, sie würde mir einen Kaffee kochen, die Tochter wäre dann auch da.

Also steuerte ich am nächsten Tag dort vorbei und ließ mir einen Kaffee servieren. Dann lud ich die Tochter auf ein Bier am Malecon, der Strandpromenade von Havanna, ein. Die Mutter meinte noch, ich solle gut auf sie aufpassen, dann zogen wir los. Irgendwie schien die Tochter aber weit weniger an mir interessiert zu sein als die Mutter und sprach fast kein Wort. Nachdem ich die nächste Stunde damit verbrachte, ihr mühevoll ein paar Sätze zu entlocken, meinte sie, sie fühlte sich nicht gut und wollte wieder nach Hause. So trennten sich unsere Wege wieder.

Meine Lieblingsorte in Kuba waren definitiv Havanna und Camagüay. Havanna hat eine wunderschöne Altstadt, eine faszinierende Strandpromenade und es macht Spaß, durch die Straßen im Zentrum zu schlendern und das einheimische Leben zu beobachten. Camagüay hat ein kleines historisches Zentrum, etwas Tourismus, aber nicht so viel, dass er den lokalen Charakter zu sehr verdrängen würde. Viñales war auch nett, besonders die Natur und die Berge ringsherum.

Straße in Viñales
Tabakbauer in Viñales

Ich möchte die Erfahrung in Kuba nicht missen, freue mich aber auch, den Sozialismus hinter mir lassen zu können. Eine Möglichkeit, die die meisten Kubaner leider nicht haben. Weiter geht’s in die Dominikanische Republik.

5 thoughts on “Kuba – Warum Sozialismus nicht funktioniert”

  1. Freue mich zu lesen, dass es Dir gut geht und es auch Länder gibt in denen der dicke Olli ggf kein Geleitschutz geben muss.
    In der Dom. REP. war ich auch schon….mal schauen wie es Dir gefällt.
    Freu mich auf mehr!

  2. Hallo Olli, schön von dir zu hören. Bis jetzt gefällt’s mir super in der Domrep, es gibt Gouda und Paulaner im Supermarkt, herrlich. :-)

  3. Moin,
    interessante Beobachtungen, für die man (auch in Kuba) schon genau hinschauen muss, insbesondere wenn man nur 2 Wochen im Land ist. Viele Besucher des Landes lassen sich ja doch eher von Strand, Salsa und Mojito (ggf. auch von den hübschen Frauen… ;) ) blenden. Gefällt mir der Text, hebt sich wohltuend von vielen oberflächlichen Beschreibungen ab … Gute Reise weiterhin! :D

    LG, Wolfgang

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