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Zurück nach Südamerika



In wenigen Stunden werde ich meinen Fuß nach 4 Jahren endlich wieder auf den südamerikanischen Kontinent setzen. Johannes ist seit einem Monat in Peru und Bolivien unterwegs und ich sitze gerade im Flugzeug von Frankfurt nach Caracas. Ich war schon in jedem südamerikanischen Land, außer Venezuela, deshalb will ich diesmal dort vorbei schauen.

Ich werde gegen 15:30 Uhr in Caracas aufschlagen, Johannes kommt in 3 Tagen von Lima aus dorthin geflogen und dann wollen wir uns in 4 Wochen von Venezuela über Kolumbien bis nach Panama City durchschlagen, von wo aus wir in einem Monat zurück nach Berlin fliegen.

Ich fliege mit Lufthansa direkt nach Caracas, für 300 Euro weniger hätte es einen Flug mit Iberia über die USA gegeben. Aber erstens hatte ich mir bei meinem letzten Iberia-Flug geschworen, nie mehr mit diesen Verbrechern zu fliegen und mit Zwischenlandungen in den USA habe ich auch nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht. Also habe ich die 300 Euro mehr gerne gezahlt, um mir all das zu ersparen.

Ich freue mich voll, wieder on the road zu sein, habe im Moment aber erstmal einen Heidenrespekt vor Caracas. Auf den Listen der gefährlichsten Städte der Welt rangiert Caracas je nach Statistik zwischen Platz 1 und Platz 3, auf jeden Fall immer weit vor Bagdad. Pro Wochenende gibt es 150-200 Morde, allerdings meist zwischen verfeindeten Banden in den Barrios, wie man die Elendsviertel dort nennt. Als Ausländer hat man recht gute Chancen, desöfteren ausgeraubt zu werden, wahlweise von Dieben, oder gerne auch von der Polizei. Es ist nicht so richtig sicher, wer von beiden gefährlicher ist.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich da wirklich rein will, oder vom Flughafen aus direkt in einen anderen Ort fahre. Habe mir nun aber doch für 2 Tage ein Zimmer im Zentrum von Caracas genommen. Ich war in jeder südamerikanischen Hauptstadt und will einfach wissen, wie es da ist, auch wenn es rau und nicht schön ist. Irgendwas kribbelt da in mir und will dort einfach hin.

Ich habe schon fest eingeplant, mindestens einmal ausgeraubt zu werden und habe mir eine billige Zweitkamera gekauft, die ich mir in Caracas abnehmen lassen kann. Aber auch so werden die zwei Tage dort wahrscheinlich die Hälfte meines Venezuela-Budgets auffressen, es ist einfach unglaublich, wie teuer Caracas ist. Die venezuelanische Währung, der Boliviano, ist offiziell mit 1:4,3 an den Dollar gekoppelt, hat aber eine jährliche Inflationsrate von 30 – 40 %. Auf dem Schwarzmarkt bekommt man einen besseren Kurs, deswegen habe ich mir die Taschen voller Dollars gepackt, um die dann schwarz zu tauschen, da bekommt man wohl einen Kurs von 1:9. Aber selbst zu diesem Kurs kosten die günstigsten Absteigen in einer halbwegs sicheren Gegend umgerechnet 50 – 60 Euro pro Nacht.

Habe jetzt ein Bett in einem 4er Dorm im Zentrum für 38 Euro pro Nacht reserviert. Bin mal gespannt, auf Hostelword haben alle vom freundlichen Besitzer Gustavo geschwärmt, der nett und sehr gastfreundlich zu sein scheint. Erstmal muss ich aber vom Flughafen aus heil dort hinkommen, denn wenn man ins falsche Taxi steigt, wird man auch gerne mal direkt entführt. Habe aber schon mit Gustavo gemailt, er meinte, ich solle nur die schwarzen Taxis mit gelben Schildern nehmen, die seien sicher.

Das Abenteuer beginnt also recht rustikal… aber ich denke mir, wenn ich Caracas überlebt habe, dann schaffe ich alles. :)

Neben mir im Flugzeug sitzt übrigens eine ganz nette Costa Ricanerin, mit der ich schon einen schönen Schnack gehalten habe, perfekt, um mein spanisch ein bisschen einzugrooven.