Kategorie-Archiv: Totes Meer

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400 Meter unter dem Meeresspiegel



Gestern Morgen haben sind wir von Nablus über Jerusalem ans Tote Meer gefahren. Die Rückreise aus dem Westjordanland verlief wieder problemlos, nur bei der Durchquerung der Mauer gab’s Taschen- und Passkontrolle.

Kaum hatten wir Jerusalem hinter uns gelassen, änderte sich die Landschaft schlagartig. Nur 10 Busminuten von der nasskalten Stadt entfernt fanden wir uns plötzlich mitten in der Wüste wieder. Am Anfang gab es noch einige Grasbüschel, bald aber nur noch kahlen Sandstein.
Die Straße führte weiter und weiter bergab, das Tote Meer liegt über 400 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt der Erde. Den permanent steigenden Luftdruck spürt man während der Fahrt ganz gut auf den Ohren.

Nach 45 Minuten hatten wir das Tote Meer erreicht. Es ist so schmal, dass man Jordanien auf der anderen Seite sehen kann. Nach weiteren 45 Minuten erreichten wir die Oase En Gedi, wo wir uns am Youth Hostel rausschmeißen ließen. Die gute Lage lassen die sich dort gut bezahlen, 350 Schekel (70 Euro) für ein Doppelzimmer war definitiv die teuerste Behausung unserer ganzen Reise.

Wir warfen unsere Sachen ins Zimmer und ab ging’s zum Strand. Der bestand hauptsächlich aus Steinen, auf denen sich dicke Salzkristalle abgelagert hatten. Ich sprang ins Wasser uns ließ mich auf der Oberfläche treiben. War ein cooles Floating-Gefühl, aber der leichte Wellengang störte ein kleines bisschen, so dass es sich nicht komplett nach Schweben anfühlte. Stephanie hat immer ziemliche Panik, im Meer schwimmen zu gehen, wenn sie den Boden nicht sehen kann. Ich versuchte, sie zum Reinkommen zu überreden, gestikulierte dabei wohl aber etwas zu ausschweifend, denn ich schnitt mir Hände und Füße an den messerscharfen Salzkristallen am Ufer auf. Schließlich kam sie ins Wasser, verfiel aber derart in Panik, dass sie wild um sich schlug und laut schrie. Ich hatte wirklich Angst, dass der Rettungsschwimmer dachte, sie würde ertrinken und reingesprungen kommen würde. :) Schließlich beruhigte sie sich aber und alles wurde gut.

Heute Morgen sind wir zum Mineral Beach 10 Kilometer weiter nördlich gefahren. Der liegt in einer Bucht und das Wasser ist komplett still. Das war dann echtes Floaten und Stephanie konnte ihre Meeresangst auch überwinden. Man konnte sich wirklich einfach auf das Wasser drauf legen und Zeitung lesen. Es war unmöglich, die Füße unter Wasser zu bekommen. Ich hatte das schonmal in den Salzsenken in Chile erlebt, aber ein ganzes Meer voll davon war nochmal eine Spur schärfer.

Danach machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zurück nach Jerusalem. Wir lernten an der Haltestelle noch eine Deutsch-Israelin namens Noa und ihren Freund Dominik kennen und gingen mit denen in Jerusalem noch ein Bierchen trinken. Sie erzählte, dass die superkrass gläubigen Juden (orthodox nennt man die wohl) nicht arbeiten gehen würden und nicht zur Armee müssten, sondern nur die Heilige Schrift studieren und vom Staat finanziert werden würden. Sie war nicht sehr gut auf sie zu sprechen, ich glaube unter denen gibt’s schon wirkliche Fanatiker, aber man müsste sich mal etwas näher damit beschäftigen, um da einen besseren Einblick zu erhalten.

Inzwischen sind wir wieder in Tel Aviv auf dem Flughafen eingetrudelt. Unser Flug geht erst morgen früh um 6 Uhr, wir versuchen noch bisschen zu pennen und dann geht’s leider wieder zurück. Israel war eine wirklich coole Erfahrung und hat mich ziemlich beeindruckt. Es ist ein Land mit vielen Gegensätzen auf ganz kleiner Fläche, sowohl politisch, als auch landschaftlich und klimatisch.

Für die kurze Zeit war es perfekt, denn nirgendwohin gibt es wirklich lange Wege. Es gibt aber viel, was ich noch sehen möchte, ich werde auf jeden Fall mal wieder kommen. Ich will mehr von Jerusalem sehen, mal in der Wüste wandern gehen, die Golan-Höhen kennen lernen, mehr vom Westjordanland sehen und vielleicht irgendwann auch mal den Gaza-Streifen, wenn die politische Situation es zulässt. Und irgendwie hat mich auch der Blick über’s tote Meer nach Jordanien neugierig gemacht, was da drüben wohl so los ist, da werde ich wohl irgendwann mal nachschauen müssen. :)