Platz in Taroudant

Taroudant – Beckenbauer, Merkel und Hitler

In Taroudant besuchten wir die einzige Bar, an der Alkohol ausgeschenkt wurde. Dort trafen wir einen Fan von Beckenbauer, Merkel und Hitler.



 

So langsam ging unsere Zeit in Marokko dem Ende entgegen. Doch einen letzten Stopp wollten wir noch einlegen, bevor es von Agadir aus wieder nach Berlin gehen sollte. Wir entschieden uns für das kleine Städtchen Taroudant, weil es ganz hübsch sein sollte und ein guter Startpunkt, um in der Umgebung wandern zu gehen.

Um dorthin zu gelangen, hatten wir aber erstmal gute 300 Kilometer zu schrubben. Der Tag neigte sich dem Ende entgegen und wir mussten die letzte Stunde in der Dunkelheit fahren. Das ist in Marokko etwas abenteuerlich, denn erstens sind viele Fahrzeuge ohne Beleuchtung unterwegs und zweitens tauchen oft unvermittelt Schlaglöcher auf, die das Zeug haben, mal eben schnell die Achse zu brechen.

Mit unserem Auto in die Abenddämmerung
Mit unserem Auto in die Abenddämmerung

Need For Speed auf marrokanischen Schlaglochpisten

Ich hielt es für das Sicherste, mich hinter die Rücklichter eines einheimischen Fahrers zu klemmen und ihm nicht mehr von der Pelle zu rücken. Der Haken an der Sache war, dass jener Fahrer mit konstant 120 durch die Nacht raste, völlig unbeeindruckt, was um ihn herum passierte. Trotzdem, ich musste dran bleiben. Fahrbahnverengung, Baustelle, völlig egal, überall ging es mit 120 durch. Erinnerungen an Need For Speed Sessions kamen auf.

Ein Schlagloch bekamen wir dann aber doch voll ab, es hatte fast einem Meter Durchmesser und war so tief, dass es rummste, als wäre das Rad weggeflogen. Nach einem Moment der Stille meinte Johannes nur: „Fährt ja noch!“ und grinste. Nach dieser Aktion ließ der Reifen ein wenig Luft, aber ansonsten waren wir echt mit dem Schrecken davon gekommen.

Taroudant zeigte sich als interessantes Städtchen mit wenigen Touristen. Die Medina (Altstadt) ist schön verwinkelt und atmosphärisch, es macht Spaß, dem Wuseln und Treiben dort zuzuschauen. Nach der aufregenden Fahrt hatten Johannes und ich Lust auf ein Bier. Der einzige Ort der Stadt, an dem Alkohol erhältlich war, war die Bar im Hotel Salam.

Platz in Taroudant
Platz in Taroudant

Die einzige Bar in Taroudant

Dafür, dass es die einzige Bar in einer 70.000 Einwohner Stadt war, war sie überaus spartanisch ausgestattet. Bier und vier einsame Schnapsflaschen waren hinter dem Tresen zu sehen, sonst nichts. Doch der kalte Gerstensaft war überaus lecker, es war schon eine ganze Weile her, dass wir so etwas zu Gesicht bekommen hatten. Bier unter Palmen am Hotel-Pool, herrlich.

Apropos Pool: Der lustigste Moment des Abends war, als ein marokkanischer Bargast in der Dunkeltheit den Asphalt nicht so recht von der Wasseroberfläche unterscheiden konnte und nach ein paar Schritten mit einem lauten „Platsch“ von der Erdoberfläche verschwand. Noch lustiger war allerdings, dass er, nachdem er wieder herausgestiegen war, so tat, als wäre nichts geschehen, sich in triefenden Klamotten an die Bar stellte, das nächste Bier bestellte und sich eine Zigarette anzündete.

Disco auf Marrokanisch

Ein wenig später wechselten wir von der Bar in die Hotel-Disco und erlebten live mit, wie Marrokaner feierten, die dem Alkoholgenuss fröhnten. Es spielte eine Band, dazu sangen abwechselnd verschiedene Sänger, die dabei im Publikum auf und ab liefen. Es waren sogar ein paar Frauen anwesend, einige mit Kopftuch, einige recht westlich gekleidet.

Es dauerte eine ganze Weile, bis wir das Konzept der Party verstanden hatten. Im Grunde genommen ging es für die Männer darum, mit Freunden zusammen zu sitzen, sich zu betrinken und ab und zu für ein paar Minuten auf die Tanzfläche zu wagen. Die anwesenden Frauen waren ausnahmslos Prostituierte oder wurden zumindest dafür bezahlt, mit den Männern zu tanzen oder sich mit ihnen zu unterhalten.

Beckenbauer, Merkel und Hitler

Um 22:30 Uhr war Feierabend. Ein älterer Marrokaner, der schon gut getankt hatte, quatschte uns an und wurde nicht müde zu wiederholen, wie sehr er Deutschland mochte und dass die Deutschen die besten Menschen auf der Welt wären. Auf die Frage, warum er dieser Meinung sei, fing er wieder von vorn an, dass er Deutschland mochte und die Deutschen einfach die besten Menschen auf der Welt wären. Er mochte wirklich alles an Deutschland von Wagner über Franz Beckenbauer bis zu Angela Merkel und Adolf Hitler. An dieser Stelle musste Johannes dann doch energisch einschreiten, woraufhin unsere Bekanntschaft zumindest einräumte, dass Hitler auch den einen oder anderen Fehler gemacht hätte.

Kinder reiten Esel im Atlasgebirge
Kinder reiten Esel im Atlasgebirge
Kleine Gipfelbesteigung
Kleine Gipfelbesteigung

Am nächsten Tag gingen wir noch ein letztes Mal auf Wandertour im Atlasgebirge. Wir suchten uns diesmal einen etwas kleineren Berg aus, genau genommen eher einen Hügel, der von oben aber trotzdem einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Dörfer bot.

Abschied von der Sonne in Agadir

Gestern Morgen zogen wir dann weiter nach Agadir, um noch einen letzten Tag am Strand zu genießen. Agadir ist irgendwie eine komplett andere Welt als der Rest von Marokko. Es scheint mehr Bars als Moscheen zu geben, es ist nicht ein einziger Eselskarren zu sehen und Frauen laufen westlich gekleidet und ohne männliche Begleitung durch die Straßen.

Sonnenuntergang in Agadir
Sonnenuntergang in Agadir

Wir genossen noch einen letzten Tag am Strand und aalten uns ein letztes Mal in der Sonne, bevor uns der kalte Dezember in Berlin bald wieder hat. Sehr, sehr bald wird der uns wieder haben, denn inzwischen sitzen wir im Flugzeug und werden in drei Stunden wieder in Deutschland aufschlagen.

2 thoughts on “Taroudant – Beckenbauer, Merkel und Hitler”

  1. Lieber Felix,

    haha, dein Reisebericht weckt direkt wieder Erinnerungen an meine Zeit in Marokko! Gut zu wissen, dass die Quote an Prostituierten in dörflicheren Bars noch höher ist als in Agadir – selbst da war es nämlich nicht ohne, obwohl es dort ja, wie du schon sagst, offenbar mehr Bars etc. als Moscheen gibt :D

    Viel Spaß noch auf deinen Reisen.
    Schöne Grüße aus Paris.
    Caro

  2. Hey Carolin,

    ist ja lustig, dass du das so ähnlich erlebt hast. :)

    Viel Spaß in Paris, was auch immer du da so treibst.

    Viele Grüße,
    Felix

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