Auf der Flucht



 

Slowakische Party gab’s gestern nicht wirklich. Die Hostel-Crew schleppte uns wieder mit, diesmal zu einer Kneipe in einer mit Bars gesäumten Straße in der Altstadt. Es war warm draußen, deshalb stellten sich alle mit ihrem Bier davor. Aber wieder in diesem Pulk aus 20 Hostel-Leuten zu hängen, für die die Stadt nur Kulisse für ihr Besäufnis war, fanden Johannes und ich nicht so prall.

Wir hatten nachmittags eine Japanerin namens Cary kennen gelernt, die im Hostel arbeitete. Sie war auch ein wenig genervt von der Runde, also flüchteten wir zu dritt in die nächste Kneipe, tranken Bierchen und quatschten die halbe Nacht. War echt interessant, mit ihr zu reden und ein wenig über die japanische Kultur zu erfahren. Statt Individualismus wird dort Kollektivismus als höchster Wert angesehen und im Umgang miteinander ist es extrem wichtig, darauf zu achten, dass sich der andere durch nichts gestört fühlt. So sehr ich verstehen kann, dass eine Gesellschaft diese Art des Zusammenlebens als ein hohes Gut sieht, finde ich es doch ziemlich schräg, dass eine eigene, individuelle Meinung als Affront gesehen und nicht akzeptiert wird.

Cary stammte aus Fukushima und ihre Familie lebt noch dort. Es war superinteressant, mal mit jemandem zu sprechen, der direkt von der Atomkatastrophe betroffen ist. Sie erzählte, wie die Menschen dort versuchen, zu einer Art Normalität zurück zu finden und viele nicht bereit sind, von dort weg zu ziehen. Es gibt sogar Freiwillige, die ihren Garten zu Verfügung stellen, um kontaminierte Erde zu lagern, denn die oberste Erdschicht wird um den Unglücksort herum mehrere Meter tief abgetragen und irgendwo muss das Zeug dann hin.

Später wollten wir uns noch eine slowakische Party suchen, aber alles, was wir in der Altstadt fanden, war komplett mit Touris verseucht. Darauf hatten wir alle keinen Bock, also zogen wir irgendwann ins Hostel zurück.

Heute Morgen packten wir unsere Sachen, um uns mit dem Schnauferle auf den Weg in die Hohe Tatra zu machen. Johannes hatte das Gefährt auf einem Parkplatz in der Altstadt geparkt und war der Meinung, das Ticket würde 1,50 Euro am Tag kosten. Leider hatte er übersehen, dass der Preis nicht für den ganzen Tag, sonder pro angefangene 30 Minuten galt. So klappte mir fast die Kinnlade runter, als ich am Automaten bezahlen wollte und dieser 52,50 Euro anzeigte. Die Ausfahrt war mit einer Schranke geschlossen, die sich keinen Millimeter bewegte, so lange wir nicht löhnten.

Der Parkplatz war mit Betonpollern umgeben, so dass eine alternative Ausfahrt nicht in Frage zu kommen schien. Doch glücklicherweise entdeckte Johannes eine Lücke, die gerade groß genug für das Schnauferle war. Wir schienen unbeobachtet zu sein, also sprangen wir ins Auto, gaben Gas und flüchteten unerkannt.

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