Angekommen in Izmir




 
Heute Morgen sind wir in aller Herrgottsfrühe aufgestanden, um die erste Fähre aufs Festland um 9 Uhr zu bekommen. Zum Glück gab’s direkt einen Anschlussbus nach Canakkale und von dort aus einen weiteren nach Izmir. Mit dem waren wir 6 Stunden unterwegs, unterwegs suchten wir uns aus dem Lonely Planet ein günstiges Hotel namens „Hikmet“ raus.

Lustige Geschichte zwischendurch: Stephanie wollte im Bus den Vorhang vor’s Fenster ziehen, weil die Sonne blendete. Doch der bewegte sich kein Stück. Ich schaute mir die Konstruktion näher an und sah, dass dieser Vorhang nicht für unseren Platz gedacht war, er ließ sich nur zur anderen Seite hin schließen. Doch Stephanie behauptete felsenfest, dass er vorhin noch vor unserem Fenster hing. Ich zeigte ihr die Blockierung, die in der Führungsschiene angebracht war um sie zu überzeugen, dass das nicht möglich war. Doch sie wollte gar nicht hinschauen und beharrte weiter auf ihrer Meinung. Immer fester riss sie am Vorhang und ich fragte mich, ob der Steward irgendwann mal einschreiten würde. Die Diskussion endete fast in einem Beziehungsstreit, als Stephanie plötzlich des Rätsels Lösung erkannte: Der vor uns sitzende Typ hatte unseren Vorhang zu sich gezogen, dieser hing vorher noch bei uns und verschloss daher unser Fenster. :) Der Frieden war nun wieder hergestellt und wir fuhren erleichtert in Izmir ein.

Der Busbahnhof dort ist riesig, wir standen etwas verloren herum und wussten nur so ungefähr, in welche Ecke der Stadt wir mussten. Wir fragten den Fahrer eines Stadtbusses nach der Richtung. Der fackelte nicht groß herum, schnappte unsere Rucksäcke und schob uns in den Bus. Lustigerweise jagte er einen Mann von seinem Sitzplatz hoch, um uns dort zu platzieren. :)

Izmir ist echt ’ne große Stadt, wir fuhren ewig lang durch Häuserschluchten. Plötzlich field mir auf, dass mein kleiner Rucksack fehlte. Ich fragte Stephanie, ob sie ihn gesehn hatte, aber hatte sie nicht. Mir entglitten die Gesichtszüge, denn da war mein Reisepass drin! Stephanie sagte, ich solle nochmal vorne im Bus schauen. Wie in Trance stand ich auf, vor meinem geistigen Auge sah ich uns schon zurück nach Istanbul fahren um bei der deutschen Botschaft einen neuen Pass zu organisieren. Ich war mir sicher, den Rucksack am Busbahnhof stehen gelassen zu haben. Doch das Wunder geschah: Der Rucksack lag vorne auf einem Sitzplatz, auf dem wir nach dem Einsteigen kurz gesessen hatten, was ich in der Hektik aber völlig verpeilt hatte. Mir fiel sowas von ein Stein vom Herzen, selten zuvor hatte ich einen solchen Glücksmoment. Die türkischen Mitfahrenden hatten das alles gesehen und schauten mich erleichtert an. Das ist echtes Mitgefühl. :)

Eine Weile später hielt der Bus und der Fahrer meinte, wir wären an unserem Ziel. Doch wir hatten keine Ahnung, in welche Richtung wir laufen mussten. Nachdem uns ein paar Türken aufgrund mangelnder Englischkenntnisse nicht viel weiter brachten, quatschte uns ein jüngerer Kerl an und fragte, ob er helfe könne. Wir zeigten ihm im Lonely Planet, wo wir hin wollten, er meinte, wir sollten einfach mit ihm laufen, er könne uns den Weg zeigen.

Der Typ war echt nett, es stellte sich heraus, dass er uns schon von weitem gesehen und extra die Straßenseite gewechselt hatte, um uns zu helfen. Er lief tatsächlich einen Kilometer mit uns mit, um uns den Weg zu zeigen. Unterwegs bot er sogar noch an, bei ihm zu übernachten, aber das war mir dann doch etwas zu suspekt, wir bedankten und verabschiedeten uns.

Das Hikmet Hotel sollte in der Straße „Sokak 26“ liegen. Dort angekommen sahen wir aber nur ein Abrisshaus. Scheiße, gab es das Hotel vielleicht nicht mehr? Wir fragten einen Türken, ob er das Hotel kenne. Er gab uns zu verstehen, dass wir mit ihm mitkommen sollten und führte uns in ein Cafe. Dort fragte er einige Freunde, ob sie den Weg wüssten. Sofort sprangen alle auf und versuchten uns zu helfen. Einer von ihnen konnte deutsch und hatte – natürlich – mal für eine Weile in Deutschland gelebt. Plötzlich wurde wir von 5 Männern eskortiert, damit wir den Weg auf jeden Fall finden würden. Drei Straßen weiter entdeckten wir schließlich das Hotel, man bot uns noch an, bei der Übersetzung zu helfen. Das wollten wir aber schon alleine hinbekommen, also bedankten und verabschiedeten wir uns.

Das Zimmer war nichts besonderes, aber für 50 Lira (25 Euro) zu zweit war es ok. Wir fragten an der Rezeption, ob es in der Nähe eine Wäscherei geben würde, denn inzwischen hatten wir kaum mehr eine saubere Unterhose. Mittlerweile war ich kein bisschen überrascht mehr, dass uns jemand sofort zu Fuß zur Wäscherei führte. :) Unterwegs wunderte ich mich, dass scheinbar jede Straße „Sokak“ hieß. Dann wurde mir plötzlch klar, warum wir das Hotel nicht gefunden hatten: „Sokak“ heißt Straße und die Straßen sind durchnummeriert. Hikmet befand sich in der „945 Sokak“, der davorstehenden Nummer hatte ich vorher keinerlei Beachtung geschenkt. :)

Das Viertel, in dem wir wohnen, scheint ziemlich urig zu sein. Ist wohl etwas ärmer, dafür versprüht es wunderschönes türkisches Flair. Ältere Männer sitzen in Cafes, am Straßenrand werden Früchte, Nüsse und Döner verkauft. Gleich machen wir uns auf den Weg zum Wasser, mal sehen, ob wir den Sonnenuntergang noch schaffen.

Die Odyssee zur Insel




 
Das war mal ’ne Nacht. Bequemes Doppelbett und ein eigenes Bad mit Dusche, herrlich! Und nach dem Aufstehen gab’s ein Frühstücksbüffet mit Panoramablick über Tekirdag. Viel länger wollten wir uns aber auch nicht in diesem Örtchen aufhalten, denn unser Ziel war nach wie vor Bozcaada, die kleine Insel im Mittelmeer. Wir wussten, dass vom Örtchen Geyikli aus in der Nähe von Canakkale eine Fähre zur Insel fährt, also brauchten wir einen Bus dorthin.

An der Hotelrezeption sagte man uns, dass wir uns einfach an die Straße stellen könnten und einen Minibus anhalten. Ansonsten gab es in der Nähe auch noch ein Büro vom Busunternehmen „Truva“, das dorthin fuhr. Uns erschien das bisschen sicherer, also schwangen wir uns zum Büro und fragten nach einem Ticket. Der nächste Bus fuhr in ein paar Minuten, doch leider war schon alles ausgebucht. Kein Problem, dann stellen wir uns halt an die Straße dachten wir. Dort kamen wirklich im Minutentakt Minibusse zu allen möglichen Orten vorbei, aber leider keiner nach Canakkale. Egal, das ist Travelling, dachte ich und kam mir so einigermaßen abenteuerlich dabei vor. Doch als nach ’ner halben Stunde immer noch weit und breit nichts von Canakkale-Bussen zu sehen war, wurde ich langsam unruhig. Inzwischen war es nach 12 und ich hatte gelesen, dass die letzte Fähre nach Bozcaada um 19 Uhr fahren würde.

Außer Truva gab es noch das Busunternehmen „Metro“, wir beschlossen, dort mal nach einem Bus zu fragen. Doch nach einigen Schritten wurde uns klar, dass unser Timing bisschen daneben war, denn der Metro Canakkale-Bus fuhr genau in diesem Augenblick an uns vorbei. Auch wilde Winkzeichen brachten ihn nicht zum stehen. Ok, dann nochmal bei Truva nach dem nächsten Bus fragen. Die Ernüchterung folgte prompt: Vor 16 Uhr sei nichts mehr frei, erfuhren wir.

So ein Scheiß, unsere Stimmung sackte zusehends ab. Zu allem Überfluss kam nun noch der nächste Canakkale-Bus von Truva, von dem wir ja wussten, dass er ausgebucht war. Stephanie meinte, wir sollten doch mal fragen, ob nicht doch noch zwei Plätzchen frei wären. Was sollte das bringen, fragte ich mich. Aber um die Frau zufrieden zu stellen, fragte ich einfach nochmal. Die beiden Stewards warfen sich ein paar türkische Sätze um die Ohren, dann schnappten sie plötzlich unsere Rucksäcke und warfen sie ins Gepäckfach. Wie? Das war doch zu schön um wahr zu sein! Wirklich noch was frei?

Plötzlich gestikulierte der Busfahrer wild umher und erhob offensichtlich energischen Einspruch. Unser Glück schien wieder auf der Kippe zu stehen, doch nach einigen unverständlichen Satzfetzen schob uns der Steward in den Bus hinein. Jetzt wurde mir die ganze Situation auch etwas klarer: Für mich wurde ein Kissen vorne in den Gang gelegt, auf dem ich sitzen sollte, Stephanie bekam den Platz vorne rechts neben dem Fahrer, auf dem normalerweise ein Reiseleiter sitzt. Die kuschlig nahe Gesellschaft war anscheinend das, was dem Fahrer missfiel. Doch er hatte sich wieder beruhigt, wir saßen und er fuhr los. Wir hatten auf jeden Fall den Logenplatz mit perfekter Aussicht! Die Fahrt dauerte so 4 Stunden und die Landschaft war herrlich. Berge, Natur, kleine Dörfer und immer mal wieder ein Stück Meer.

In Canakkale angekommen mussten wir so schnell wie möglich einen Minibus nach Geyikli bekommen, um rechtzeitig an der Fähre zu sein. Den fanden wir zum Glück auch gleich, nach einer Dreiviertelstunde waren wir bereit für die Überfahrt. Alles in allem war’s nun doch ganz chillig und wir hatten noch eine Stunde Zeit, die wir mit einem Bierchen mit Meerblick herumbrachten.

Auf der Fähre konnten wir den Sonnenuntergang genießen. Bozcaada ist ein bekanntes Weinanbaugebiet und in Hörweite von uns philosophierten drei Deutsche in mittlerem Alter über die edelsten Tropfen. Ich kam mit einem von ihnen ins Gespräch, er arbeitete als Vertreter für einen Weinproduzenten. Ich fragte ihn nach günstigen Unterkünften auf Bozcaada, denn ich hatte gehört, dass die Zimmerpreise in der Saison astronomische Höhen erreichen könnten. Doch die Saison war gerade vorbei, die Zimmer sollten also wieder bezahlbar sein. Er empfahl, auf einen Typen namens Ersin am Hafen zu achten, der passte jede Fähre ab und bot den ankommenden Reisenden günstige Zimmer an. Wir liefen auch direkt in seine Arme und ließen uns seine Gemächer zeigen. Nach einigem Verhandlungsgeschick bekamen wir ein kleines, gemütliches Doppelzimmer mit eigenem Bad für 40 Lira (20 Euro) pro Nacht.

Auf der Insel ist es nun schon dunkel und wir haben noch nicht allzu viel gesehen, aber die Stimmung ist recht gechillt. Am Hafen gibt’s gemütliche Restaurants mit Tischen am Wasser, da werd ich die Stephanie morgen mal zu ’nem Glas bozcaadischem Wein ausführen. Heute werden wir uns noch ein paar Dosen Efes kaufen und am Meer rumchillen.

Kein Bett in Los Cristianos




 
Eigentlich hatten wir uns das so vorgestellt: Heute nachmittag mit dem Bus nach Los Cristianos runter fahren, dort ein Zimmerchen nehmen, feiern gehn und hübsche Touristinnen kennen lernen. Los Cristianos ist eine so gut wie reine Hotelstadt im Süden von Teneriffa, für ’nen Tag können wir uns das aber ruhig mal geben, dachten wir.

Nachdem wir von La Laguna aus aber alle günstigen Unterkünfte durchtelefoniert hatten, die der Reiseführer so ausgespuckt hat und alle belegt waren, mussten wir spontan umdisponieren. Da kam mir auf einmal die Weltidee: Scheiß auf Los Cristianos, wir könnten von dort aus direkt mit der Fähre weiter fahren und schon abends auf La Gomera aufschlagen. Johannes war einverstanden, also ab ins Internet und Fähren gecheckt. Das günstige Naviera Armas Schiff fuhr leider heute nicht mehr, aber die Schnellfähre Fred Olsen hatte um 19:30 Uhr eine letzte Überfahrt, das passte. Und mit Fred Olsen wollten wir auch die ganze Zeit schonmal fahren, allein schon wegen des coolen Namens.

Als wir mit dem Bus in Los Cristianos ankamen, hatten wir noch zwei Stündchen Zeit. Wir schlenderten bisschen rum und ich war froh, dass wir hier nicht länger bleiben würden. Es war wirklich eine totale Bunkerstadt aus Betonklötzen und englischen Pauschaltouristen, an der mich wirklich rein gar nichts kickte. Der Strand war ganz nett, aber das war’s dann auch. Wir suchten ’ne ganze Weile nach was zu essen, so lange, bis die Zeit zu knapp war, in ein Restaurant zu gehen. Also endeten wir mit ’nem Burger King Burger auf der Strandpromenade und schauten uns den Sonnenuntergang an. :)

Fred Olsen’s Schnellfähre machte ihrem Namen dann alle Ehre. Man konnte auf’s offene Deck gehen und sich bei 80 km/h Geschwindigkeit vom Gegenwind liften lassen, herrlich. :) Nach 45 Minuten schlugen wir in San Sebastian auf, der Hauptsadt von La Gomera. Allerdings darf man sich die mit ihren 8000 Einwohnern nicht allzu gigantisch vorstellen. Die Insel scheint ziemlich gechillt zu sein, diesen Vibe hab ich auf jeden Fall sofort bekommen.

Gerade haben wir in einer günstigen Absteige eingecheckt, das erste Zimmer, das man uns andrehen wollte, stank bestialisch nach faulen Eiern. Am Anfang unterstellte ich der Hostelmitarbeiterin, die direkt vor mir lief, die Verursacherin der Abgase zu sein, bald merkte ich aber, dass es aus dem Ausguss des Waschbeckens kam.

Ich fragte nach einem anderen Zimmer, allerdings waren nur noch welche mit Ehebetten frei. Egal, alles war besser als dieser Gestank, jetzt bin ich mit Johannes in einem kuschligen 1,40-Meter-Bett gelandet. Lange werden wir hier aber sowieso nicht bleiben, denn morgen geht’s weiter ins Valle Gran Rey zur Schweinebucht. Dort sind in den 60er Jahren die ausgestiegenen Hippies hängen geblieben, Johannes erzählt schon seit Tagen von nichts anderem. Ich bin gespannt. :)

Festgesessen auf Gran Canaria




 
Bis jetzt ist das Glück nicht gerade auf unserer Seite. Die Fähre nach Teneriffa ist uns vor der Nase davon gefahren, weil sich die Abfahrtszeiten geändert hatten. Jetzt sitzen wir hier erstmal für eine weitere Nacht fest, morgen früh um 8 Uhr fährt die nächste. Wir haben für die Nacht im Falow eingecheckt, wo man uns tobend und wutschnaubend empfing. Ein eigenartiges Männlein an der Rezeption fluchte auf spanisch: „Meine Frau hat die ganze Nacht auf euch gewartet und kein Auge zu getan, sie wird euch die Kehle durchschneiden!“ Das konnte nun wirklich keiner ahnen, wir entschuldigten uns, aber das Männlein schimpfte weiter, unterstützt von Arschtrittgesten und Andeutungen, dass seine Frau uns erwürgen würde.

Schließlich gab er uns aber doch ein Zimmer. Ich war froh, dass er uns nicht rausschmiss, Johannes aber hatte den Mut zu fragen, was aus unserer 3-Euro Anzahlung geworden ist. „No Commission!“ polterte er und schimpfte wieder von vorn los. Wir flüchteten in unser Zimmer, nach fünf Minuten klopfte das Männchen an. Was könnte er jetzt noch wollen? „No Commission, no Commission!“ musste er anscheinend nur nochmal los werden. Ich sagte jaja, machte die Tür zu und hoffte, dass wir seiner Frau nicht begegnen würden.

Tagsüber streunten wir bisschen durch Las Palmas. Es ist ein recht gechilltes Städtchen mit ’ner schönen Altstadt und kaum von Touristen verseucht. Wir latschten etwas am Strand umher und freuten uns, nicht mehr im kalten, grauen Berlin zu sein. Abends fanden wir ein Restaurant namens Büffet-King, wo man sich für 6,50 Euro All-you-can-eat reinfahren konnte. Ordentlich Völlerei im guten, alten Südamerika-Style, das brauchte ich.

Wir aßen, bis wir nicht mehr geradeaus gehen konnten und kippten uns ein paar Bierchen hinter die Binde. Dann beobachteten wir die anderen Gäste, All-you-can-eat-Restaurants haben ja irgendwie immer ein ganz eigenes Klientel. Ein Typ am Nachbartisch war der Hit, vielleicht 65 Jahre alt, allein essend bis wirklich kurz vorm Brechreiz. Er hatte schon Mühe, die Happen überhaupt noch in den Mund zu kriegen, drückte sie aber tapfer immer wieder mit der Muskelkraft seiner Hand hinein. Spontandiagnose: Depressiver Frustfresser.

Jetzt packen wir uns gleich mal ins Bett, denn morgen früh geht’s um 8 Uhr auf die Fähre, die wir auf keinen Fall verpassen sollten.

Landung auf Gran Canaria




 
Um 2:00 Uhr nachts landeten wir schließlich in Las Palmas de Gran Canaria. Ein Bus brachte uns ins Zentrum, aber noch ein ganzes Stück von unserem reservierten Zimmer im Falow entfernt. Die Stadt war wie ausgestorben und wir standen mit unseren Rucksäcken ein bisschen verloren auf der Straße herum. Wir klapperten die Gegend nach günstigen Zimmern ab, aber es war nichts zu finden.

Also was tun? Mit ’nem Taxi zum Falow fahren, wo wahrscheinlich sowieso niemand da wäre? Wir waren auch einigermaßen durch und wollten nur noch ein Bett… da erschien dieses 3-Sterne-Hotel plötzlich vor uns. 72 Euro für ein Doppelzimmer war natürlich ziemlich dicke, aber egal, das kostete es nun mal, Hauptsache ein Bett und ein Dach über’m Kopf. Also eingecheckt und hingehauen.

Unsere Investition wurde am Morgen mit einem grandiosen Frühstücksbüffet belohnt, wir schlemmten in der oberen Etage mit Meerblick und freuten uns auf die kommenden zwei Wochen. Wir wollen jetzt so schnell wie möglich mit der Fähre nach Teneriffa rüber und irgendwann weiter nach La Gomera. Auf Gran Canaria haben wir auf diesem Trip eigentlich nicht viel verloren. Die Hostelfrau hat uns die Abfahrtszeiten der Fähre gegeben, um 16:00 Uhr startet unser Schiff.

30 Stunden Busfahrt nach Feuerland




 
30 Stunden Busterror sind endlich vorbei und ich bin zusammen mit Paul in Feuerland gelandet. Man hat’s uns echt nicht einfach gemacht. Sind ja sowieso zwei Tage später gestartet als geplant, weil wir vorher keine Verbindung bekommen haben.

Unser erster Bus sollte uns in 18 Stunden nach Rio Gallegos bringen. Einen weiteren hatten wir gebucht, der uns dort aus nach Ushuaia in Feuerland fuhr. Das Zeitfenster zum Umsteigen war eine sportliche halbe Stunde, haben uns aber sagen lassen, dass das klappt.

Wir fuhren Stunde um Stunde durch die Pampa. Nichts als Gras und Büsche bis zum Horizont, kein Haus, kein Baum, einfach nichts. Schlafen ging nicht wirklich, also verbrachten wir die meiste Zeit damit, vor uns hinzudösen. Nach ewigen 18 Stunden war noch immer kein Ende in Sicht. Die Zeit wurde knapp, unser Anschlussbus sollte um 8 fahren und es war viertel vor 8. Wir sahen ein Straßenschild: Rio Gallegos 18 km. Könnte gerade noch so klappen.

Doch plötzlich stoppte ein Police-Officer den Bus und wollte aus irgendeinem Grund alle Pässe sehen. Er fing an, in aller Seelenruhe die Daten aller Reisenden zu notieren. 20 Minuten vergingen. Das war’s, dachten wir. Gestrandet in Rio Gallegos, wo es nichts, aber auch gar nichts zu tun oder zu sehen gibt.

Halb 9 kamen wir an, doch wie durch ein Wunder stand der Bus nach Feuerland noch im Terminal. Doch dann der nächste Schock. Irgendwie hatte das Ausdrucken der im Internet gebuchten Tickets nicht richtig geklappt und auf Pauls Ticket stand auch mein Name und meine Daten. Wir sprinteten zum Schalter und versuchten unser Problem und unsere Zeitnot zu erklären, aber der freundliche Mitarbeiter dort war die Ruhe in Person und jeglicher Versuch sein Arbeitstempo zu beschleunigen scheiterte. Irgendwie hat dann alles doch noch hingehauen, das Ticket wurde umgeschrieben und wir saßen im Bus nach Feuerland. Wir waren am Ende unserer Kräfte, aber glücklich.

Doch aus unserem wohlverdienten Schlaf wurde immer noch nichts. Auf dem Weg nach Feuerland muss man ca. 30 km durch chilenisches Gebiet fahren. Tausende Touristen passieren diese Strecke, doch statt eine einfache Lösung zu finden ist das ein höchst bürokratischer Akt: Beim argentinischen Zoll anstellen, um den Auswanderungsstempel zu bekommen, beim chilenischen, um einzuwandern, kurz weiter fahren, Ausweise aus unerfindlichen Gründen nochmal von einem neuen Officer überprüfen lassen, wieder weiter fahren, umständlich aus Chile auswandern, nochmal anstellen um in Argentinien wieder einzuwandern. Das ist insgesamt eine Angelegenheit von ca. 3 Stunden. Ich wurde den Eindruck nicht los, das ganze Schlangestehen dient nur dem Zweck, die in der Zollstation angebotenen Snacks und Drinks zu verkaufen. Lustig: Im Hintergrund spielte ein kleiner Junge am Zollcomputer sehr engagiert Pacman. :)

Schwer gezeichnet - Fähre nach Feuerland

Danach war es aber fast geschafft: Es ging mit dem Bus auf die Fähre nach Feuerland. Nach weiteren 5 Stunden Busfahrt kamen wir ziemlich angeschlagen in Ushuaia an. Dort hatten wir uns mit unserem Kumpel Paul im Hostel verabredeten und trafen ihn wieder. Nach einigen Bieren tranken wir noch ein paar und fielen irgendwann in unseren verdienten Schönheitsschlaf.