Stephanies-rote-Flatschen

Bangkok und die nächste Krankheit



Der Flohverdacht gestern rührte daher, dass Stephanie rote Flecken auf ihren Schultern bekam, nachdem sie sich auf das Bett in unserem ersten Bangkoker Zimmer gelegt hatte. Nachdem wir im gleichen Guesthouse in ein anderes Zimmer umgezogen waren, schien es nicht mehr schlimmer zu werden. Doch als wir heute Morgen aufwachten, waren es definitiv mehr Punkte als gestern Abend, sie zogen sich über den halben Arm und auch im Gesicht tauchten welche auf. Wir rätselten, was das sein könnte und vermuteten, dass es eine Allergie war.

Wir beschlossen, das im Auge zu behalten und machten uns auf den Weg, die Stadt ein bisschen anzuschauen. Wir waren bereit, gleich morgens zu sündigen und frühstückten bei McDonalds. Dort bemerkten wir plötzlich, wie neue rote Flecken auf Stephanies Arm entstanden. Sie sahen aus wie kleine Mückenstiche, aber man konnte zuschauen, wie sie sich vermehrten. Das war nicht gut, ich kam plötzlich auf die Idee, dass es irgendwas mit der Klimaanlage zu tun haben könnte, denn McDonalds war auf Kühlschranktemperatur heruntergekühlt und gestern im Guesthouse lag Stephanie die ganze Zeit direkt unter der Klimaanlage. Vielleicht werden die Dinger mit einem Reinigungsmittel gereinigt, auf dass sie allergisch ist? Viel mehr, als das im Auge zu behalten, konnten wir nicht tun.

Unser nächstes Ziel war der Wat Phra Kaew Palast, wir ließen uns mit einem Tuk Tuk, einer Art Moped auf drei Rädern mit Rücksitzbank, dorthin bringen. Wat Phra Kaew ist der frühere Königspalast, inzwischen wird er aber nur noch für spezielle Zeremonien verwendet. Die Anlage ist wirklich gigantisch, goldüberzogene Türmchen sind mit unzähligen Mosaiken verziehrt und strahlen einen im Sonnenlicht an. Betreten kann man nur eines der Gebäude, dort ist der Smsragdbuddha ausgestellt. Er wird von Buddhisten zutiefst verehrt, wir sahen, wie ihn die Menschen um uns herum ehrfürchtig anbeteten. Außerdem wurden die Füße stehts so gedreht, dass sie nie in Richtung des Buddhas zeigten, was als respektlos gelten würde. Nur die westlichen Touris fletzten sich mit nach vorne gestreckten Beinen auf den Boden. Danach schauten wir in Bangkoks ältestem Tempel Wat Pho vorbei. Dort befindet sich der größte liegende Buddha Thailands, er ist 46 Meter lang und 15 Meter hoch.

Inzwischen bildeten sich auch auf Stephanies Beinen rote Flecken. Ich machte mir langsam echt Sorgen um sie, da sah ich, dass auf meinem linken Bein drei kleine rote Flecken zu sehen waren, die langsam anfingen zu jucken. Herr im Himmel, das kann doch nicht sein, dachte ich. Die Allergietheorie schied damit aus, was hatten wir noch gemeinsam gemacht? Wir waren vor zwei Tagen zusammen im Dschungel. Es ratterte in meinem Kopf, ich wälzte den Lonely Planet und las etwas von Parasiten namens “Kutane Hautlarven”, die beim Barfußlaufen durch die Füße in den Körper gelangen können. Wir sind im Dschungel beide ein Stück ohne Schuhe gelaufen. Ich war mir sicher, dass es irgendwas in diese Richtung sein musste und fing an, mir echt Sorgen zu machen. Panik war aber noch nicht angebracht, erst mal weiter beobachten.

Wir stiegen in ein Passagierschiff, das als eine Art Metrolinie auf dem Fluss “Mae Nam Chao Phraya” dient, der durch die Stadt führt. Dann fuhren wir weiter ins Zentrum, wo ein Wolkenkratzer neben dem anderen steht. Wir gingen bisschen shoppen im Einkaufszentrum und sahen eine Welt, die sich vom bisher gesehenen Thailand doch stark unterschied. Gutbetuchte, junge Leute streunten durch die Geschäfte und gaben viel Geld für Markenware aus, die ausnahmsweise auch noch nicht gefälscht war. Eigentlich sieht sowas in jedem Land ähnlich aus, ich fand bisschen schade, dass es so wenig thailändisches Flair verströmte.

Danach ließen wir uns von einem Tuk Tuk nach Chinatown bringen. Dort geht es wirklich quirlig zu und auf der Straße wird so ziemlich alles verkauft, was man sich so vorstellen kann. Stephanie kaufte ein paar Stoffe, dann ging’s per Tuk Tuk zurück ins Hotel. Ich liebe Tuk Tuk fahren, man sitzt mit der Nase fast in Auspuffhöhe der Autos und bekommt die Schroffheit der Straße hautnah mit.

Zurück im Guesthouse begutachteten wir unsere Wunden. Bei mir hat sich nicht mehr viel verändert, aber Stephanies rote Flecken hatten sich in große Flatschen verwandelt, die echt gefährlich aussahen. Unser Hotelbesitzer meinte, er hätte sowas schon bei vielen Gästen gesehen und es wäre relativ normal, wenn man aus dem Dschungel oder aus dem Norden käme, aber wir sollten doch mal zum Arzt um die Ecke gehen.

Das taten wir und fanden uns in einer Art Apotheke mit Hinterzimmer wieder, wo man einen Arzt für 100 Baht (2,50 Euro) konsultieren konnte. Der erzählte erst was von allergischer Reaktion und Nesselfieber, bis ich ihn auf meine immer noch sichtbaren Wanzennarben aufmerksam machte. Da meinte er plötzlich, dass das genauso aussehen würde. Tatsächlich waren Stephanies Punkte inzwischen zu so dicken Flatschen angeschwollen, dass kaum mehr ein Unterschied zu Wanzenbissen zu sehen war. Der Arzt empfahl eine Spritze, Steroidcreme und Antihistamin-Pillen, alles gleichzeitig. Wir machten uns kurz im Internet schlau und beschlossen, nur Antihistamine zu kaufen, falls der Juckreiz noch unerträglich wird. Ich hätte vor einer Woche auf Koh Lipe viel dafür gegeben, an sowas ranzukommen.

Wir hatten keine Ahnung, wo uns die Wanzen wieder erwischt hatten, aber sie schienen tatsächlich wieder die Übeltäter zu sein. Die letzte Nacht im Dschungel ist eigentlich zu lange her und die wenigen Minuten im Bett in Bangkok reichten eigentlich nicht, um die ersten Bisse auszulösen, ohne die Wanzen zu bemerken. Wir untersuchten unsere kompletten Klamotten zentimeterweise, aber konnten keine Wanzen finden. Schließlich wechselten wir sicherheitshalber das Guesthouse. Am plausibelsten erscheint mir, dass damit irgendwas nicht stimmt.

Zum Abendessen sind wir auf der Khao San gelandet, der sogenannten Backpackerstraße von Bangkok. Die Stimmung ist aber eher wie am Ballermann, aus allen Ecken plärrt schlechte Musik und eine Bar versucht die andere zu übertönen. Unterwegs hat mir ein besoffener Engländer dann sogar Schläge angeboten, sowas kann ich auch auf Malle haben und muss dafür nicht nach Thailand fliegen.

Jetzt sind wir in einem süßen Holzhaus um die Ecke gelandet, das mit uralten Möbeln ausgestattet ist. Hat zwar keine Klimaanlage, aber dafür hoffentlich wanzenfreie Betten.

3 Gedanken zu „Bangkok und die nächste Krankheit“

  1. Hallo, ihr Lieben,

    freue mich über euer süßes Holzhaus und wünsche eine wanzenfreie Zeit und keine weitern Allergien. So langsam mach ich mir ja Sorgen, aber sehe auch und hoffe, ihr habts im Griff. Könnt ihr euch nicht mit abschreckenden Düften (Ätherische Öle, Knoblauch?) einreiben? Und bitte. gestattet mir noch den muttihaften Hinweis, daß mir Parasiten auch nicht zu spaßen ist, die Dinger kriegt man schwer wieder los.
    Dennoch und mit allem weiter einen schönen Urlaub, bekanntlich ist ja alles wies ist am Ende zu irgendwas gut.

    Ich umarme euch
    Mutti

  2. Na hoffentlich entpuppt sich das schöne Holzhaus zuguterletzt nicht als ein Hexenhaus….jedenfalls habe ich selten eine Reisereportage gelesen,,,,die sich so über immer wieder eingefangene Reisekrankheiten definiert….vielleicht noch bei Jack London….oder dem Südpolarforscher Scott….andererseits kann man so auch in die Untiefen eines Kontinents eintauchen….höchst interessant und lesenswert….dieses Abenteuer….ganz anders als das meiste….was ich je über das Asien des 21. Jahrhunderts gelesen habe….ich denke….eure Fangemeinde ist äußerst gespannt….was euch noch so im Weiteren begegnen wird….manno….nur die Stefanie bedaure ich….wie sie davon betroffen ist….aber sie ist tapfer und hält es mit dir an der Seite….erstaunlich gut durch….und nun wünsche ich euch noch weitere erkenntnisreiche Tage….und zum Schluß auch noch etwas asiatische Erholung….die Gelassenheit aus dem Wechselspiel zwischen Jing und Jang habt ihr ja wohl schon erreicht….
    Ich drücke euch….

  3. meine freundin hat seit heute früh rote dicke flecke am ganzen körper außer im gesicht musste sich im untericht die ganze zeit juken und das hört nicht mehr auf das sieht so ähnlich aus wie auf diesen bild
    PS: vieleicht hängt es davon ab das sie ihre hose seid montag bis freitag bei schnee und schneeregen an hatte

    habt ihr vileicht eine idee

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