Quad und Abgrund




 
In Baños bin ich gestern Nacht angekommen, ist ein süßer Ort in den Bergen, ziemlich touristisch, aber gechillt. Heute Morgen hatte ich noch zwei Stunden Zeit bis zum EM-Halbfinale. Gegenüber vom Hotel gab’s ’nen Quad-Verleih. Wie lange hatte ich schon davon geträumt, mal wieder mit ’nem Quad rumzupesen, das letzte Mal war vor 7 Jahren in der Wüste von Ägypten! Für 16 Dollar (10 Euro) bekam ich für zwei Stunden so ein Teil.

Start mit dem QuadSeilbahnAbgrundTal

Ich bekam eine sogenannte „Schulung“ im Quadfahren, die 30 Sekunden dauerte und darin bestand, mir Gas und Bremse zu zeigen. Angeblich ist die Hinterbremse sicherer als die Vorderbremse. Als ich los fuhr, merkte ich, warum. Die Vorderbremse funktionierte gar nicht, die Hinterbremse so halb. Egal, wer bremst hat eh verloren, ich düste los und hatte echt ’ne Menge Spaß. Das wichtigste Element zur Vorfahrtsregelung im südamerikanischen Straßenverkehr fehlte aber: die Hupe! Wer zuerst hupt, fährt normalerweise zuerst, aber wer zuerst Gas gibt, hat in der Regel auch Vorfahrt. :)

Der Typ vom Verleih hatte mir empfohlen, zum nahegelegenen Canyon zu fahren, wo’s ’ne lustige Seilbahn gibt. Ich kam dort an und wusste nicht so recht, ob ich mir den Spaß geben sollte. Das Teil heißt Canopy und funktioniert so: Man fährt mit ’ner Gondel an ’nem Stahlseil hängend 100 Meter über dem Abgrund auf die andere Seite, die ganze Technik sieht aus wie ’ne Eigenkonstruktion vom Betreiber. Gegenüber gibt’s ein anderes Seil, das schräg nach unten zurück führt. Dort bekommt man ’nen Klettergurt angeschnallt, wird mit ’nem Karabinerhaken ans Stahlseil gehängt und saust frei über dem Abgrund hängend zurück.

Schließlich hab ich mir ’nen Ruck gegeben und ab ging’s. War auf jeden Fall ein richtig fetter Adrenalinkick, 100 Meter Abgrund unter sich zu haben. Auf der anderen Seite hat mich ’ne Frau aufgefangen und festgehalten. Wenn sie mich nicht erwischt hätte, wäre ich zurück über den Abgrund gesaust und in der Mitte hängen geblieben, keine Ahnung, wie sie mich dann befreit hätten. Sie hat auch ein Foto von mir gemacht, wie ich mit angsterfülltem Gesicht am Seil hänge. Das hab ich aber leider nur ausgedruckt und nicht digital,deshalb kann ich’s hier nicht posten.

Danach hatte ich noch ’ne Stunde Zeit und bin mit dem Quad bisschen Offroad in ’nen Waldweg reingefahren. Alles in allem war’s ’ne schöne Einstimmung zum nächsten Adrenalinkick: Fußball!

Dschungeltrip – Tag 2




 
Heute Morgen ging ich zusammen mit zwei Amerikanern auf ’nen weiteren Dschungelmarsch. Es sollte zu ’nen kleinen Canyon gehen mit einem Führer namens Roberto. Er scheint keine Schamanenkräfte zu besitzen, denn gegen Pumas und Schlangen hatte er ’ne Machete dabei.

UrwaldFeuchter WegRoberto erklärt PflanzenCanyonBlick aus meinem ZimmerRoberto wirft das Netz aus“Kleiner Angelköder”Anakonda

Wir starteten im strömenden Regen mit echter Duschstärke. Nach ’ner Weile kamen wir am Canyon an. Durch das herunterprasselnde Wasser hatte sich der Canyonboden in einen kleinen Fluss verwandelt. Mit unseren Stiefeln kamen wir aber ganz gut vorwärts, ’ne ganze Weile achteten wir darauf, dass kein Wasser reinschwappte. Irgendwann wurde es aber so tief, dass nichts mehr half, wir standen knietief in der Soße. Ab da machte es eigentlich erst richtig Spaß, alles scheißegal, einfach gerade in die Suppe rein. Meine Kamera hatte ich dick in ’ne Plastiktüte gewickelt und traute mich nicht oft, sie rauszuholen, deshalb gibt’s leider nicht allzu spektakuläre Fotos.

Der Canyon wurde tiefer und dunkler und ganze Armeen von Fledermäusen flogen um uns herum. Mir war nicht so ganz wohl dabei, weil die gerne mal Tollwut haben und ich keinen Bock auf ’nen Zwischenstopp im Krankenhaus hatte. Am Ende des Canyons fragte Roberto uns, ob wir uns bisschen Geklettere zutrauen würden. Wir waren einverstanden und ab ging’s im Canyon nach oben. Das hat nun wirklich gekickt: Mit Händen und Arsch an der einen Wand und den Füßen an der gegenüberliegenden arbeiteten wir uns 6 Meter nach oben, bis wir schließlich rausklettern konnten. Das ist Südamerika! In Deutschland hätten 20 Paragraphen dafür gesorgt, dass dort so viele Seile und Sicherheitsnetze gehangen wären, dass einem schon vom Anblick der Spaß vergangen wäre. Es gab dann noch ein paar leichtere Kletterpartien, danach ging’s wieder zurück in Hotel.

Nachmittags bin ich mit Roberto zum Fluss angeln gegangen. Er hat mit ’nem selbstgebastelten Netz ein paar kleinere Köderfische gefangen, dann haben wir mit Sehne und Haken unser Glück probiert. War aber ein schlechter Tag, kein einziger hat angebissen. Roberto meinte, mit ’nem dicken Köder könne man manchmal zwei Meter lange Fische fangen.

Abends im Hotel kam plötzlich ein Mitarbeiter mit ’ner Anakonda vorbei, die er draußen gefangen hatte. Die sind nicht giftig aber sehen echt spektakulär aus, es gab ’ne schöne Runde Fotosession. Danach ging’s mit Mr. Increíble zurück nach Tena. Von hier aus werd ich gleich ’nen Bus nach Baños nehmen, wo ich mir morgen schön das EM-Halbfinale Deutschland-Türkei geben werde.

Dschungeltrip – Tag 1




 
Heute Morgen ging’s los in den Dschungel. Der Agenturbesitzer, bei dem ich die Tour gebucht hatte, fuhr mich mit ’nem Pick-up eine Stunde in ein kleines Quichuadorf, Quichua sind die Ureinwohner von Equador. Ich fand den Fahrer echt lustig, die ganze Fahrt über pries er die Vorzüge von Equador an, allerdings so staubtrocken ohne die Mundwinkel zu verziehen, dass es zum totlachen war. Nach jedem zweiten Satz fügte er ein „Es increíble!“ (Es ist unglaublich!) dazu. „In Equador gibt es eine vielfältigere Natur als in ganz Europa, es increíble!“ „Das Wetter im Dschungel ist nicht vorhersagbar, es increíble!“

Enrices HausDichter DschungelDschungel und FlussKlettern im WasserfallWasserfallMassage extremLaufende PalmeMagic MushroomsTarzan-StyleEnrice macht ein Fischernetz

Im Quichuaort wurde mir mein Führer Enrice vorgestellt. Er lebt schon sein ganzes Leben lang im Dschungel, jagt und fischt dort und betätigt sich hin und wieder als Schamane. Wir zogen los auf einen dreistündigen Marsch. Zuerst liefen wir ’ne ganze Weile in ’nem kleinen Fluss einen Berg hoch. Enrice kannte und zeigte mir alle möglichen Pflanzen. Zum Beispiel die Mimose, die sich bei Berührung schlagartig zusammenzieht. Oder die „Laufende Palme“, die auf pyramidenfömigen Wurzeln in der Luft steht und sich pro Jahr ca. einen Meter bewegt, weil Wurzeln sterben und neue in ander Richtungen wachsen. Besonders interessant fand ich eine Pflanze, die mit einem Käfer gemischt und pulverisiert ein Wundermittel namens „Sigame, sigame“ („Folge mir, folge mir“) ergibt. Es ist in Equador sehr beliebt, man reibt sich damit ein und flüstert „Sigame, sigame“ in Richtung einer Frau. 20 Minuten später wird sie wie von Zauberhand zu einem kommen, das Mittelchen wird gerne in Bars und Discos eingesetzt. Enrice ist überzeugt, dass es funktioniert. Ich versuch mal bisschen davon zu kaufen und nach Deutschland mitzubringen. :)

Wir kamen an insgesamt drei Wasserfällen vorbei. Was ich allerdings vorher nicht wusste, war, dass wir im zweiten hochklettern mussten, ca. fünf Meter im deftigen Strom an einem glitschigen Felsen entlang. Es gab ein Seil, aber trotzdem ging mir ganz schön die Pumpe, erst recht, als Enrice mir sagte, dass hier gerne mal jemand ’nen Abgang macht. Von oben bis unten nass kam ich aber heil oben an.

Enrice erzählte mir, dass es in der Gegend tödliche Schlangen und Pumas gibt. Ich fragte ihn, ob er wenigstens ’ne Machete dabei hätte. Er meinte, als Schamane brauche er sowas nicht, er könne die Tiere mit einer Handbewegung fortschicken. So ein Schamanenleben scheint nicht das schlechteste zu sein: Enrice hat im Urwald vier Frauen, mit denen er ab und zu ein Schäferstündchen verbringt. Allerdings darf er das nur, wenn er als Schamane unterwegs ist und den ein oder anderen Reinigungszauber vollführt. Als so eine Art von Reiniger würde ich mich auch mal betätigen. :) Im Wald gibt’s auch rote Magic Mushrooms, die er hin und wieder mal konsumiert.

Am dritten Wasserfall gab’s schließlich Rückenmassage extrem. Enrice meinte, es vertreibt die schlechten Energien, wenn man sich drunter stellt. War auf jeden Fall ’ne deftige Packung, danach hatte ich ’nen feuerroten Rücken, bei dem Geprassel sollte auf jeden Fall keine schlechte Energie mehr zurück geblieben sein. :) Wir kletterten weiter den Hang hinauf und kamen an einer dicken, fetten Liane vorbei. Enrice fragte, ob ich mal Tarzan spielen will. Klar wollte ich, ich hing mich dran und schwang los. Ging ziemlich ab, am höchsten Punkt war ich bestimmt 10 Meter über der Erde. :)

Schließlich ging’s zurück ins Dorf und ich bekam Hühnchen und Reis zum Mittag. Nach der Hälfte fragte ich Enrice, ob das Hühnchen selber gezüchtet oder aus der Stadt sei. Er meinte, das sei gar kein Hühnchen, sondern Geier. Mir blieb der Bissen im Hals stecken. Ich hatte gerade ’nen Aasfresser im Maul? Aber eigentlich schmeckte er nicht schlecht. Neugierig fragte Enrice über den Geier aus, bis mir die Köchin nach ’ner halben Stunde verriet, dass das ’ne dicke, fette Verarsche war. :) Fast hätte ich’s geglaubt und ’ne dicke Story im Blog draus gemacht. Was im Urwald aber wirklich ’ne Spezialität ist, ist gegrillter Affe. Den jagt Enrice manchmal und isst ihn mit Touri-Gruppen zusammen.

Hab dann noch bisschen mit der Köchin gequatscht, sie hat mich über meine Reise ausgefragt und war superneugierig. Irgendwann hat sie mit traurigen Augen gesagt, dass sie es sich nie leisten können wird, andere Länder zu sehen. Muss schon irgendwie krass sein, sein Land voller Touris zu sehen und selber nicht mal genug Geld zu haben, das eigene Land zu erkunden. Die meisten Südamerikaner, die ich getroffen hab, waren noch nie in ihrem Leben im Ausland, nicht mal im südamerikanischen.

Nachmittags liefen wir zu einer Lagune und plantschten bisschen rum. Zurück ging’s im Fluss auf ’nem aufgeblasenen Truck-Schlauch. Wir fuhren direkt auf fette Stromschnellen zu, ich fragte Enrice, ob da Felsen wären. Ja, meinte er. Ich fragte, ob das nicht gefährlich sei. Ja klar, antwortete er. Dann ging’s direkt rein, wir fuhren in ’ne meterhohe Welle, überschlugen uns und landeten im eiskalten Fluss. Wir kletterte zurück in den Reifen und lachten uns tot, war ein Riesenkick! Der Rest des Flusses war dann relativ ruhig.

Abends wurde ich von meinem Fahrer mit dem Pick-up abgeholt. Vorher zeigte mir Enrice noch, wie er Fischernetze webt. Ist ’ne Riesenarbeit, er bastelt immer dran, wenn er Zeit hat und braucht drei Monate für eins. Wenn man durchgängig arbeitet, schafft man’s wohl in ’ner Woche. Er verkauft die Netze dann für 40 Dollar, nicht gerade viel für die Arbeit. Ich verabschiedete mich, gab ihm ein Trinkgeld und fuhr mit Mr. Increíble ins nahegelegene Shangrila, ein anderes Dschungeldorf. Dort gab’s ein supernettes Hotel, in dem ich ein Zimmer mit Blick über Wald und Fluss bekam, wunderschön. Ich traf einige andere Traveller, unter anderem ein amerikanisches Paar, das mit ’ner Spanischlehrerin im Rahmen eines Spanischkurses dort war. Wir haben den ganzen Abend spanisch gequatscht, das war super, um drinzubleiben. Ich hab schon seit Tagen kein englisches Wort mehr gesprochen und wollte auch noch nicht wieder damit anfangen.

Irgendwann landete ’ne riesige, fliegende Kakerlake auf der Spanischlehrerin, mit einem lauten Schrei machte sie alle darauf aufmerksam. Hab noch nie so ein fettes Viech gesehn, war bestimmt 10 cm lang. An kleine Kakerlaken hab ich mich ja schon gewöhnt, die sind in Equador wie die Fliegen unterwegs. Aber das Viech machte selbst mir bisschen Angst.

Morgen geht’s nochmal auf ’nen Dschungel-Trip und in ’nen Canyon, bin gespannt, was mich da so erwartet.

Start in den Dschungel




 
Ich hab heute Mittag ’nen Bus ins 6 Stunden von Quito entfernte Tena genommen. Von hier aus gibt’s Touren in den Dschungel und ich hab gleich eine für morgen gebucht. Um 8:15 Uhr geht’s los, zwei Tage in die Wildnis. Es gab auch ’ne 3-Tages-Tour, aber die konnte ich nicht nehmen, weil ich ja um das EM-Halbfinale am Mittwoch herumplanen muss. :)

Altstadt von Quito und Engel auf dem Berg




 
Nachdem die Mädels abgedüst sind, bin ich bisschen durch die Altstadt von Quito getingelt. Die wurde vor ein paar Jahren komplett restauriert und ist richtig schön anzusehen, voller Kolonialbauten, Kirchen und Kathedralen.

BasilikaKathedraleEngelsstatueQuito vom Hügel aus

Hier steht auch der Präsidentenpalast, in dem ich ’ne Führung mitgemacht hab. Die dafür zuständige Dame war aber furchtbar langweilig. Sie trug streng nach hinten gebundenes Harr, hatte nicht einen Hauch von Humor und mochte es überhaupt nicht, wenn man nicht mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache war. Ein Equaorianer wurde von ihr zurecht gewiesen, weil er lieber bisschen rumschaute, statt zuzuhören. Das fand ich extrem lustig und so lernten wir uns kennen.

Er hieß Ernesto, kam aus dem Süden von Equador und hat zwei Tage Urlaub in Quito gemacht. Nachdem wir die Führung überstanden hatten, schauten wir zusammen noch bisschen durch die Altstadt und fuhren schließlich auf den Hügel El Panecillo, auf dem ’ne riesige Engelsstatue steht. Im Gegensatz zu den vielen Jesussen auf südamerikanischen Hügeln fand ich die mal richtig schön. Sie steht nicht starr und bedrohlich da, sondern sieht aus wie mitten in der Bewegung.

Ernesto hat sich danach auf den Weg zum Bus nach Hause gemacht und für mich war der Tag auch vorbei. Heute Abend werd ich noch bisschen feiern gehn und morgen früh Richtung Dschungel in den Nordosten Ecuadors aufbrechen.

Quito von oben mit 5 Equadorianerinnen




 
Gestern bin ich wirklich mal früh im Bett gelandet, aber erst nachdem ich ’nen Flatrate-Grill mit 8 verschiedenen Fleischsorten leergefuttert hab. :) Deshalb hab ich’s heute aber endlich mal früh genug aus’m Bett geschafft, um mir Quito bei Tag anzuschauen. Zuerst bin ich zum telefériQo gefahren, ’ner Seilbahn, die einen von der 2800 Meter hoch gelegenen Stadt auf den 4100 Meter hohen Berg Cruz Loma bringt. Da oben war’s dann schon ganz schön frisch, aber man hatte ’nen guten Überblick über die Stadt. Hartgesottene laufen von dort aus zum 4700 hohen Rucu Pichincha, aber angesichts der Tatsache, dass ich vor drei Tagen noch auf Meereshöhe war, wurde mir die Luft dafür etwas zu dünn.

Seilbahn telefériQoNorden von QuitoSüden von QuitoFelix und 5 Equadorianerinnen

In die Seilbahnwaggons passen sechs Personen, auf dem Weg nach unten hatte ich das Glück, mit fünf 19jährigen Equadoriannerinnen in einem zu landen. Sie waren Medizinstudentinnen aus ’ner Stadt drei Stunden südlich von hier und machten ’nen kleinen Samstagsausflug nach Quito. Ich quatschte bisschen mit ihnen und nach fast jedem Satz, den ich sagte, erschallte aus fünf Mündern gleichzeitig ein erstauntes „Aaahhhh!“. :)

Am unteren Ende der Seilbahn gibt’s ’nen kleinen Freizeitpark, die Mädels fragten mich, ob ich ’ne Runde Achterbahn mit ihnen fahren will. Klar wollte ich, das Teil hatte sogar ’nen kleinen Looping und es gab ein schönes Gekreische.

Das war aber noch gar nichts gegen das Spukhaus, das wir uns danach gaben. Das war gar nicht mal schlecht, ständig kamen aus irgendwelchen dunkeln Ecken Gestalten gesprungen und verbreiteten Grusel. Sowas ist zusammen mit fünf Mädels natürlich der Oberknaller, es gab ordentlich Gequietsche und eine von ihnen namens Marilu krallte sich die ganze Zeit an mir fest und ließ mich nicht mehr los. :)

Mit ihr hab ich dann ’ne ganze Weile gequatscht, war echt ’ne richtig süße und nette. Ich schlug vor, noch bisschen durch die Stadt zu latschen, Marilu war auch recht angetan von der Idee. Die anderen Mädels waren allerdings recht faul und nörgelten rum, nach ’ner Stunde beschlossen schließlich alle, wieder nach Hause zu fahren. War ’ne schöne Bekanntschaft auf jeden Fall. :)

Frauen und Fußball




 
Ziemlich verfeiert von gestern wachte ich heute um 1 Uhr nachmittags auf. Von Quito hab ich zwar immer noch nicht viel gesehn, zumindest nicht tagsüber, aber so richtig motiviert war ich nicht, mich halb angeschlagen durch die Stadt zu schleppen. Ein gechillter Fußballnachmittag mit dem Viertelfinale Kroatien gegen Türkei war da wesentlich reizvoller.

Aufgrund der gestrigen Partynacht landete ich mit zwei Frauen in der Fußballkneipe. Das war nicht wirklich mein Plan, ließ sich aber leider nicht verhindern. Und mal wieder hat sich gezeigt, dass Fußball gucken mit Frauen extrem anstrengend sein kann. Selbst wenn sie behaupten, interessiert zu sein, fangen sie doch bald an über völlig fußballfremde Themen zu quatschen, wollen im schlimmsten Fall auch noch Aufmerksamkeit und fragen schließlich, warum’s auf einmal ’ne Verlängerung gibt.

Ich versuchte mich so gut es ging auf’s Spiel zu konzentrieren und die Chicas quatschen zu lassen. Die Verlängerung war dann ja wohl der Oberhammer. Vor mir saß ein Kroate im Nationaltrikot, der das ganze Spiel über fast gestorben ist vor Aufregung. Beim 1:0 für Kroatien in der 119. Minute sprang er auf und feierte und feierte und feierte… bis zum Ausgleich der Türken in der 120. Minute. Sein Gesicht erstarrte in einer kurzen Sekunde der Fassungslosigkeit, dann nahm er sein Handy und zerschmetterte es vor Wut auf dem Betonboden. Dem Debakel der Kroaten im Elfmeterschießen schaute er dann nur noch regungslos zu, nach dem Ende rannen Tränen über sein Gesicht.

Ich werd mir heute Abend wohl ’nen Ruhigen machen, um morgen mal früh aus’m Bett zu kommen und was von Quito zu sehen. Vorher such ich mir aber noch ’nen gut beladenen Grill für ’ne schöne Runde Völlerei. :)

Wir werden Europameister!




 
Heute war alles EM. Zumindest für mich. :) Um 1 Uhr hab ich mich auf die Suche nach ’ner Kneipe mit Fernseher begeben, 45 Minuten später sollte das Viertelfinale gegen Portugal losgehn. Ein Typ vor ’nem mexikanischen Restaurant fragte, ob ich mexikanisches Essen mag. Ich meinte, viel lieber mag ich Fußball und fragte, ob es drinnen ’nen Fernseher gibt, wo ich EM gucken kann.

Er war einverstanden, ich ging rein und sah, dass im ganzen Restaurant fünf fette Bildschirme verteilt waren, die alle auf das gleiche Programm geschaltet waren. Für mich wurde zur EM umgeschaltet, nun lief auf allen fünf Screens Fußball und jeder musste mitgucken. Ich war als einziger wirklich mit dem Herzen bei der Sache, jubelte dreimal laut und wurde von allen Seiten lustig angeguckt. :)

Aber was für ein Spiel, Mann, Mann, Mann. Nach der Vorrunde hätte ich keinen Cent auf unsere Jungs verwettet. Aber schon in den ersten Minuten wurde mir klar, dass diesmal ’ne andere Mannschaft auf dem Platz steht als gegen Österreich. Schweini und Poldi zusammen auf dem Platz und davor Klose, mit so ’ner Angriffspower mussten ein paar Dinger einschlagen. Die Kombination von Mittelfeld und Sturm hat mir hervorragend gefallen, da konnten die Portugiesen oft nur hinterhergucken. Nur die Abwehr hat mir einige Sorgen bereitet. Zu oft war sie nicht nah genug am Mann dran oder hat zu spät attackiert. Aber Angriff ist die beste Verteidigung und so haben wir die Portugiesen spektakulär nach Hause geschossen. Jetzt ist alles möglich, hab gleich mal 5 Euro auf EM-Sieg Deutschland gesetzt. :)

Sonst hab ich heute nicht viel gemacht außer bisschen im Internet rumgehangen. Lustig: Ich hab ’ne Mail von Paul gekriegt, der inzwischen in Rio de Janeiro angekommen ist. Er meinte, ’ne Engländerin aus seinem Dorm im Hostel hätte von ’nem Deutschen erzählt, der vor ein paar Tagen abgereist ist und sich in seiner letzten Nacht in eben jenem Dorm so laut mit ’nem Mädel vergnügt hatte, dass der ganze Dorm aufgewacht ist. Paul fragte, ob der Deutsche zufällig Felix hieß und zufälligerweise war das sein Name. :)

Überraschend in Quito gelandet




 
Eigentlich wollte ich gestern nach Latacunga fahren, in die Bergregion von Equador. Ich hab mir sagen lassen, dass man dazu von Montañita aus am besten nach Guayaquil fährt, wo es den ganzen Tag Anschlussbusse geben soll. Gab es aber nicht, ich hätte 7 Stunden auf ’nen Nachtbus warten müssen. Dazu hatte ich aber gerade mal überhaupt keinen Bock, also blätterte ich durch meinen Lonely Planet auf der Suche nach ’nem Alternativziel. Der ein oder andere hilfsbereite Equadorianer fragte mich, wo ich den hin will. Als ich antwortete, dass ich keine Ahnung hab und es mir grad überlege, wurde ich mit großen Augen angeschaut. Yeah, das ist Travelling, landen, wohin der Wind einen trägt. :)

Bald quatschte mich ein Ticket-Verkäufer an, ob ich nach Quito, die Hauptstadt von Equador, wolle, in fünf Minuten könnte ich starten. Warum nicht, dachte ich mir, nach Quito wollte ich sowieso noch und es ist ein guter Startpunkt für alle anderen Ziele. 8 Stunden später um 2 Uhr nachts war ich schließlich in Quito.

Die Frage war, ob ich mir ’ne Bleibe in der Alt- oder Neustadt suchen soll. Die meisten Traveller gehen in die Neustadt, wo es massenweise Hostels, Restaurants und Internetcafes gibt. Allerdings ist die Neustadt von Quito nach Einbruch der Dunkelheit einer der gefährlichsten Orte Südamerikas. Die Altstadt ist ruhiger, traditioneller und insgesamt schöner. Deshalb hab ich dort nach ’nem Hotel gesucht und im zweiten Anlauf ein nettes Einzelzimmer mit Bad für 8 Dollar (5,30 Euro) gefunden.

Gringo-Party in Montañita




 
Gestern Abend hab ich mich auf Partysuche in Montañita begeben. Eigentlich geht dort richtig die Post ab, aber ich hatte ein schlechtes Timing, am Dienstagabend war nicht viel los. Es gab nur zwei offene Läden und dort war Gringo-Party angesagt. Am Wochenende strömen wohl Massen an Equadorianern – und Equadorianerinnen – nach Montañita, aber so lange kann ich nicht warten.

Also hab ich ein paar Bierchen und Caipis gezischt und mit ein paar Travellern gequatscht. Ich hab ’nen Israeli kennen gelernt, der ausnahmsweise mal nicht mit ’ner Truppe in Kompaniestärke unterwegs war und noch dazu ganz nett, es gibt also noch Wunder auf dieser Welt. Ich hab ihm vom Hund in Puerto Lopez erzählt, der mich den ganzen Tag verfolgt hat. Er fragte mich, ob das zufällig im „Sol Inn“ Hostel war. Schließlich erzählte er mir, dass es ihm genauso ging und Helen ihm zwei Tage auf den Fersen war. Scheint ihr Hobby zu sein, Touris zu verfolgen. :)

Außerdem hab ich ’ne Deutsche kennen gelernt, die sich furchtbar über die einheimischen Kerle am Billard-Tisch aufgeregt hat mit ihrem Macho-Gehabe und ihren Prollsprüchen. Dann hat sie ’ne Runde mit ihenen gespielt und bald darauf hab ich sie mit einem von ihnen ihrem Hotel verschwinden gesehen. Es ist doch überall das gleiche auf der Welt. :) Die anderen Mädels waren nicht so das Wahre, wie ich bald feststellte, deshalb hab ich mich irgendwann ins Bett verdrückt.