Jerusalem Reloaded




 
Als wir nach unserer Landung gestern den Flughafen verließen, wehte uns eine milde Frühlingsbrise um die Nase. Ich bekam direkt gute Laune, nachdem ich 4 Stunden zuvor im nasskalten Berlin gestartet war. Aber da wir Tel-Aviv schon kannten, suchten wir uns gleich einen Bus, der uns weiter nach Jerusalem brachte. Dort waren wir bei unserem letzten Israel-Trip zwar auch schonmal, hatten aber nur wenig Zeit und vor allem den Tempelberg noch nicht besucht, es gab also noch einiges zu tun.

Ich hatte schon vor Wochen ein Zimmer für Bethlehem zu Weihnachten reserviert, weil klar war, dass dort Massen einfallen würden. Dass diese Massen aber eventuell zwei Tage vorher schon in Jerusalem sein könnten und es dort auch schwierig würde, ein Zimmer zu finden, so weit habe ich nicht gedacht. Wir stiegen schließlich im Jaffa-Hostel in der Altstadt von Jerusalem ab, wo man uns für ein Bett im 5er Dorm jeweils 105 Schekel (21 Euro) abknöpfte. Das Zimmer war dann eher eine Zelle, ohne Fenster und so klein, dass man sich zu seinem Schlafplatz fast durchquetschen musste. Stephanie und ich scheinen irgendwie prädestiniert dafür zu sein, in der ersten Reisenacht in einem festerlosen Loch zu laden.

Egal, für die erste Nacht sollte es reichen. Wir liefen noch bisschen durch die Gegend, inzwischen war es Abend und wurde im 800 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Jerusalem ziemlich kalt. Vor einer Woche gab es hier einen krassen Wintereinbruch mit hohen Schneebergen, von denen die Reste immer noch zu sehen waren. Der Reisestart war also recht rustikal, aber irgendwie passt das auch zum Pilgerdasein, das ich für einige Tage mal ausprobieren wollte. Danach wartet dann das Tote Meer mit Sonne und Chillout auf uns.

Heute Morgen sah die Welt dann auch schon wieder viel freundlicher aus. Wir hatten uns gestern Abend noch ein nettes Zimmer für die nächste Nacht reserviert, die Sonne strahlte nun und die Altstadt von Jerusalem entfaltete ihren vollen Charme. Diesmal wollten wir unbedingt auf den Tempelberg, Einlass ist mittags immer nur für eine Stunde. Beim letzten Mal warteten wir am falschen Eingang und wurden nicht mehr rein gelassen, als wir den richtigen mit der langen Schlange entdeckt hatten.

Nochmal wollten wir uns das nicht geben, wir waren diesmal die ersten in der Schlange und kamen am Türsteher, besser gesagt der Sicherheitskontrolle, vorbei. Wir sahen den Felsendom, das Wahrzeichen Jerusalems, endlich mal aus der Nähe. Mit seiner goldenen Kuppel, die in der Sonne hell glänzt, wirkt er ziemlich beeindruckend. Für Moslems ist das der drittheiligste Ort der Welt, betreten durften wir ihn aber nicht. Die Atmosphäre auf dem Tempelberg war schön gechillt. Das Gelände ist relativ groß, vielleicht ein Viertel der gesamten Altstadt. Da aber nur wenige Besucher rein gelassen werden, verbreitet der Ort eine wohltuende Ruhe nach dem lebhaften Trubel in der Altstadt.

Danach besuchten wir das jüdische orthodoxe Viertel, das etwas außerhalb der Altstadt liegt. Bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren sind wir nur mal mit dem Bus durchgefahren und wollten diesmal unbedingt mal persönlich vorbei schauen. Plötzlich waren nur noch Männer mit schwarzen Hüten und langen Kotlettenzöpfchen auf den Straßen, die geschäftig umherwuselten. Es war eine interessante Atmosphäre, ganz anders, als noch wenige Ecken davor.

Kurz vor Sonnenuntergang besuchten wir schließlich noch den Ölberg. Dort soll angeblich Jesus seinen Jüngern das Vaterunser irgendwann mal. beigebracht haben. Heute steht dort eine Kirche und Tafeln mit Vaterunser-Übersetzungen in 80 Sprachen, inklusive Plattdeutsch. Vom Ölberg aus schauten wir uns den Sonnenuntergang über der Altstadt an, dann schnappten wir unsere Rucksäcke und zogen um in unser neues Heim.

Bin jetzt ordentlich fertig vom Tag, Stephanie hat ein paar israelische Biere besorgt, die wir gleich mal antesten werden. Morgen geht’s dann weiter nach Bethlehem, mitten rein ins Pilgerleben. :)