Ewige Flammen der Chimaera

Die ewigen Flammen der feuerspeienden Chimaera


Ich wollte ursprünglich nur für zwei Nächte in Olympos bleiben, nun ist eine Woche draus geworden. Es war eine super Zeit hier, aber nun auch genug um mal weiter zu ziehen. Olympos und Bayram’s Hütten ziehen einen irgendwie in einen Sog, aus dem man so schnell nicht mehr raus will, denn wie mir ging es vielen hier, unter einer Woche kommt man schwer hier weg.

Als ich nach der langen, schönen Zeit des gemeinsamen Reisens mit Johannes und Stephanie plötzlich allein unterwegs war, gab es eine Phase, in der ich mich erstmal darauf einstellen musste und ein wenig einsam fühlte. Doch hier in Olympos stellte sich endlich wieder dieses magische Gefühl ein, das ich am Alleinreisen so liebe: Absolute Freiheit gepaart mit Offenheit und Neugier, umgeben von Menschen, denen es genauso geht.

Nachdem Adriel und Tim vor vier Tagen abgefahren waren, verbrachte ich einige Zeit damit, bisschen organisatorischen Krams zu erledigen und Fotos zu sortieren. Dann lernte ich einen neuen Trupp Australier kennen und ging mit ihnen in der Orange-Bar feiern. Einer von ihnen erzählte dem DJ dort, dass er ein berühmter Plattenaufleger aus Sydney sei und fragte, ob er auch mal an die Decks dürfe. So landete er kurzerhand hinterm DJ-Pult und spielte ein Ping-Pong-Set mit dem türkischen DJ. Cooler Move auf jeden Fall, sollte ich auch mal probieren. :)



Bei Bayram’s gibt es seit einigen Tagen abends immer ein Lagerfeuer, um das sich die Meute versammelt und schwatzt. Das macht es nicht unbedingt leichter von hier wegzukommen, inzwischen gibt es so viele bekannte Gesichter, dass es sich wie ein kleines Zuhause anfühlt. Vorgestern startete ich – nach immerhin 5 Tagen – meine erste Aktivität, die nicht bei Bayram’s oder am Strand stattfand. Ich ließ mich nach Einbruch der Dunkelheit zu den 7 km entfernten ewigen Flammen der Chimaera kutschieren. Dort tritt seit Jahrtausenden an mehreren Stellen ein Gasgemisch aus dem Felsboden aus, das sich bei Kontakt mit Sauerstoff entzündet und so ein ewig brennendes Feuer verursacht, beeindruckende Technik und beeindruckende Optik bei Nacht.

Wo ich nun schonmal mein Aktivitätslevel ein wenig gesteigert hatte, wollte ich gestern in die Vollen gehen und zu einer 20-km-Wanderung aufbrechen. Ich hatte hier am Lagerfeuer Diba kennen gelernt, eine Australierin mit iranischen Wurzeln. Ich mochte sie gleich und die Unterhaltung mit ihr blieb nicht lange in der wo-kommst-du-her-wo-gehst-du-hin-was-war-dein-Lieblingsort-Endlosschleife stecken. Ich fragte sie, ob sie mitkommen wolle und so brachen wir gestern vormittag zusammen auf.

Unser Weg führte zunächst am Strand entlang bis zum Nachbarort Cirali, dann weiter zu den ewigen Flammen. Ich hätte nicht gedacht, dass man tagsüber allzu viel davon sieht, aber selbst im Hellen war das Schauspiel spektakulär. Kurz danach verliefen wir uns ganz gut, weil wir die runden weißen Punkte, die auf den Felsen zu sehen waren, für Wegmarkierungen hielten. Es dauerte gut 20 Minuten, bis wir gecheckt hatten, dass das in Wirklichkeit Pilzflechten waren und wir die Wegmarkierungen schon lange aus den Augen verloren hatten. Nach einer Weile fanden wir sie schließlich wieder.

Die Wanderung war super, abwechslungsreiche Landschaft und eine perfekte Dramaturgie: Start in der Sonne, Wolken bei einem steilen Aufstieg, dann kräftiger Regen zur Abkühlung, schließlich wieder Sonne zum Trocknen. Unterwegs aßen wir Fisch im Forellenrestaurant von Ulucinar, dann ging es weiter durch ein Dörfchen, über Felder und Waldwege, bis wir abends schließlich wieder in Olympos ankamen. Diba war die perfekte Wanderbegleitung, es war voll entspannt zwischen uns, überhaupt nicht anstrengend und ich war froh, sie gefragt zu haben.

Bei mir steht der Schalter nun wieder auf Aktivität, heute Abend geht’s weiter mit dem Nachtbus nach Göreme in Kappadokien, zusammen mit Valentina, einer Italienerin, die ich auch am Feuer bei Bayram’s kennen gelernt habe. Jetzt ist er voll da, der Flow des Reisens, ich hoffe er trägt mich eine Weile.

Blick zum Fels

Little Australia in Olympos


Ich habe seit meiner Ankunft in Olympos vor drei Tagen das Reisen komplett eingestellt, stattdessen findet mein Leben ausschließlich zwischen Bayram’s Hüttensiedlung und dem 400 Meter entfernten Strand statt. Es kommt mir dabei vor, als wäre ich hier in Little-Australia gelandet, denn nach wie vor ist so ziemlich jeder, den ich kennen lerne, Australier. In meiner Dormitory-Hütte wohnen außer mir noch Rihanna, Antonella, Tim und Adriel, und natürlich kommen sie, wie sollte es anders sein, auch aus Australien.

Mit Tim und Adriel hing ich die letzten beiden Tage ziemlich viel rum, bisschen am Strand, abends dann schön mit Bierchen bei Bayram’s. Adriel reist gerade durch Europa und will später noch nach Südamerika, insgesamt so ein Jahr. Tim muss in ein paar Tagen wieder arbeiten. Ich brachte den beiden Yaniv bei, ein israelisches Kartenspiel, das ich mit Stephanie und Johannes im August in exzessivem Ausmaß gespielt hatte. Tim und Adriel wären wohl keine echten Australier, wenn sie nicht gleich ein paar Zusatzregeln eingeführt hätten, um ein Trinkspiel daraus zu machen. :) Gestern waren Rihanna und Antonella auch mit von der Partie und ich könnte mich an diese Australierabende ganz gut gewöhnen. Irgendwie haben die meisten von ihnen eine recht erfrischende Offenheit und Entspanntheit, die mir gerade ganz gut taugt.



Heute Morgen ist der Trupp leider abgefahren, ich bleibe aber noch ein wenig hier. Es kommt mir vor, als würde ich in Olympos gerade mal kurz Pause vom Reisen machen, das muss auch ab und zu mal sein, sich einfach mal Zeit nehmen um Fotos zu sortieren, bisschen an der Blog-Technik zu schrauben und online ein paar Sachen zu erledigen, die in den letzten Wochen so angefallen sind.

Gerade habe ich Bidi und Stefan kennen gelernt, ein reisendes Päärchen aus – nein ausnahmsweise nicht Australien, sondern aus Deutschland, aber auch supernett. Ich mag Bayram’s Hüttensiedlung, mal bisschen rumdaddeln, dann mal wieder quatschen, zur Abkühlung nachmittags ins Meer springen. Mal sehen, ob ich hier jemals wieder weg komme. :)

Strand von Olympos

Komplett-Chillout in Olympos


Wie ich an meinem letzten Abend in Kabak schon geahnt hatte, war meine Wanderlust fürs erste gestillt und so setzte ich mich am folgenden Tag in den Bus zurück nach Fethiye, wo ja mein Gepäck noch im Guesthouse stand. Länger als eine Nacht wollte ich dort aber nicht mehr verweilen, die Stadt und ich wurden irgendwie nicht so recht warm miteinander, zu viele Touri-Shops und kein guter Ort, um Leute kennen zu lernen.

So landete ich abends auf dem Fischmarkt, wo man sich an einem der vielen Verkaufsstände einen frischen Fisch kauft und ihn dann in einem der umliegenden Restaurants zubereiten lässt. Nun saß ich allein und ein wenig einsam an meinem Tisch, diese Momente sind wohl der Preis für die absolute Freiheit des Alleinreisens. Als das Restaurant voller und voller wurde, platzierte die Kellnerin kurzerhand ein australisches Paar an meinem Tisch. Wir kamen recht schnell ins Gespräch, die beiden waren total nett und superunterhaltsam, so wurde es für mich noch ein richtig lustiges Abendessen. Diese Momente, die manchmal ganz unerwartet kommen, sind wiederum sind die positive Seite des Alleinreisens.

Ich teilte meinen 6er Dorm im Guesthouse mit 4 Australiern und als ich schlafen ging war noch keiner von ihnen zu Hause. Als sie schließlich herein stolperten, waren sie so besoffen, dass sie ihr Bett kaum fanden. Als sie es gefunden hatten, fing einer plötzlich an über die Reling auf den Boden zu kotzen. Ich blaffte ihn an, dass er dazu doch bitte aufs Klo gehen solle, aber dazu war er nicht mehr in der Lage. Er lallte noch, dass er morgen alles weg machen würde, dann kotzte er lautstark weiter. Ich stopfte mir Ohropax in die Ohren und versuchte die Kotzorgie, die sich so eine Stunde hinzog, zu ignorieren, so gut es ging.


Definitiv Zeit weiter zu ziehen, so setzte ich mich gestern in den Bus nach Olympos. Ich hatte viel Gutes über den Ort gehört, der mal eine Art Hippie-Ort am Strand war, nun etwas touristischer geworden ist, aber immer noch superentspannt und travellerfreundlich. Ich nahm mir ein Bett im 6er Dorm bei Bayran’s Treehouses, eines Holzhütten-Unterkunft in Strandnähe. Ich bezahle hier nur 35 Lira (12,50 Euro) pro Nacht inklusive Frühstück und fettem Abendessen. Tagsüber reicht mir ein kleiner Snack, so kann ich hier für wenig Geld ein wenig hängen bleiben. Nach der recht schnellen Travellei in den letzten zwei Monaten brauche ich mal eine Weile Chillout, Olympos scheint mir der richtige Ort hierfür zu sein.

Für den Weg zum Strand hat man sich hier etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Weil zwischen dem Meer und den Unterkünften ein paar Ruinen stehen, hat man einfach mal den gesamten Streifen zum historischen Ort erklärt und kassiert 5 Lira (1,80 Euro) Eintritt dafür. Es gibt keine Möglichkeit den Strand zu erreichen, ohne da hindurch zu müssen und so zahlt jeder, der zum Wasser will, Eintritt für die Ruinen, die er eigentlich gar nicht sehen will. Zum Glück gibt es einer 10er Karte für 7,50 Lira (2,70 Euro), so dass das Vergnügen bezahlbar bleibt, trotzdem bleibt das ein ganz schön frecher, aber sicher lukrativer, Schachzug.

Den gestrigen Abend verbrachte ich mit Bierchen, einem Chilenen und einem australischen Päärchen, die auch wieder superlustig waren. Die Südküste der Türkei ist voll von Australiern, vielleicht reisen sie grundsätzlich in Küstennähe, weil sie es von ihrem Kontinent so gewohnt sind. :) Auf jeden Fall sind die meisten von denen, die ich getroffen habe, ziemlich cool drauf, ich werde in den nächsten Tagen hier sicher noch ein paar mehr kennen lernen.

Zurück in der Kabak-Bucht...

Strand, Meer und ein bisschen Hippie-Feeling in der Kabak-Bucht


Nachdem sich mein Plan, in Ölüdeniz in Strandnähe zu campen, nicht so recht in die Tat umsetzen ließ und der Campingplatz oben drüber auf dem Berg ziemlich langweilig war, verabschiedete ich mich von meinem Plan, bis zu meiner Rückkehr nach Fetiye nur noch zu Fuß unterwegs zu sein. Bis zum nächsten Strand in Kabak wäre ich weitere zwei Tage unterwegs gewesen, langsam hatte ich auch das Bedürfnis nach ein wenig sozialer Interaktion.

Mein ursprünglicher Plan, innerhalb von ein paar Tagen zum Patara-Strand zu laufen, stellte sich auch als ein wenig überambitioniert heraus. Nach genauerer Recherche wurde mir klar, dass das insgesamt mindestens eine Woche dauern würde. So setzte ich mich kurzerhand in den nächsten Bus zur Bucht von Kabak. Die Straße führte über spektakuläre Serpentinen an steilen Klippen direkt am Meer entlang, die Landschaft war einfach atemberaubend.



Unterwegs lernte ich Erkan und Bojan aus Österreich kennen, die auch auf dem Weg nach Kabak waren. Sie ließen sich dort am Campingplatz ¨Sultan Camp¨ rausschmeißen, der ihnen empfohlen worden war und ich hängte mich kurzerhand dran. Der Campingplatz war supergechillt, ich mietete mir ein großes Zelt, das schon fertig aufgebaut war und aus dem mich eine weiche Matratze anlachte. Ich stelle fest, dass in meinen Wildnistrip so nach und nach der Luxus einkehrt: Erste Nacht campen im Wald, zweite Nacht mit meinem Mini-Zelt auf dem Campingplatz, dritte Nacht im großen Zelt mit richtiger Matratze. Morgen 5-Sterne-Hotel? Nein nein, so weit wird es nicht kommen.

Man munkelt so, dass Kabak bei weitem nicht mehr so viel Flair hat, wie noch vor ein paar Jahren, aber irgendwie munkelt man das ja überall. Ich finde diese Bucht jedenfalls super, einfach ein total entspanntes Stück Strand abseits von dicken Hotelbunkern. Am Hang hinter der Bucht gibt es Campingplätze, Holzhütten und Bungalows und am Strand ist auf jeden Fall noch ein ganzes Stück von dem Hippie-Flair zu spüren, durch das Kabak so bekannt wurde. Ich hielt ein Schläfchen in der Abendsonne und genoss den Sonnenuntergang.

Den Abend verbrachte ich mich Erkan und Bojan und einem Bierchen am Strand. Erkan stammt ursprünglich aus der Türkei und ist gerade länger hier unterwegs, Bojan besucht ihn für zwei Wochen. Es tat gut, nach der Abgeschiedenheit der letzten Tage mal wieder unter Leute zu kommen, wir schwatzten über die Travellei und das Leben und so weiter. Dann schlief ich wie ein Baby auf der wunderbar weichen Zelt-Matratze ein.

Heute brach ich zu einer ganz ordentlichen Wandertour auf, von Kabak nach Faralya auf dem Lykischen Weg über einen Berg, dann an den Klippen der Küste entlang zurück nach Kabak. Da ich meine Campingausrüstung im Camp lassen konnte, war ich recht leicht bepackt, da war das Laufen gleich mal um Welten entspannter als mit 10 Kilo auf dem Rücken die Tage davor. Ich habe mich außerdem in den letzten Tagen ganz gut darauf eingestellt, nur morgens und abends richtig zu essen und mich unterwegs von den Trauben und Beeren zu ernähren, die ich so finde. Wenn ich so weiter mache, wird mein Körper bald eine gewisse Adonishaftigkeit annehmen. :)

Der Weg von Faralya zurück nach Kabak war richtig, richtig spektakulär, er führte ganz oben am Rand des Butterfly-Tals entlang und man konnte von der Felskante hunterte Meter tief fast senkrecht nach unten schauen. Weiter ging es am Meer entlang mit einem Erfrischungsstopp am Aktas-Strand im kristallklaren Wasser. Schließlich lief ich in der Abendsonne durch Pinienwälder zurück nach Kabak. Am Ende hatte ich fast 20 Kilometer geschrubbt, fiel erschöpft in den Sand der Bucht und blieb da liegen, bis die Sonne unterging.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie es von hier aus weiter geht. Ich werde heute Nacht noch hier bleiben, zum Patara-Strand wären es dann drei Tage Fußmarsch, einen Bus gibt es von hier aus nicht. Ich kann mir im Moment absolut nicht vorstellen, dass mir morgen früh mit dann bestimmt noch schmerzenden Füßen so wirklich der Sinn danach steht.

Strand von Ölüdeniz

Aus dem Wald ins Touri-Paradies Ölüdeniz


Ich schlief letzte Nacht recht rustikal, denn meine aufblasbare Schlafmatte hat ein Loch und ließ mich den harten Waldboden spüren. Ansonsten lief alles gut und ich wurde von keinem im Wald herumstreunenden Wolfsrudel gefressen.

Kurz nachdem es hell wurde stand ich auf, frühstückte auf meinem Waldplätzchen und kochte mir auf meinem Ölkocher ein Käffchen. Nach wie vor war kein Mensch zu sehen oder zu hören, aber die Tiere gaben wenigstens wieder ein paar Laute von sich. Nachdem ich mein Nachtlager abgebaut und alles im Rucksack verstaut hatte, lief ich weiter Richtung Ölüdeniz, wo eine wunderschöne Lagune, aber auch Horden an englischen Pauschaltouristen liegen sollen.



Mein Weg führte mich von einem Berg hinab auf die Lagune zu, was ein paar herrliche Aussichtspunkte ergab. Ich hatte fast mein gesamtes letztes Wasser für den Kaffee verbraucht, so dass ich nun durstig in der immer kräftiger brennenden Sonne Richtung Meer stapfte. Als ich endlich in Ölüdeniz ankam und der erste Laden auftauchte, stürzte ich 1,5 Liter eiskaltes Wasser innerhalb von Minuten in mich hinein.

Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, mir einen Campingplatz in Meeresnähe zu suchen, doch die, die es dort laut Reiseführer dort einmal gegeben hatte, sind inzwischen dazu übergegangen, nur noch Bungalows oder Wohnmobilstellplätze zu vermieten. Nur ein einziger Campingplatz sollte zwei Kilometer weiter den Berg hinauf liegen.

Ich beschloss, erstmal ins Meer zu springen und mir die Lagune anzuschauen. Nach meiner einsamen Nacht im Wald war das erstmal ein ziemlicher Kulturschock, an der Lagune quetschten sich Massen an englischen und russischen Touristen eng an eng auf den schmalen Strandstreifen. Am offenen Meer ging es nicht ganz so sardinenartig zu, trotz Massentourismus gefiel es mir dort recht gut, das Wasser war tiefblau und die Bergkulisse am Ufer spektakulär.

Gegen Abend packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg zum angeblich zwei Kilometer in den Bergen entfernten Campingplatz. Inzwischen habe ich einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt, bis zu meiner Rückkehr nach Fetiye nur noch zu Fuß zu gehen, so dass ich darauf verzichtete, den Bus zu nehmen. Aus den zwei Kilomtern wurden schließlich vier, dann kam ich japsend und triefend auf dem Campingplatz ¨Doga Kamp¨ an.

Er wurde erst vor zwei Monaten eröffnet und mit viel Liebe in den Wald integriert. Es gibt Holzhütten, Hängematten, Baumhäuser… nur leider kaum Gäste. Ich hatte mich eigentlich auf etwas soziale Traveller-Integration gefreut, stattdessen scheinen nur eine Handvoll türkische Päärchen hier zu nächtigen. Ich bin aber auch so richtig, richtig geplättet vom Marsch hierher und werde wohl gleich in einen ewigen Tiefschlaf fallen.

Die Geisterstadt Kayaköy

Wild campen hinter der Geisterstadt Kayaköy


Nachdem ich mir gestern vormittag Pamukkale angeschaut hatte, gab es dort nichts mehr für mich zu tun und ich setzte mich in den nächsten Bus nach Fetiye, eine Stadt an der südlichen Mittelmeerküste. Ich schlug dort am frühen Abend auf und landete im Fetiye Guesthouse. In meinem 6er Dorm wohnte außer mir nur noch ein Ecuadorianer, der gerade dabei ist, in 80 Tagen um die Welt zu reisen.

Fetiye ist ziemlich touristisch, wenn auch in gerade noch so erträglichem Maße. Ist mir eigentlich auch egal, denn ich wollte sowieso nur für eine Nacht bleiben um mich heute zu Fuß mit meinem neuen Zelt auf den Lykischen Weg zu machen, ein 509 km langer Wanderweg, auf dem ich für ein paar Tage das erste Stück bestreiten will.


Meinen großen Rucksack ließ ich im Guesthouse, in den kleinen versuchte ich alles zu stopfen, was ich unterwegs brauchen würde. Schlafsack, Zelt, Schlafmatte, Klamotten, Essen, Wasser… es dauerte drei Stunden, bis ich eine Konstruktion gefunden hatte, um das alles darin oder außen darangebunden zu verstauen. Schließlich passte es, ich sollte mal an Deuter schreiben, dass der 18-Liter-Rucksack auch gefühlte 50 Liter fassen kann. :)

Heute Mittag setzte ich mich dann endlich in die Spur Richtung Kayaköy, einer verfallenen, unbewohnten Geisterstadt 9 km von Fetiye entfernt. Einst lebten hier 20.000 Griechen, die jedoch kurz nach dem 2. Weltkrieg vertrieben wurden. Die Ruinen der Stadt stehen heute unter Denkmalschutz.

Mein Weg führte mich zunächst an der Straße entlang aus Fetiye hinaus, dann auf einem Waldweg weiter, ein ganzes Stück lang ziemlich steil bergauf. Das Gewicht auf meinem Rücken machte sich ziemlich bemerkbar, mein Rucksack wog bestimmt so an die 10 Kilo.

Weiter ging es durch Pinienwälder mit wunderschönen Blicken über die bergige Landschaft bis ich im Dorf Keciler ankam. Dort hingen Trauben, Granatäpfel und Kaktusfrüchte über die Gartenzäune herunter, und ich ließ es mir gerne schmecken. Als ich die Kaktusfrucht schälte, erinnerte ich mich dunkel, dass man die kleinen Stacheln nicht berühren sollte. Ich merkte dann auch, was der Grund dafür war, denn die kleinen Widerhaken krallten sich so fies in meiner Haut fest, dass ich für den Rest des Tages damit beschäftigt war, sie wieder loszuwerden, sogar unter meiner Zunge blieben einige hängen.

Gegen 16 Uhr kam ich endlich in Kayaköy an. Geisterstadt trifft es auf jeden Fall ganz gut, die Atmosphäre war wirklich gespenstisch. Erst nach einer ganzen Weile traf ich auf andere Touristen, ansonsten nichts als verfallene Häuser und in der Mitte eine recht große griechisch-orthodoxe Kirche.

Allzu lange konnte ich mich dort aber nicht aufhalten, denn so langsam ging es auf den Sonnenuntergang zu und ich musste mir schleunigst ein Plätzchen für mein Zelt suchen, bevor es dunkel wurde. Ich füllte meine Wasservorräte nochmal auf und lief weiter Richtung Ölüdeniz, einem Strandort, den ich morgen erreichen will.

Nach einer halben Stunde fand ich in einem Pinienwäldchen ein recht ebenes Stück Boden und schlug mein Zelt zum ersten Mal auf, das zum Glück in Windeseile stand. Dann warf ich meinen kleinen Ölkocher an, zauberte mir Nudeln mit Zwiebel-Knoblauch-Paprika-Tomatensoße und schaufelte mir das Ergebnis mit einer Plastiktasse in den Mund, weil ich vergessen hatte, eine Gabel einzupacken.

Nun ist es stockdunkel und sowas von mucksmäuschenstill, wie ich es seit meiner Kindheit im Klingenthaler Quittenbach-Tal nur noch selten erlebt habe. Kein Mensch weit und breit zu hören oder zu sehen und selbst die Tieren scheinen eingeschlafen zu sein, man hört einfach überhaupt nichts mehr. Ist schon ein wenig gruselig, aber seltsamerweise fühle ich mich gleich viel sicherer und geborgener, sobald ich in meinem winzigen Zelt liege.

Unwirkliche Landschaft

Das (wieder) strahlend weiße Pamukkale


Nach 11 Stunden Busfahrt kam ich gestern um kurz vor 23 Uhr in Pamukkale an. Das billigste Bett der Stadt gab es im Kale Hotel im 12er-Dorm für 20 Lira (7,20 Euro). Perfekt für mich, denn mehr als eine Matratze, um mich für die Nacht aufs Ohr zu hauen, brauchte ich nicht.

Die schneeweißen Kalksteinterassen von Pamukkale, 100 Meter hoch und über einen Kilometer breit, zählen zum Unesco Weltnaturerbe. Sie wurden aus Ablagerungen kalkhaltiger, heißer Quellen jahrhundertelang geformt und durch eine unglaubliche Ignoranz gegenüber diesem Naturwunder in den letzten 50 Jahren ziemlich stark zerstört. In den 60er Jahren wurden Hotels oberhalb der Terassen gebaut, die das Wasser der Quellen benutzten und so verhinderten, dass sich neuer Kalk ablagern konnte. Sogar eine Straße wurde quer hindurch geschlagen und Touristen konnten nach Belieben auf dem Gestein herumtrampeln.




Mit den Jahren verwandelte sich die schneeweiße Pracht in ein unansehnsiches Grauschwarz, bis die Unesco schließlich drohte, Pamukkale von der Welterbeliste zu streichen. Nun zog man die Notbremse, die Hotels wurden bis 1998 abgerissen und man begann mit der Renaturierung. Dafür wird das kalkhaltige Wasser über ein Leitungssystem so verteilt, dass sich eine neue Kalkschicht an den jeweils gewünschten Stellen bilden kann. Touristen dürfen nur noch den Bereich der ehemaligen Straße betreten und das auch nur barfuß. Verstöße führen zu einem aufgeregten Trillerpfeifkonzert der überall umherschwirrenden Wachmänner.

Um dem Massenandrang ein wenig zuvor zu kommen, machte ich mich recht früh um kurz nach 8 Uhr auf den Weg zu den Terassen. Mein Plan ging ganz gut auf, denn die Horden an Koreanern und Russen, die aus einem mir unbekannten Grund seit einigen Jahren in Kompaniestärke in Pamukkale einfallen, waren noch nicht zu sehen. Ich war dann doch überrascht, wie weiß Pamukkale wieder war, nur an einigen Stellen ein wenig abseits konnte man sich vorstellen, wie hässlich es zwischenzeitlich einmal ausgesehen haben muss. Ich fand es wirklich wunderschön, ein ziemlich unwirklicher Ort der im Sonnenlicht so weiß strahlte, dass ich manchmal die Augen zusammenkneifen musste.

Am oberen Ende der Terassen erwartete mich schließlich noch die aus dem 2. Jahrhundert stammende, antike Ruinenstadt Hierapolis. Ich hatte nicht viel mehr als ein paar alte Trümmer erwartet, fand mich jedoch plötzlich in einem wundervoll restaurierten, riesigen Amphitheater wieder, dass seinesgleichen sucht. Ich setzte mich auf die alten Steine, blickte hinab in die Arena und sah vor meinem geistigen Auge blutige Gladiatorenkämpfe vor einer wie wahnsinnig schreienden Zuschauermeute. Ähm, eindeutig zu viele Hollywood-Filme gesehen. :)

Inzwischen waren die Busladungen an Russen und Koreanern ausgekippt worden, für 32 Lira (11,60 Euro) schienen diese Spaß daran zu haben, sich im “antiken Pool” zusammengequetscht gegenseitig in ihrem Schweiß zu baden. Das ersparte ich mir, gleich werde ich mich in einen Bus an die südliche Mittelmeerküste setzen. Im Norden der Türkei ist der Hochsommer so langsam vorbei und es regnet immer öfter, ich fahre deshalb lieber der Sonne ein wenig entgegen.

Mit dem Bus nach Pamukkale

Abschied von Istanbul


Ich habe es nach über einer Woche hier in der Stadt endlich geschafft mich von Istanbul loszureißen und sitze im Bus nach Pamukkale. Mir hat es im Bella Vista Hostel so gut gefallen, dass ich noch ewig hätte hier bleiben können. Ich habe dort so viele verschiedene Leute aus so interessanten Ecken der Welt getroffen, wie ich es bis jetzt selten in einem Hostel erlebt habe.

Da war Moeen, der iranische Medizintechniker, der von der UN nach Kanada eingeladen wurde um dort einen Vortrag zu halten. Flug und Hotel werden von der UN bezahlt, er braucht nur das Visum für Kanada. Um das zu beantragen, musste er von Teheran nach Istanbul fliegen, denn im Iran gibt es keine kanadische Botschaft. Nun muss er zwei Monate lang auf Antwort warten, fürchtet aber, dass sein Antrag abgelehnt wird.




Dann war da der 15jährige Türke, der aus einem kleinen Kaff nach Istanbul gekommen ist und eigentlich auf ein Internat sollte. Aber das war in den Ferien noch geschlossen, so suchte er sich auf eigene Faust ein Hostel, landete abends auf der Dachterasse des Bella Vista, rauchte eine Zigarette nach der anderen und fragte den Travellern Löcher in die Bäuche.

Dann der Syrer, der auf ein Visum für ein Studium in Deutschland wartete, der Iraner, der Düngemittel in der Türkei verkaufen wollte, der Tunesier, der auf ein Visum für ein Praktikum in Dänemark wartete… Jeden Abend versammelte sich auf der Dachterasse eine neue, illustre Runde.

Ein Franzose namens Max war auch dabei, er ist in den letzten Wochen in der Türkei ganz gut rumgekommen und konnte mir ein paar gute Tipps geben. Er hat viel wild gecampt und mich mit seinen Geschichten so angefixt, dass ich mir gestern kurzerhand etwas Campingausrüstung und ein leichtes Ein-Mann-Zelt gekauft habe. Dafür musste ich recht tief in die Tasche greifen, 380 Lira (
135 Euro) kostete das gute Stück, dafür wiegt es nur 1,3 Kilogramm und kann gut auf Dauer in meinem Rucksack bleiben. Das gibt mir dann doch ein ganzes Stück mehr Freiheit, auch mal Pfade ein wenig abseits von touristischer Infrastruktur einzuschlagen.

Gang in der Hagia Sophia

Hagia Sophia, ein Visum und Prinzessinnen



Vorgestern habe ich mir die Hagia Sophia in Istanbul angeschaut, früher mal eine christliche Basilika, die 1453 nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen zur Moschee umgebaut wurde. Als ich 2010 mit Stephanie in Istanbul war, hatten wir das in der Eile verpasst, woraufhin mein Vater ganz entrüstet war und meinte, das sei dann ja kein richtiger Istanbul-Besuch gewesen. Von innen wirkt die Hagia Sophia riesig, aber genauso riesig war leider ein Baugerüst, das für Rekonstruktionsarbeiten aufgebaut war und die halbe Halle ausfüllte. War trotzdem gut, mal dort gewesen zu sein, auch wenn ich andere Moscheen von innen schöner finde.

Gestern trat ich ganz früh beim iranischen Konsulat an, um mir mein Visum oder eine Abfuhr abzuholen. Das lustige Kerlchen, das zwei Tage zuvor schon meinen Antrag entgegen genommen hatte, war wieder für mich zuständig. Wieder verschwand er und ließ mich warten, während dessen sprach mit ein ungefähr 60jähriger Italiener an, der ziemlich gut Deutsch sprach, wo ich denn herkäme und wo ich hin wollte. Ich meinte, ich wäre auf längerer Weltreise unterwegs. “Ahhhh, das hört man, dass Sie länger nicht mehr deutsch gesprochen haben!” meinte er. “Ihr Deutsch ist irgendwie… ein wenig eingerostet!” Verdutzt sagte ich, dass ich erst seit zwei Monaten unterwegs sei. “Hm, aber ich verstehe Sie so schlecht, kommen Sie aus dem Osten?” fragte er. Ich antwortete, dass ich ursprünglich aus Sachsen käme. “Ahhhh, dann wohl deswegen!” meinte er. Nun gut, ich glaube eher, sein Deutsch war ein wenig eingerostet. :) Kurz darauf kam das lustige Männchen wieder hervor und drückte mir meinen Pass in die Hand. Darin klebte ein großes, fettes Visum für den Iran und ich habe nun drei Monate Zeit um einzureisen. Geschafft, juhuuu, Iran, ich komme! Dass es dann doch so schnell gehen würde, hätte ich nicht erwartet.

Da ich nun noch den ganzen Tag Zeit hatte, beschloss ich, noch einen Tagesausflug zu den sogenannten Prinzessinneninseln zu machen. Sie liegen nicht weit von Istanbul entfernt im Marmarischen Meer, südlich des Bosporus. Es gibt keine Autos auf den neun Inseln, per Fähre kann man vier von ihnen erreichen, die Fahrt kostet nur knapp 4 Lira (1,50 Euro). Ich steuerte Heybeliada an, weil sie mit ihren Pinienwäldern die Schönste der Inseln sein sollte. Ich hatte mir auch ein wenig Strand erhofft, wurde da allerdings etwas enttäuscht. Die Strände sind hässlich, Sand gibt es kaum und es werden unverschämte “Eintritts”-preise von 15-30 Lira (5,40 – 10,50 Euro) verlangt. Mein Einwand, das Meer sei doch frei und für alle da, fand kein Gehör. Die teuerste Badestelle namens “Green Beach” war an Dreistigkeit nicht zu überbieten, denn die Grünheit des “Strandes” war nur durch einen langen Holzsteg gegeben, der mit grünem Kunstrasen überspannt war.

Egal, das Wetter war sowieso nicht so dolle, also wanderte ich ein wenig durch den Pinienwald auf einen Hügel, von dem man eine wunschöne Aussicht über die Inseln hatte. Ich war dort völlig allein, legte mich irgendwo auf den Waldboden und schlief ein. Als ich wieder aufwachte, wurde mir klar, dass ich mal ein wenig raus muss aus dem Knäuel aus Sehenswürdigkeiten und Touristen. Ich will heute mal ein wenig recherchieren, wohin die Reise weiter gehen soll und morgen dann aufbrechen. Ich habe nun richtig viel Zeit, mich in der Türkei ein wenig treiben zu lassen, das ist wunderbar. Heute Morgen habe ich mich von Zafer verabschiedet und bin nochmal ins Bella-Vista Hostel gezogen, vielleicht kriege ich von anderen Travellern ein bisschen Inspiration.

Blick aus meinem Fenster auf Istanbul

Einzug bei Zafer in Istanbul



Nachdem Stephanie vorgestern nach Berlin zurück geflogen war, beschloss ich, dem Hostel-Trubel mal für ein paar Tage zu entfliehen versuchte ein günstiges Zimmer in einer Privatwohnung zu finden. Da ich in Istanbul noch mein Visum für den Iran besorgen musste, war klar, dass ich noch ein Weilchen hier bleiben würde, ich sehnte mich mal nach ein wenig Privatsphäre. Auf airbnb fand ich schließlich Zafer, der ein kleines Zimmerchen nicht weit vom Hostel für 27 Lira (10 Euro) pro Nacht vermietete. Ich nahm es für drei Tage und zog gestern dort ein.

Zafer ist ein 40jähriger Kurde und ein ziemlich verpeilter Typ. Er ist Kunstlehrer, wohl auch ein wenig Lebenskünstler, total zerstreut aber echt sympathisch. Seine Wohnung liegt in einem der über 100 Jahre alten Häuser in Beyoglu, die früher eher von ärmeren Menschen bewohnt waren, nun aber nach und nach zu schicken Residenzen saniert und teuer vermietet oder verkauft werden. Beyoglu ist vielleicht ein wenig das Neukölln von Istanbul, früher schmuddelig und verrucht, inzwischen hip und teuer. Zafers Haus aber sah aus, wie es wohl schon seit Jahrzehnten aussah. In der Wohnung war alles ein wenig schief und krumm und hatte dadurch einen gewissen Charme. Mein Zimmer war nicht allzu groß, aber ich hatte eine Tür, die ich mal hinter mir zu machen konnte und aus dem Fenster einen wundervollen Ausblick über Istanbul.

Abends trank ich mit Zafer ein Bierchen zusammen auf der Dachterasse des Hauses, er erzählte ein wenig vom Leben in Istanbul. Er war ziemlich besorgt über die politische Entwicklung, die in den letzten Jahren zunehmend konservativ wurde und erzählte ein wenig von den Protesten, die letztes Jahr rund um den Taksim-Platz gleich um die Ecke hier stattfanden. Was ich ganz interessant fand, war, dass er als Kurde gegen die Gründung eines eigenen Kurden-Staates war und meinte, die Mehrheit der Kurden in er Türkei sähe das genauso, ganz im Gegensatz zu den kurdischen Minderheiten der angrenzenden Länder. Zafer liebt sein Leben in Istanbul und sieht für sich nichts Erstrebenswertes darin, in den Osten in einen dann entstehenden, unabhängigen Staat zu ziehen.

Gestern machte ich mich schließlich auf den Weg zum iranischen Konsulat, um mein Visum für den Iran zu beantragen. Ich hatte vor drei Monaten über eine Visumsagentur eine Referenznummer beim iranischen Außenministerium beantragt und nach Istanbul schicken lassen, das ist sozusagen die Genehmigung, ein Visum beantragen zu dürfen. Nachdem ich die Visumsagentur bezahlt hatte, hatte ich nie wieder etwas von ihr gehört, ich hatte so meine Zweifel, ob das alles geklappt hatte.

Als ich mit ausgefülltem Visums-Antrag am Schalter stand und mein Anliegen vortrug, fragte mich der hagere kleine Mitarbeiter, der mit seiner runden Brille auf der Nase irgendwie lustig aussah, wo denn meine Referenznummer sei. Ich antwortete, ich hätte sie hierher schicken lassen. Genervt holte er einen faustdicken Stapel Papier hervor und meinte, es sei sehr schwierig die Nummer darin zu finden. Es schien keinerlei Sortierung zu geben, deswegen schaute er Blatt für Blatt nach meinem Namen durch. Er stockte ein paarmal, schüttelte dann aber wieder den Kopf und blätterte weiter. Ich gab die Hoffnung schon fast auf, doch dann wurde er tatsächlich fündig. Ich sollte 50 Euro an der Kasse bezahlten und danach wieder zu ihm kommen. Das tat ich, nur war der lustige Geselle dann plötzlich wie vom Erdboden verschluckt und tauchte über eine halbe Stunde lang nicht mehr auf. Die Uhr bewegte sich bedrohlich in Richtung Schließzeit des Konsulats, doch kurz vor Feierabend erschien er wieder, drückte mir eine Quittung in die Hand und meinte, ich solle damit in zwei Tagen wieder kommen. Ich bin gespannt, ob das wohl klappt.

Ich habe meine Wohnung gekündigt, den Job beendet und alle Sachen verkauft, um mit dem Rucksack um die Welt zu reisen.